vergrößernverkleinern
Werner Altegoer folgte 1993 an der Spitze des VfL Bochum auf Ottokar Wüst © getty

Nach 17 Jahren ist Schluss: Werner Altegoer ist nicht mehr Boss des VfL Bochum. Wie es weitergehen soll, ist nun völlig unklar.

Bochum - Mit einer Kurzschlussreaktion hat Vereinsboss Werner Altegoer seinen geliebten VfL Bochum ins Chaos gestürzt.

Der 75 Jahre alte und fast allmächtige Aufsichtsratsvorsitzende trat im Anschluss an eine turbulente Mitgliederversammlung zurück - der sportlich kriselnde VfL ist nun auch noch führungslos.

Die Versammlung endete mit dem Sturz eines Denkmals.

"Meine persönliche Arbeit für den VfL ist beendet", sagte Altegoer mit steinerner Miene, nachdem die Mitglieder dem Aufsichtsrat zweimal die Entlastung verweigert hatten.

Seit 1993 an der Vereinsspitze

1993 hatte Altegoer das Amt des Präsidenten übernommen, seit 2002 stand er dann dem Aufsichtsrat vor, was seiner immensen Machtfülle aber keinen Abbruch tat.

Der bekannte Kabarettist und Buch-Autor Frank Goosen, der mit großer Mehrheit in den Aufsichtsrat gewählt wurde, reagierte "schockiert. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Wir müssen aufpassen, sonst fliegt uns der gesamte Verein um die Ohren".

Goosen dürfte genug Anlass für neue Parodien auf den VfL haben. Mit Altegoer geht einer der letzten Patriarchen des deutschen Profifußballs.

Seit 30 Jahren am Hebel

Eiserne Prinzipien und Verschwiegenheit zeichneten den 75-Jährigen aus, der seit 30 Jahren (1980 wurde der Unternehmer Vorsitzender des Wirtschaftsrates) die Geschicke des Vereins beeinflusste.

Insider behaupteten mal, Altegoer würde beim VfL sogar darüber bestimmen, welches Klopapier benutzt werde und wer es holen gehen müsse.

Derlei Detailverliebtheiten hat der Patron jedoch stets bestritten.

Die Lage beim VfL am Dienstagmittag war nebulös. Ein Pressegespräch sollte Klarheit bringen, ließ aber auf sich warten.

Ernst kann den Frust verstehen

Altegoer hatte zwar erklärt, vier weitere Mitglieder des Gremiums seien noch zurückgetreten - bestätigen wollten das zunächst nur Gerd Kirchhoff und Volker Goldmann.

Die sportliche Leitung um VfL-Sportdirektor Thomas Ernst dagegen wurde entlastet.

"Ich kann den Frust der Fans verstehen", sagte Ernst angesichts einer Tabellensituation, die durchaus seinem Nachnamen entspricht.

Die Mitglieder hatten ihrem Unmut immer wieder mit Pfiffen und Buhrufen Luft gemacht, es gab während der Versammlung organisatorische Mängel und immer wieder Szenen, die an Slapstick erinnerten. Phasenweise lachten die 669 Anwesenden die Oberen einfach aus.

Aufstieg bleibt erklärtes Ziel

Trotz sportlicher Krise und Führungsmisere korrigierte der VfL nicht sein Saisonziel.

Man habe "den Spielern klar zu verstehen gegeben, dass sie in der Pflicht stehen", sagte Ernst. Trotz des derzeit nur elften Platzes in der 2. Liga habe die Mannschaft "das Niveau aufzusteigen".

Zumindest finanziell läuft es an der Castroper Straße solide. 230.000 Euro Gewinn weist der Verein für das abgelaufene Geschäftsjahr aus.

Allerdings sind 2,65 Millionen Euro Verlust für die laufende Saison zu erwarten.

"Wir stehen nicht vor existenziellen Schwierigkeiten. Die Liquidität ist zu jeder Zeit gegeben", versicherte Finanzvorstand Ansgar Schwenken.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel