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Friedhelm Funkel (l.) stieg mit Hertha ab, Markus Babbel will mit Berlin aufsteigen © imago

Die Trainer der beiden Abfsteiger aus Berlin und Bochum sprechen bei SPORT1 über ihre Erwartungen an die neue Saison und ihre Ziele.

Von Matthias Becker und Rainer Nachtwey

München - Am Freitag begann für die Berliner Hertha mit dem Heimspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen (3:2) das Unternehmen Wiederaufstieg.

Mit-Absteiger VfL Bochum start am Montag (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) gegen 1860 München in die Zweitliga-Saison.

Auf der Bank des VfL sitzt Friedhelm Funkel, der in der vergangenen Saison mit der Hertha abstieg. Bei der Hertha hat Markus Babbel, in der Vorsaison in Stuttgart entlassen, als Cheftrainer das Sagen.

Bei SPORT1 sprechen Babbel und Funkel darüber, wie sie ihre Vereine zurück in die Bundesliga führen wollen.

SPORT1: Herr Babbel, kürzlich haben Sie erklärt, dass in der Zweiten Liga die Mentalität entscheidet. Was macht Sie so sicher, dass Ihr Team nach dem Abstieg nun das Unternehmen Unterhaus sogleich annehmen wird?

Markus Babbel: Uns allen in Berlin ist klar, dass der Aufstieg kein Selbstläufer wird, sondern harte Arbeit erfordert. Darauf bereiten wir unsere Spieler in vielen Gesprächen und im Training vor. Auf dem Platz werden sie es ohnehin spüren, dort werden wir die Gejagten sein.

SPORT1: Herr Funkel, im DFB-Pokal ist der VfL durch das 0:3 bei Drittligist Offenbach gescheitert. Warum glauben Sie, dass der VfL in der Zweiten Liga ein anderes Gesicht zeigen wird?

Friedhelm Funkel: Wir haben der Mannschaft in dieser Woche nicht nur die Fehler im Rahmen der normalen Video-Analyse gezeigt, die Spieler durften sich auch noch einmal das 0:3 in Offenbach in Gänze anschauen. Darüber hinaus legen wir in dieser Woche im Training viel Wert auf Zweikampfverhalten. Ich bin mir sehr sicher, dass die Mannschaft am Montag ganz anders auftreten wird.

SPORT1: Wie lässt sich der Kredit bei den Fans zurückgewinnen, die nach der Abstiegssaison eine Aufbruchsstimmung erleben wollen?

Babbel: Schauen Sie sich in Berlin um: Über 13.000 Dauerkarten sind verkauft, mehr als 2000 Fans kamen zum ersten Training, zum ersten Spiel gegen Oberhausen erwarten wir 40.000 Besucher am Freitagabend. Der Kredit der Fans ist da, den müssen wir mit Leistung bestätigen.

Funkel: Die Fans haben ein Anrecht darauf, dass es elf Spieler auf dem Platz gibt, die sich die Lunge aus dem Hals rennen und alles für den Erfolg der Mannschaft geben. Auf dem Platz können Nuancen den Ausschlag geben. Es kommt darauf an, dass die Spieler selbstbewusst auftreten, mit Herz bei der Sache sind und sich für den Erfolg zerreißen. Dann ist ihnen auch die Unterstützung der Anhänger gewiss.

SPORT1: In einer Umfrage erklärten alle 18 Zweitliga-Trainer, dass Bochum und Hertha BSC direkt aufsteigen. Ist das eine angenehme Motivation oder eher psychische Belastung, nun als die Gejagten zu gelten?

Babbel: Mit dem Druck muss man umgehen können, wenn man aufsteigen will. Und den Druck habe ich doch lieber, als gegen den Abstieg zu spielen.

Funkel: Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass wir aufsteigen wollen. Ganz im Gegenteil: Das ist unser erklärtes Ziel, dafür haben wir in der Sommerpause die Weichen gestellt, daran arbeiten wir aktuell sehr hart. Diese Prognose ist damit auch ein Spiegelbild unseres Vorhabens.

SPORT1: Herr Babbel, Lustenberger, Raffael, Ebert, Kobiashvili - sie alle blieben in der Vorsaison trotz ihrer eigentlich großen Qualitäten enorm unter ihren Möglichkeiten. Wie haben Sie diese Spieler gesehen?

Babbel: Fabian Lustenberger hat in der vergangenen Saison nach einer langen Verletzungspause ein sehr gutes Comeback erlebt und wirklich klasse gespielt. Levan Kobiashvili hat die Mannschaft, er kam ja erst in der Winterpause, zur Rückrunde extrem stabilisiert. Beide spielten also sicher nicht unter ihren Möglichkeiten. Patrick Ebert hatte jetzt das Pech, sich schwer zu verletzen, nachdem er sehr motiviert und glänzend vorbereitet aus der Sommerpause kam. Auf ihn werden wir bauen können, wenn er wieder fit ist. Und über die Qualität von Raffael brauchen wir nicht zu diskutieren, die ist unbestritten.

SPORT1: Gerade auch das Flügelspiel lag vergangene Saison brach. Ist nun Schluss mit der bisherigen Hertha-Spielweise?

Babbel: Die Mannschaft hat ein neues Gesicht, dementsprechend wird sie auch anders spielen.

SPORT1: Bochum hatte in der Bundesliga in den vergangenen zwei Jahren gerade einmal fünf Heimspiele gewonnen. Muss die Mannschaft nicht anders auftreten?

Funkel: Selbstverständlich müssen wir unser Spiel ändern. Wir kommen aus der Bundesliga, von uns wird erwartet, dass wir das Spiel gestalten. Das war eine den zentralen Zielsetzungen unserer Vorbereitung.

SPORT1: Welche Rolle kommt Giovanni Federico dabei zu, den Sie als Fixstern der Bochumer Offensive bezeichnet und insofern schon mit reichlich Vorschusslorbeeren bedacht haben?

Funkel: Giovanni ist ein sehr guter Fußballer. Er verfügt über einen guten Torabschluss und ist jederzeit in der Lage, den tödlichen Pass zu spielen. Das beweisen nicht zuletzt seine Zweitliga-Daten: 45 Tore und 32 Vorlagen in 103 Spielen ? diese Werte dokumentieren eindrucksvoll seine Klasse.

SPORT1: Wovor - neben vielleicht den Duellen mit Ihrem Berliner Ex-Klub und Markus Babbel - haben Sie am ehesten Sorge in der Zweiten Liga, was wiederum stimmt Sie bisher am zuversichtlichsten?

Funkel: Sorgen sind mir fremd. Vielmehr liebe ich Herausforderungen. Und mit dem VfL Bochum aufzusteigen ist eine solche. Wobei ich mir sicher bin, dass wir am Ende unser großes Ziel erreichen.

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