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Nordkoreas WM-Teilnehmer Chong Tese hätte auch für Südkorea oder Japan spielen können © getty

VfL-Neuzugang Chong Tese ist nicht nur der Matchwinner beim 3:2 gegen 1860 München, sondern zieht auch danach eine große Show ab.

Bochum - Nach seinem Traumstart mit Doppelpack war die Show des Chong Tese noch lange nicht vorbei.

Der erste Nordkoreaner im deutschen Profi-Fußball ließ bei den TV-Interviews im Anschluss an den 3:2 (2:1)-Sieg des VfL Bochum gegen 1860 München seinen Dolmetscher demonstrativ links liegen und beantwortete die Fragen der verdutzten Journalisten in holprigem, aber passablem Deutsch.

Sechs Wochen nach seiner Ankunft in der neuen Wahlheimat!

Lächelnd verriet er sein Motto: "Lernen statt Schlafen."

"Er tut uns gut"

Der 26-Jährige bewies bei seiner Zweitliga-Premiere eindrucksvoll, dass er als Klasse-Stürmer und außergewöhnlicher Charakter den VfL aus der Depression und zurück in die Bundesliga führen könnte.

"Seit er direkt nach seiner Vertragsunterschrift am Teamabend teilgenommen hat, bringt er sich bei uns ein", sagte VfL-Manager Thomas Ernst:

"Keine Frage, einen wie ihn brauchen wir hier, nicht nur sportlich. Er tut uns gut."

Technisch stark, ballsicher und torgefährlich hatte sich Tese präsentiert.

Zwei Kopfballtreffer

Mit seinen Kopfballtoren zum 2:1 (38.) und 3:1 (46.) sowie als Vorbereiter der Aktion zum 1:0 war er der beste und auffälligste der starken Bochumer Neuzugänge. (DATENCENTER 2. LIGA: Ergebnisse und Tabelle)

Die Führung (13.) erzielte Giovanni Federico, und auch die VfL-Neulinge Björn Kopplin und Faton Toski zeichneten sich als Vorlagengeber aus.

So stark die Offensivkraft des Absteigers war, so schwach präsentierte sich seine Abwehr.

Weitere Gegentreffer neben denen von Dordje Rakic (22.) und Benjamin Lauth (59.) lagen ständig in der Luft.

"Wir werden alle noch besser"

"Wir alle werden noch besser", sagte Chong Tese salomonisch.

Jong Tae-Se hatte sich Tese noch während der WM in Südafrika nennen lassen.

In Bochum bestand er auf der japanischen Version seines Names, weil er in der J-League bei Kawasaki Frontale spielte und als Chong Tese berühmt wurde.

In dieser Zeit erarbeitete er sich auch seinen Spitznamen "Wayne Rooney von Asien".

In Japan aufgewachsen

Chong Tese wuchs als Kind einer südkoreanischen Mutter und eines nordkoreanischen Vaters im japanischen Nagoya auf. Er besaß einen südkoreanischen Pass.

Erst mit der Unterstützung der pro-nordkoreanischen Chongryon-Schule, die er besuchte, konnte er im Jahr 2006 den im Süden eigentlich verbotenen Nationalitätenwechsel vollziehen.

2007 spielte er erstmals für Nordkorea. Bei der Ostasienmeisterschaft 2008 erzielte er jeweils die Tore beim 1:1 gegen Südkorea und Japan.

In beiden Ländern hätte er ebenfalls Nationalspieler werden können. Doch er entschied sich für Nordkorea.

Die Bilder des vor Stolz weinenden Tese bei der Nationalhymne vor dem ersten WM-Spiel seines Teams gegen Brasilien gingen um die Welt.

Einsilbig beim Thema Nordkorea

Auf Nordkorea angesprochen, endet Teses Redeschwall abrupt, er wird einsilbig. Nein, er hatte nach der WM noch keinen Kontakt zu Nationaltrainer Kim Jong-Hun oder seinen Teamkameraden.

Von Gerüchten über Strafen und Demütigungen durch die kommunistische Führung des Landes nach dem Vorrunden-Aus in Südafrika und dem unrühmlichen 0:7 gegen Portugal habe er keine Informationen:

"In Nordkorea gibt es kein Internet."

Erst im Februar will er während des Asien-Cups wieder für Nordkorea spielen, die Testspiele zuvor seien "unwichtig".

Funkel geht der Rummel zu weit

Dem neuen VfL-Trainer Friedhelm Funkel geht der Rummel um seinen Stürmer bereits zu weit.

Der erfahrene Fußballlehrer will mit aller Macht verhindern, dass Tese sich in seiner neuen Heimat wie eine Jahrmarktfigur aus einer fremden Welt fühlen muss:

"Wir werden ihn ein bisschen rausnehmen. Er braucht noch Zeit."

Aigner: Kein Gespräch mit VfB

Derweil ärgerten sich die "Löwen" über die aus ihrer Sicht unnötige Auftaktpleite.

"Wir sind dreimal einem Rückstand hinterhergelaufen und haben dabei Moral bewiesen. Am Ende war das aber zu wenig", sagte Stefan Aigner zu SPORT1.

Sein Wechsel nach Stuttgart ist weiter in der Schwebe. Einen angeblichen Verhandlungstermin mit VfB-Sportdirektor Fredi Bobic am Dienstag dementierte der 23-Jährige.

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