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Reiner Maurer war von 1989 bis 1995 als Spieler bei 1860 aktiv © imago

1860-Trainer Reiner Maurer spricht bei SPORT1 über seine Rückkehr, die finanzielle Situation des Klubs und den Auftakt in Bochum.

Von Thorsten Mesch

München - Eigentlich war Reiner Maurer als Trainer für die U-23-Mannschaft des TSV 1860 München vorgesehen.

Doch nach dem überraschenden Abschied von Ewald Lienen wurde Maurer prompt zum Cheftrainer befördert.

Der 50-Jährige, der Ende 2004 als Nachfolger von Rudi Bommer den Posten des Chefcoachs übernahm und im Januar 2006 entlassen wurde, soll die "Löwen" wieder zu alter Stärke führen (DATENCENTER 2. LIGA: Ergebnisse und Tabelle).

Schwere Partie in Bochum

Aufgrund des schweren Auftaktprogramms mit den Auswärtsspielen in Bochum (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER), Duisburg, Düsseldorf und Augsburg glaubt Maurer nicht, dass sich die "Löwen" gleich zu Beginn vorne festsetzen können und setzt auf Geduld.

Im Interview mit SPORT1 spricht Maurer über seine Rückkehr, die Vorbereitung und das schwere Auftaktprogramm.

SPORT1: Haben Sie sich schnell wieder bei 1860 eingearbeitet?

Rainer Maurer: Ich habe mich sehr schnell eingewöhnt, da ich mich hier auch heimisch fühle.

SPORT1: Sie waren ja für die U 23 vorgesehen. Gab es keine lukrativeren Angebote als Cheftrainer einer Profimannschaft, oder hat es Sie zurück in die Heimat gezogen?

Maurer: Ich hatte auch ein paar gute Angebote aus dem Ausland, aber mein Ziel war immer, wieder in Deutschland zu arbeiten. Hier bei den Löwen bin ich nur 90 Kilometer von meinem Heimatort (Mindelheim, Anm. d. R.) entfernt und kann so auch häufiger meine Familie sehen.

SPORT1: Hat sich in den vier Jahren, in denen Sie weg waren, irgendwas verändert?

Maurer: Eigentlich nicht.

SPORT1: Was sind Ihre Ziele?

Maurer: Natürlich hat jeder Cheftrainer seine eigenen Vorstellungen und Philosophie. Ich arbeite gerne mit jungen Spielern zusammen und möchte sie bereits früh in den Profi-Kader einbinden.

SPORT1: Was haben Sie in Griechenland gelernt, was Sie so in Deutschland nicht erfahren hätten?

Maurer: Die Führung der Vereine ist ganz anders als in Deutschland, auch der Umgang mit dem Präsidium, den Spielern und den Medien. Hier gibt es zum Beispiel Sportzeitschriften, die ein oder zweimal die Woche herauskommen. In Griechenland gibt es 13 Sportzeitungen, die sieben Mal die Woche erscheinen.

SPORT1: Wie sind Sie mit der Vorbereitung zufrieden?

Maurer: Sie ist positiv verlaufen. Unterm Strich zählt natürlich das Ergebnis, wenn es losgeht. Es ist auch wichtig für uns gewesen, dass wir im Pokal weitergekommen sind und die Einnahmen gesichert haben.

SPORT1: Einige Spieler haben sich sehr positiv über Ihr Training geäußert. Wo legen Sie die Schwerpunkte?

Maurer: Ich arbeite unheimlich gerne individuell mit den Spielern: an ihren Stärken, aber eben auch viel an ihren Schwächen.

SPORT1: Was trauen Sie Rückkehrer Savio Nsereko zu, der zuletzt in seinen Vereinen in England und Italien kaum zum Einsatz kam?

Maurer: Für ihn ist es in den letzten zwei Jahren sicherlich nicht so gut gelaufen, wie man es von seinem Talent hätte erwarten können. Er ist für sehr viel Geld ins Ausland gewechselt, hat aber kaum Spielpraxis erhalten. Er muss nun die Kurve kriegen. Mit 21 Jahren ist das Hin und Her zwischen Deutschland, Italien, England, Italien und dann wieder Deutschland nicht so einfach zu bewältigen. Er muss sich jetzt erstmal in der Zweiten Liga zurechtfinden.

SPORT1: Benjamin Lauth, der beim letzten Sieg gegen Bochum im Jahr 2003 (3:1) alle drei Tore schoss, hat eine nicht so gute Saison hinter sich. Können Sie ihm wieder in die Spur helfen?

Maurer: Ich hoffe, dass der Benny wieder den Sprung nach vorne schafft. Wir arbeiten daran, dass er zu einer Torgefährlichkeit zurückfindet und auch die entsprechende Fitness bekommt, die er für sein Spiel benötigt.

SPORT1: Daniel Bierofka war sehr lange verletzt. Wie ist seine Verfassung?

Maurer: Er ist auf einem sehr guten Weg. Er hat die Vorbereitung im Großen und Ganzen mitgemacht und im Pokalspiel in Verl nach seiner Hereinnahme für viel Schwung gesorgt. Wir wollen ihn Stück für Stück in die Mannschaft einbinden, damit er stabil durch die Saison kommt.

SPORT1: Die Problematik, dass bei 1860 Spieler immer wieder Spieler den Verein verlassen mussten, macht es für einen Trainer nicht gerade einfacher, oder?

Maurer: Es ist ganz normal, dass Personalwechsel stattfinden. Den einen oder anderen hätten wir sicher gerne gehalten, was aber aus finanziellen Gründen nicht möglich war. Wir haben gute Spieler abgegeben, aber auch gute dazubekommen.

SPORT1: Mit Stefan Aigner soll der Publikumsliebling - wohl auf Druck der Vereinsspitze - verkauft werden. Die Fans protestierten, Sportdirektor Miki Stevic will ihn nicht gehen lassen. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Maurer: Die Wogen um Stefan sind in dieser Woche hochgeschlagen. Dazu kam, dass er körperlich angeschlagen war. Trotz allem hoffe ich, dass er in Bochum ein gutes Spiel macht.

SPORT1: Zum Auftakt müssen Sie in Bochum ran. Was rechnen Sie sich da aus?

Maurer: Bochum ist als Absteiger mit Berlin Aufstiegsfavorit. Es wird sehr schwierig, in Bochum etwas zu holen, aber wir wollen nicht mit leeren Händen nach München zurückzukommen.

SPORT1: Sie haben mit Auswärtsspielen in Duisburg, Düsseldorf und Augsburg ein schweres Startprogramm. Könnte das ein Problem werden?

Maurer: Unsere Fans wollen uns am liebsten von Anfang an vorn sehen. Allerdings wird das mit diesem Startprogramm schwer möglich sein. Wir haben die Topmannschaften zunächst alle auswärts und erst im Winter kommen Mannschaften wie Berlin, Bochum und Augsburg zu uns. Wir haben im August ein Heimspiel gegen den Aufsteiger aus Osnabrück, im September unter der Woche gegen Aue. Das ist für uns finanziell, wo wir sowieso sehr gebeutelt sind, ein großes Problem.

SPORT1: Lässt sich das Saisonziel in Zahlen fassen?

Maurer: Wir gehören zum Verfolgerfeld, wie einige andere Klubs auch.

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