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Nsereko
Savio Nsereko wurde zum besten Spieler der U-19-EM 2008 gewählt © getty

Wo ist Savio Nsereko? Entgegen anders lautender Meldungen ist das Talent nicht wieder aufgetaucht. Nun gibt es wilde Spekulationen.

Von Marcus Giebel

München - Der Verbleib von Savio Nsereko ist weiterhin ungewiss. Auch sechs Tage nach der letzten Kontaktaufnahme des 21-Jährigen mit seinem Verein 1860 München bleibt er verschwunden.

Die Polizei dementierte bei SPORT1 Meldungen, wonach Nsereko wohlauf bei seiner Familie in München/Allach angetroffen worden sei.

"Das können wir nicht bestätigen. Für uns gibt es auch keine Grundlage zu ermitteln", so ein Sprecher.

Somit hat auch der öffentliche Appell von Miroslav Stevic nicht zum Erfolg geführt. Der 1860-Sportdirektor hatte sich an die Presse gewandt und um Unterstützung bei der Suche gebeten.

Hat Nsereko Geldschulden?

Vielmehr kommen immer mehr Spekulationen um den U-19-Europameister von 2008 auf. So wird gemutmaßt, dass Nsereko bei mehreren Personen Geldschulden haben soll.

Immerhin haben die "Löwen" nach der Kontaktaufnahme mit der Mutter scheinbar die Gewissheit, dass Nsereko sich nicht mehr in München aufhalten soll.

Die Berater wähnen ihn in Italien oder England, wo er zuvor aktiv war. 1860 macht sich verständlicherweise große Sorgen. "Wir wissen bis heute nicht, wo sich unser Spieler aufhält", betont Geschäftsführer Robert Niemann.

Maurer reagiert enttäuscht

Trainer Reiner Maurer reagiert enttäuscht: "Jeder Arbeitnehmer hat gegenüber seinem Arbeitgeber eine Mitteilungspflicht. Der nachzukommen, hätte ich auch von Savio erwartet."

Ein Schuss vor den Bug für das Riesentalent, das im Januar 2009 von Brescia für zirka 8,5 Millionen Euro zu West Ham United gewechselt war.

In der Premier League konnte Nsereko sich aber nicht durchsetzen und ging im Sommer 2009 zum AC Florenz. Dort kam er auch nicht zum Zug und kehrte zu seinem Jugendverein 1860 zurück.

"Jede Menge Kommunikationsmittel"

Sein Neustart in München ist spätestens jetzt ebenfalls verpatzt.

Die "Löwen" stimmt auch die Erklärung, der Halbbruder des 21-Jährigen sei in Uganda erschossen worden, nicht milde:

"Egal, was passiert ist: Es gibt in der heutigen Welt jede Menge Kommunikationsmittel. Davon hat er keinen Gebrauch gemacht."

Zumal die Entschuldigung zugleich Zweifel weckt: Die Behörden in dem ostafrikanischen Staat haben Nserekos Version bislang nicht bestätigt und auch seine Mutter wusste zunächst von nichts.

Erst später erklärte sie gegenüber der "tz", dass der Halbbruder nicht mehr lebe.

Vorfälle gegen BVB und Bochum

Nun ist also der Verein am Zug - ein Rauswurf des vom AC Florenz ausgeliehenen Flügelspielers wäre keine Überraschung mehr.

Auch wenn Niemann sagt: "Wir wollen ihn nicht vorab verurteilen. Es wird keine disziplinarischen Maßnahmen geben, solange wir keine Fakten kennen."

Denn der Offensivallrounder hat sich in den vergangenen Monaten schon mehrmals daneben benommen.

Angefangen hatte alles vor der Saison: Im Jubiläumsspiel zum 150-jährigen Vereinsbestehen gegen Borussia Dortmund brach er einen Streit um einen Elfmeter vom Zaun.

Nach dem 2:3 im Ligaspiel in Bochum weigerte er sich, mit seinen Teamkollegen auszulaufen. Zuletzt hatte Nsereko am Donnerstag das Training verschlafen.

Maurer hatte lange Verständnis

Da hatte Maurer noch Verständnis gezeigt: "Es gibt halt Spieler, die sind unpünktlicher als andere. Beim Testspiel in Krakau kann er eine Halbzeit spielen und sich darstellen. Das andere behandeln wir intern."

Die Möglichkeit zur Eigenwerbung in Polen ließ Nsereko bekanntlich verstreichen. Zum Abflug am Freitag war er nicht mehr erschienen.

Die wahren Gründe für sein Verschwinden bleiben vorerst im Dunkeln.

Erst 44 Minuten zum Einsatz gekommen

Einen Gefallen hat sich Nsereko, der in der Zweitligasaison erst 44 Minuten zum Einsatz gekommen ist, mit seinem Verhalten nicht getan.

Bislang sind die 200.000 Euro Leihgebühr für 1860 also eine reine Fehlinvestition.

Nserekos selbsternanntes Ziel EM 2012 ist jedenfalls schon in unerreichbare Ferne gerückt. Vielmehr droht dem teuersten DFB-Nachwuchsakteur aller Zeiten ein einschneidender Karriereknick.

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