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Thorsten Fink wird nach dem Aufstieg von seiner Mannschaft gefeiert © imago

Ingolstadts Trainer Thorsten Fink spricht im Sport1-Interview über den Aufstieg in die Zweite Liga und über die Zukunft.

Von Christian Gies

München - Der Aufstieg des FC Ingolstadt ist eng mit einem Namen verbunden: Thorsten Fink.

Im Januar übernahm der Ex-Profi des FC Bayern in Ingolstadt das Ruder vom entlassenen Trainer Jürgen Press und startete eine Siegesserie.

Zehn Siege in 15 Partien legten die "Schanzer" hin. Am Ende belegten die Ingolstädter den zweiten Platz in der Regionalliga Nord, punktgleich mit dem FSV Frankfurt.

Und das mit einem Team, das in erster Linie aus "Nobodys" besteht. Die einzigen prominenten Spieler im Team sind der Ex-Berliner Andreas "Zecke" Neuendorf und der Ex-Stuttgarter Heiko Gerber.

Sport1.de sprach im Interview mit Fink über die Gründe für den Aufstieg, Veränderungen des Kaders und über die persönliche Zukunft und die des Vereins.

Sport1: Herr Fink, wie lange haben Sie den Aufstieg in die Zweite Liga gefeiert?

Thorsten Fink: Eigentlich nicht so lange. Ich glaube, die Spieler haben richtig gut gefeiert. Aber als Trainer wollte ich nicht so lange feiern, denke schon wieder an die neue Saison. Am nächsten Tag habe ich mir gleich ein paar Gedanken über die Kaderplanung gemacht. Aber natürlich genieße ich das gerade, ich bin für zwei Tage weggefahren. Und wenn ich jetzt wieder komme, geht´s mit der Kaderplanung weiter.

Sport1: Warum haben Sie sich denn den Aufstieg ins Unterhaus verdient?

Fink: Wir haben die entscheidenden Spiele in der Rückrunde wie das erste gegen den damaligen Tabellenzweiten VfB Stuttgart II gewonnen. Bei einer Niederlage hätten wir bei dann zehn Punkten Rückstand keine Chance mehr gehabt, oben heranzukommen. Zudem waren wir die spielerisch beste Mannschaft in der Liga, die in der Rückrunde ihre Gegner dominiert hat.

Sport1: Wie soll denn Ihre Mannschaft in der neuen Runde aussehen?

Fink: Wir wollen unseren Charakter und Teamgeist beibehalten und die Mannschaft nur punktuell verstärken. Viele machen den Fehler und kaufen irgendwelche Söldner, die dann doch schlechter sind als die Spieler, die wir haben.

Sport1: Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?

Fink: Wir wollen noch einen Torjäger, einen Linksverteidiger und einen Mittelfeldallrounder holen. Im Prinzip möchte ich auch mit den jungen Spielern weiterarbeiten.

Sport1: Aber?

Fink: Im Sturm kann es aber durchaus ein Erfahrener sein. Auf den anderen Positionen ist etwa ein Heiko Gerber in der Linksverteidigung, der eine tolle Rückrunde gespielt hat, schon etwas älter (35, die Red.). Wir benötigen hier eher einen jüngeren, der irgendwann mal aufrückt. Aber auch so gibt es einen offenen Konkurrenzkampf zwischen Jung und Alt.

Sport1: Im Gegensatz zu Ihrem Vorgänger Jürgen Press sind Sie recht selbstbewusst aufgetreten und haben in Ihrer Antrittsrede vom Aufstieg in die Zweite Liga geredet. Wieso, wenn der Verein vor der Saison nur das Ziel Qualifikation zur neuen Dritten Liga ausgegeben hat?

Fink: Weil die Mannschaft die Qualität hat. Ich war nur Realist. Ich war nie ein Spieler, der auf die Kacke gehauen hat, sondern habe immer seriös Dinge angesprochen. Von mir als Trainer bin ich überzeugt. Die meisten sind der Meinung, so ein Ziel bloß nicht auszugeben, weil der Druck dann zu hoch wird. Hat die Mannschaft nicht die Qualität und ich sage so etwas, dann ist der Druck natürlich kontraproduktiv. So war es aber genau richtig. 02

Sport1: Sie waren bei RB Salzburg Co-Trainer von Giovanni Trapattoni. Was haben Sie von ihm gelernt?

Fink: Was die Leidenschaft, akribische Arbeit, Taktik und Spieler zu formen angeht, habe ich von Trapattoni viel gelernt und einiges mitgenommen, der das auch vorgelebt hat.

Sport1: Aus dem rund 6000 Zuschauer kleinen MTV-Stadion müssen Sie nun ausziehen und wandern ins größere ESV-Stadion mit etwa 17000 Zuschauern. Erhält die Stimmung im größeren Rund einen Abbruch, zumal im MTV der Aufstieg perfekt gemacht worden ist?

Fink: Das glaube ich eigentlich nicht. Früher hat man ja auch im ESV-Stadion gespielt und da war die Stimmung immer hervorragend. Aber natürlich muss der Funke von uns auf die Fans übergehen und nicht umgekehrt.

Sport1: Welche Rolle kann denn Ingolstadt in der Zweiten Liga spielen?

Fink: Im ersten Jahr geht es nur um den Klassenverbleib, dass wir uns in der neuen Klasse etablieren. Andere Ziele wollen wir erst einmal nicht ausgeben. Falls die Audi AG sagt, wir wollen wie VW mit Wolfsburg aufsteigen, dann können wir das vielleicht im zweiten Jahr machen. Für den Fall müsste sie aber auch investieren. Das Risiko muss man dann auch eingehen.

Sport1: Mit dem FC Bayern haben Sie große nationale und internationale Erfolge wie den Champions-League-Sieg 2001 gefeiert. Wie lange wollen Sie da noch in der Zweiten Bundesliga Trainer bleiben?

Fink: In der Zweiten Liga lernt man ja auch. In der Regionalliga habe ich auch gelernt und vorher in Salzburg. Ich möchte mich stetig weiterentwickeln und das geht nicht von heute auf morgen. Ich möchte Erfahrungen in der Zweiten Liga sammeln und dann kann ich immer noch weitergehen.

Sport1: Können Sie sich denn ein längerfristiges Engagement in Ingolstadt vorstellen?

Fink: Wie lange es mit Ingolstadt gehen wird, weiß ich nicht. Wenn der Verein sagt, wir wollen irgendwann noch mehr erreichen, dann kann ich mir auch vorstellen, hier längerfristig zu arbeiten.

Sport1: Welche Ansprüche haben Sie an sich selbst?

Fink: Irgendwann möchte ich ein Erstligateam trainieren, das ist ja völlig klar. Warum soll ich das nicht sagen? Ich war lange Fußballer, habe jetzt mit der Mannschaft Erfolg gehabt und dann hat man sicherlich auch große Ziele. 03

Sport1: Einige Bundesliga-Spieler haben nach ihrer Karriere eher den Schreibtisch gegen den Rasen eingetauscht und sind Manager im Fußball-Bereich geworden. Wäre das eine Option für Sie?

Fink: Nein, ich bin Trainer mit Herz und Leidenschaft und das ist meine Bestimmung. Das wusste ich schon, als ich noch Spieler war. Und ich habe den Trainerschein nicht umsonst gemacht, dass ich irgendwann Manager werde. Meine Stärken liegen eher darin, mit einer Mannschaft umzugehen und ihr zu erzählen, wie man Fußball zu spielen hat.

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