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Hertha-Anhänger beim letzten Aufeinander- treffen mit Cottbus im März 2009 © getty

1000 Polizisten sind im Einsatz: Cottbus gegen Hertha ist ein "Spiel mit erhöhtem Risiko". Auch Babbel und Wollitz sind besorgt.

Von Tobias Hlusiak und Björn Seitner

München - Die Sorge ist groß - es gilt die höchste Sicherheitsstufe:

Das Berlin-Brandenburg-Derby zwischen Energie Cottbus und Hertha BSC Berlin (Fr., ab 17.45 Uhr im LIVE-TICKER) ist mehr als ein Fußballspiel. 1000 Polizisten, Straßensperren und Alkoholverbot sollen für einen geregelten Ablauf sorgen.

Denn: Im ausverkauften Stadion der Freundschaft prallen rund 19.500 Energie-Fans auf 3000 Anhänger vom Hauptstadt-Klub.

Hertha hat seinen Anhängern auf der Homepage genau beschrieben, welche Fan-Utensilien sie mitbringen dürfen, um Krawalle zu vermeiden. Es ist ein Derby, das nicht erst seit 2002, als das Spiel wegen Ausschreitungen kurz vor dem Abbruch stand, große Brisanz birgt.

"Spiel mit erhöhtem Risiko"

Auch der DFB hat erkannt: Das Duell wird nicht nur auf dem Rasen ausgetragen werden. Die Partie wurde zum "Spiel mit erhöhtem Risiko" erklärt.

Die Fans beider Mannschaften müssen vor und während des Spiels strikt voneinander getrennt, der Ordnungsdienst gestärkt werden.

Die Anhänger von Energie und Hertha sind verfeindet, fiebern seit Monaten dem ersten Kräftemessen in Liga zwei entgegen.

Wollitz distanziert sich

Beide Vereine gerieten schon häufiger wegen Gewaltausbrüchen ihrer Anhänger in die Schlagzeilen. Zuletzt hatten Cottbuser Fans auch KSC-Anhänger in einem Zug angegriffen - es gab sechs Festnahmen.

"Diese Chaoten sind nicht Cottbus! Sie schaden unserem sportlichen Erfolg", sagte Claus-Dieter Wollitz in der "Sport Bild".

Der Energie-Coach weiß auch: "Diesen Leuten ist unser guter Saisonstart völlig egal. Die stehen nicht beim Training, man kann nicht auf sie zugehen und mit ihnen reden."

"Es wird ein heißer Abend"

Ungeachtet dessen legen die Klub-Verantwortlichen ihr Augenmerk natürlich trotzdem auf das sportliche Geschehen.

"Die Zuschauer sollen ein tolles, friedliches Derby sehen", hofft Hertha-Manager Michael Preetz und gibt sich angriffslustig: "Es wird ein heißer Abend, aber wir sind bereit."

Ein Spitzenspiel ist auf jeden Fall zu erwarten: Denn mit Berlin und Cottbus treffen die beiden offensivstärksten Mannschaften aufeinander. (DATENCENTER Zweite Liga: Ergebnisse und Tabelle)

Beide Teams haben noch nicht verloren und führen die Tabelle mit 13 Punkten an. Lediglich durch das bessere Torverhältnis hat die Hertha die Nase vorn.

Cottbus' Offensivqualität

Und der Bundesliga-Absteiger will die Tabellenführung ausbauen.

Für Mittelfeld-Abräumer Peter Niemeyer muss sich nicht nur Cottbus, sondern die ganze Liga vor Hertha fürchten: "Zeigen wir über 90 Minuten absolute Laufbereitschaft und Einsatzwillen, sind wir unschlagbar."

"Wir dürfen die Cottbusser auf keinen Fall unterschätzen", gibt Preetz allerdings als Maxime aus.

Auch Trainer Markus Babbel weiß: "Cottbus hat eine unglaubliche Qualität in der Offensive. Die heiße Atmosphäre dort wird ihr übriges dazu beitragen. Wir brauchen eine sehr gute Leistung, speziell im Defensivbereich, um als Sieger vom Platz zu gehen."

Energie für Petersen Außenseiter

Verantwortlich für den guten Start der Lausitzer ist Torjäger Nils Petersen.

Sieben der 14 Cottbuser Treffer erzielte der 21-Jährige und führt damit die Torschützenliste einsam und alleine an.

Petersen sieht sein Team vor dem Derby im "kicker" zwar als "krassen Außenseiter", weiß aber auch: "Hertha wird mit Respekt hierher kommen. Wir sind bereit, den nächsten Schritt zu machen."

"Wir spielen 13 gegen elf"

Auch für Wollitz sind die Hauptstädter Favorit, deshalb übt er sich in Understatement: "Wir spielen ehrlichen Fußball mit Leidenschaft, aber wir haben auch Defizite. Man konnte sehen, dass wir alles andere als ein Aufstiegskandidat sind."

Der 45-Jährige setzt aber auf den Heimvorteil: "Wir spielen nicht elf gegen elf, sondern 13 gegen elf. Wir werden alles aus uns herausholen, und das ist nicht wenig."

Cottbus' Kapitän Marc-Andre Kruska ist bereit die Berliner zu ärgern: "Hier sind alle heiß auf Hertha BSC."

Bleibt zu hoffen, dass die Anhänger nicht zu "heiß" sind - und die verbotenen Feuerwerkskörper zu Hause lassen.

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