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Die Hertha mit Trainer Markus Babbel (r.) und Rob Friend belegt derzeit Rang 3 © getty

Das Duell zwischen Union und Hertha teilt die Hauptstadt in Ost und West. Selbst Bürgermeister Wowereit schaltet sich ein.

Von Tim Tonner und Martin Hoffmann

München/Berlin - Nach über 16 langen Jahren des Wartens - am 3. Mai 1994 spielte Tennis Borussia gegen Hertha - ist wieder Derby-Zeit in Berlin.

Allein deshalb kochen die Emotionen natürlich hoch.

Und weil sich am Freitag auch noch Union und Hertha (ab 17.45 Uhr im LIVE-TICKER) gegenüberstehen, ist die Hauptstadt nicht nur in die beiden Fan-Lager geteilt, sondern auch in Ost und West.

Und das fast genau 20 Jahre nach der Wiedervereinigung. (DATENCENTER 2. LIGA: Ergebnisse und Tabelle)

"Das ist die Geschichte dieser Stadt"

Christian Beeck verweist ganz deutlich auf den Ost-West-Konflikt und damit die politische Komponente dieses Duells.

"Das ist die Geschichte dieser Stadt, dieses Landes", sagt der Union-Manager.

Der große Streitpunkt aktuell ist aber eine Angelegenheit schnöder Tagespolitik.

Stundung in Millionenhöhe

Es geht um eine Stundung in Millionenhöhe zu Gunsten von Hertha BSC, die der Berliner Senat genehmigt hat.

Die "Alte Dame" muss derzeit keine Miete für das Olympiastadion zahlen.

"Das macht mich nur noch ärgerlicher und bestätigt das Misstrauen vieler Bürger aus dem ehemaligen Ostberlin, das immer noch mit zweierlei Maß gemessen wird", prangert Union-Präsident Dirk Zingler an.

Die Eisernen fühlen sich benachteiligt. "Das ist völlig inakzeptabel, unfassbar", regt sich Beeck in der "BZ" auf: "Die Volksseele wird kochen!"

[kaltura id="0_luvmtdej" class="full_size" title="Das Derby elektrisiert Berlin"]

Preetz kontert die Vorwürfe

Durch den Zahlungsaufschub habe die Hertha vor der Saison ihren Stürmer Adrian Ramos nicht an 1899 Hoffenheim verkaufen müssen.

Beecks Argumentation: "Wenn Ramos gegen uns Tore schießt, dann hat der Senat die Tore geschossen."

Der Hertha-Konter ließ natürlich nicht lange auf sich warten.

"Was hat die Stundung mit Adrian Ramos zu tun? Ich halte das für eine Sauerei. Das ist das, was das Derby anheizt", so Manager Michael Preetz.

Wowereit: Auch Union zahlt keine Pacht

Und weil die Politik schon in den Zoff hineingezogen wurde, meldete sich auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit zu Wort.

Union zahle für die Alte Försterei auch keine Pacht.

"Der Präsident von Union soll sich mal zusammenrechnen, in welcher Höhe der Berliner Senat Union schon unterstützt hat", so Wowereit.

Woraufhin Zingler direkt konterte. "Wir haben die überraschende Aussage von Herrn Wowereit sofort zum Anlass genommen, die Bilanzen der letzten Jahre noch einmal zu prüfen. Leider haben wir nichts gefunden", sagte der Union-Boss der "Bild".

"Wir können auch gerne eine Runde durchs Stadion gehen, damit Herr Wowereit uns zeigen kann, wo die Millionen der letzten Jahre vom Land Berlin ins Gelände geflossen sind."

Denn Fakt ist: Im Sommer 2009 legten die treuen Union-Fans selbst Hand an und halfen mit, ihre traditionsreiche Heimstätte zweitligatauglich zu machen.

Union hat erst einen Punkt eingefahren

Die beiden Coaches versuchen, den politischen Streit von ihren Spielern fernzuhalten.

Sowohl Hertha-Trainer Markus Babbel als auch Unions Uwe Neuhaus sperrten bei den letzten Teamtrainings vor dem Spiel die Öffentlichkeit aus.

Union verbot seinen Spielern auch, vor dem Spiel mit der Presse zu sprechen. Die "Eisernen" brauchen ein Erfolgserlebnis nach nur einem Punkt aus den ersten drei Spielen dringender.

Hertha hat dagegen die Chance, im vierten Spiel den vierten Sieg einzufahren.

"Hertha ist gut drauf, wir haben große Probleme", weiß Neuhaus, dessen Team sich bisher offensiv wie defensiv schwertut.

Polizei ist optimistisch

Ein Hass-Derby erwarten die Behörden allerdings nicht ? auch wenn das Duell als Risikospiel eingestuft ist.

Dennoch ist die Dimension eine andere als etwa bei Duellen Unions gegen Dynamo Dresden oder Hansa Rostock, wo über tausend Polizeibeamte im Einsatz waren.

Beim Berliner Derby sind es rund 500 Ordnungshüter plus 300 Ordner.

"Alle unsere Erkenntnisse im Vorfeld lassen uns sehr optimistisch an die Partie herangehen", sagte Polizeisprecher Martin Otter der "Berliner Zeitung".

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