vergrößernverkleinern
Friedhelm Funkel ist seit Beginn der Saison 2010/11 Trainer des VfL Bochum © getty

Im SPORT1-Interview blickt "Rekordmann" Friedhelm Funkel auf seine bewegte Laufbahn als Spieler und Trainer in der Bundesliga zurück.

Von Mathias Frohnapfel

München/Bochum - Friedhelm Funkel hat das spektakuläre 7:3 gegen Dynamo Dresden erlebt, stieg siebenmal in die Bundesliga auf, war DFB-Pokal-Sieger 1985 und überflügelt nun sogar Otto Rehhagel.

Doch für einen großen Titel hat es nicht gereicht.

Beim Zweitliga-Duell seines Klubs VfL Bochum bei Fortuna Düsseldorf (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE im TV auf SPORT1) wird Dauerbrenner Funkel "König Otto" stürzen und alleiniger Rekordhalter sein.

Es wird sein 1080. Spiel als Trainer oder Spieler im deutschen Profifußball.

Unwissend zum Rekord

"Ich hatte nicht im Entferntesten darüber nachgedacht, irgendwann einmal 1000 Spiele im bezahlten Fußball zu machen. Das wäre früher ein Traum gewesen, inzwischen ist es Realität", sagt Funkel.

"Lange wusste ich gar nicht, dass ich Otto erreichen kann. Dies ist ein schönes Beiwerk zu den ganzen tollen Stunden, die ich in all den Jahren erlebt habe."

Party im Bus

Die schönste Stunde als Trainer, das überrascht kaum, war einer seiner Aufstiege. 17. Mai 1992, Millerntor, FC St. Pauli gegen Bayer Uerdingen.

"Wir durften nicht verlieren, sonst wäre Oldenburg aufgestiegen. Wir hätten damals im Leben kein Tor geschossen, die letzten fünf Minuten fühlten sich an wie fünf Wochen. Nach dem 0:0 war Riesenparty im Bus", berichtet Funkel.

Im SPORT1-Interview blickt der Trainer auf seine lange Laufbahn zurück. Erinnert an schöne und weniger schöne Momente und erklärt, warum er auch heute noch auf die Tribüne fliegen könnte.

Ein Lob hat Funkel für einen ehemaligen Vorgesetzten parat.

SPORT1: Herzlichen Glückwunsch Herr Funkel! Gegen Düsseldorf stellen Sie den Rekord von Otto Rehhagel ein. 1080 Spiele als Spieler und Trainer im deutschen Profifußball. Über vier Spiele von Rehhagel wird allerdings debattiert...

Friedhelm Funkel: Das ist doch uninteressant. Ob es jetzt vier Spiele mehr oder weniger sind, spielt am Ende des Tages auch keine Rolle. Ich freue mich einfach nur, dass ich so lange dabei bin. Wieviele Spiele ich im Endeffekt bestreite, interessiert mich gar nicht so sehr. Fakt ist: Ich bin seit 1973 in der Bundesliga dabei, das war eine tolle Zeit und es wird auch weiterhin eine tolle Zeit bleiben.

SPORT1: Können Sie sich an Ihren Auftritt als Trainer in Uerdingen erinnern? Da waren doch sicherlich viele Emotionen im Spiel...

Funkel: Natürlich erinnere ich mich an die ersten Spiele als Trainer - auch an die als Spieler übrigens. Das ist eine lange Zeit her, trotzdem erinnere ich diese schönen Dinge immer sehr gerne.

SPORT1: Hatten Sie nach dem Aufstieg 1992 mit Uerdingen das Gefühl, ihren Traumjob gefunden zu haben?

Funkel: Vorher habe ich ja bereits zwei Jahre im Amateurbereich bei meinem Heimatklub VfR Neuss gearbeitet. Schon da habe ich gespürt, dass ich dazu in der Lage bin, einer Mannschaft etwas zu vermitteln. Daraufhin habe ich die Trainerlaufbahn eingeschlagen. Daraus sind jetzt 20 Jahre geworden. Einige werden sicher noch dazukommen.

SPORT1: Sie wurden 1998 einmal für ein Spiel gesperrt, weil sie den Schiedsrichter beschimpft hatten. Könnte Ihnen das heute noch passieren?

Funkel: Ich bin im Laufe der Jahre schon ruhiger geworden bin. Aber ausschließen kann und will ich das nicht.

SPORT1: Eine ihrer längsten Stationen im Trainergeschäft war Eintracht Frankfurt, wo Sie von 2004 bis 2009 Trainer waren. Warum hat es so gut geklappt mit Friedhelm Funkel und der Eintracht?

Funkel: Ich hatte damals eine sehr gute Mannschaft und in Heribert Bruchhagen den besten Vorstandvorsitzenden, den man sich als Bundesligatrainer vorstellen kann.

SPORT1: Was macht Bruchhagen so besonders?

Funkel: Unsere Zusammenarbeit war stets geprägt von Vertrauen, Besonnenheit und Realismus. Das ist im Fußballgeschäft heutzutage eine wichtige Gabe.

SPORT1: Fiebern Sie mit ihren Ex-Klubs auch heute noch mit?

Funkel: Natürlich! Da schaut man natürlich immer sehr gerne hin. Frankfurt war meine vorletzte Station. Besonders schön ist, dass in der aktuellen Stammformation noch sieben Spieler stehen aus der Mannschaft, die Bruchhagen und ich 2004 zusammengestellt haben.

SPORT1: Sind Sie eigentlich traurig darüber, bis heute nie ein Jobangebot eines Spitzenklubs wie Bayern oder Werder Bremen bekommen zu haben?

Funkel: Überhaupt nicht. Ich bin rundum zufrieden mit allem, was ich erreicht habe.

SPORT1: Kommen wir zurück in die Aktualität: Wie wichtig war der Sieg gegen Bielefeld unter der Woche? Ist die Talfahrt des VfL damit beendet?

Funkel: Wenn man drei Spiele in Folge verliert, tut jedes Erfolgserlebnis gut. Wir haben den Sieg auch sehr verdient errungen. Deshalb waren die drei Punkte gegen die Arminia für unser Selbstvertrauen sehr wichtig (DATENCENTER: Zweite Liga).

SPORT1: Düsseldorf hat noch keinen Punkt, steht am Tabellenende. Ist die Fortuna ein dankbarer Gegner?

Funkel: Ganz im Gegenteil: Düsseldorf ist der undankbarste Gegner, auf den man in dieser Phase treffen kann. Die Mannschaft hat sich drei Tage ins Trainingslager zurückgezogen, um alle Kräfte zu sammeln. Dementsprechend heiß und aggressiv erwarte ich die Mannschaft von Norbert Meier.

SPORT1: Ihr Ziel ist weiterhin der Aufstieg. Welche Faktoren müssen zusammenkommen, damit der gelingen kann?

Funkel: Wir müssen insgesamt stabiler werden. Bislang haben wir noch nicht den Rhythmus gefunden, den ich mir vorstelle. Das liegt aber auch daran, dass wir fünf neue Spieler in der Anfangsformation haben. Die Mannschaft muss sich noch finden. Allerdings dürfen wir in dieser Phase den Anschluss nicht zu sehr zu verlieren.

SPORT1: Ein Neuer hat eingeschlagen. Die ganze Liga schaut auf Nordkoreas WM-Teilnehmer Tese. Was sind seine Stärken?

Funkel: Er ist sehr schnell, beidfüßig und kopfballstark. Dazu ist er auch abseits des Feldes ein guter Typ. Er hat sich sehr schnell bei uns eingelebt, weil er sehr offen durchs Leben geht. Unglaublich ist, wie gut er die deutsche Sprache bereits beherrscht - nach so kurzer Zeit.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel