vergrößernverkleinern
Mike Büskens trainiert Greuther Fürth seit Dezember 2009 © imago

Fürth-Coach Büskens sieht in seinem Team Spieler mit Erstligapotenzial. Im SPORT1-Interview schaut er auf die nächsten Aufgaben.

Von Thorsten Mesch

München - Die SpVgg Greuther Fürth ist das Überraschungsteam der noch jungen Zweitliga-Saison.

Nur Topfavorit Hertha BSC steht besser da als die Franken.

Mit 16 Zählern aus den ersten sieben Spielen hat das Team von Trainer Mike Büskens zudem den besten Start des Vereins seit fünf Jahren hingelegt.

Vor der Partie gegen den VfL Osnabrück (Freitag ab 17.45 Uhr im LIVE-TICKER) erläutert Büskens im Interview mit SPORT1, wie er mit dem personellen Aderlass umgeht und was der Sprung an die Tabellenspitze für ihn bedeuten würde.

Außerdem spricht der 42-Jährige über seinen Ex-Klub Schalke 04 und hat für sich eine ganz bestimmte Funktion bei den Königsblauen im Auge.

SPORT1: Herr Büskens, sind Sie überrascht, dass Ihre Mannschaft nach sieben Spieltagen so weit oben steht?

Mike Büskens: Unser Anspruch und Ziel war von Anfang an, uns im oberen Tabellendrittel zu befinden. Die Entwicklung geht genau in diese Richtung, aber es sind erst sieben Partien gespielt. Wir orientieren uns nicht am Tabellenstand, sondern an der Art und Weise, wie wir Fußball spielen.

SPORT1: Sami Allagui, der in den letzten Saison zwölf und davor 15 Treffer erzielte, hat den Verein verlassen, Christopher Nöthe (letzte Saison 15 Tore) fällt lange aus. Wie schwer wiegt Allaguis Weggang bzw. Nöthes Verletzung? Wie haben Sie es geschafft, das zu kompensieren?

Büskens: Wir haben neben Sami Allagui auch Marco Caligiuri Richtung Mainz ziehen lassen müssen. Die beiden Abgänge und Christopher Nöthe bedeuteten natürlich Qualität in unserem Spiel. Die Weggänge und der verletzungsbedingte Ausfall von Christopher Nöthe bedeuten aber auch Chancen für andere Spieler, so müssen wir das sehen. Aufgrund unserer finanziellen Situation müssen wir damit leben, dass uns Spieler in Richtung Liga eins verlassen. Und vor Verletzungen ist man nun mal nicht gefeit.

SPORT1: Nicolai Müller hat schon zwei Tore und zwei Vorlagen auf seinem Scorer-Konto. Wie wichtig ist er für das Team und wie groß ist sein Potenzial - auch mit Blick auf höhere Aufgaben?

Büskens: Nico ist einer der Spieler aus dem großen Fundus der SpVgg, die schon in der Lage sind auch erste Bundesliga zu spielen. Aufgrund seiner Torgefährlichkeit und wie er die Mitspieler einsetzt, ist er von großer Bedeutung für unser Spiel. Aber auch der Einzelne ist abhängig vom großen Ganzen.

SPORT1: Wo sehen Sie die Stärken Ihrer Mannschaft und wo gibt es Luft nach oben?

Büskens: Wir verkörpern Erfahrung mit unseren Gerüstspielern und jugendlichen Elan und Tempo mit unseren hoffnungsvollen Talenten. Ein Teil der jungen Spieler steht aus meiner Sicht am Beginn einer großen Karriere. Mit einer konsequenten Verwertung unserer Tormöglichkeiten hätten wir oft schon viel früher für klarere Ergebnisse sorgen können.

[kaltura id="0_nrpt005g" class="full_size" title="F rths neue Mentalit t"]

SPORT1: Mit einem Sieg gegen Osnabrück könnte Fürth zumindest für einen Tag die Tabellenspitze übernehmen. Welche Bedeutung hätte das für Sie?

Büskens: Das hätte keine große Bedeutung, da auch dann erst acht Spiele gespielt sind. Es geht darum, wo man am 34. Spieltag steht. Aber die grundsätzliche Entwicklung sollte unserer jungen Mannschaft Vertrauen in ihre Stärken geben.

SPORT1: Am 9. Spieltag geht es nach Berlin zur Hertha. Trauen Sie Ihrer Mannschaft dort einen Sieg zu? Immerhin haben Sie ja schon bei Union Berlin und in Bochum gewonnen?

Büskens: Zuerst haben wir die schwere Heim-Aufgabe gegen Osnabrück vor der Brust, von daher haben wir uns noch nicht mit dem Auswärtsspiel gegen die Hertha beschäftigt. Grundsätzlich wollen wir immer gewinnen, das muss unser Anspruch als Sportler sein, der sich dem Wettkampf stellt.

SPORT1: Hertha, Aue, Duisburg, Augsburg heißen die nächsten Gegner. Könnten es die viel zitierten Wochen der Wahrheit werden?

Büskens: Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Und die Saison endet nicht nach dem zwölften Spieltag. Wenn man überdurchschnittlich punktet, bedeutet das noch nicht, dass man am 34. Spieltag oben steht. Die Wochen der Wahrheit gehen bis zum 15. Mai 2011.

SPORT1: In der vergangenen Saison haben Sie die Mannschaft auf Platz 15 übernommen und am Ende Platz 11 belegt. Was ist in der aktuellen Spielzeit drin? Ist der Aufstieg ein realistisches Ziel oder vermessen?

Büskens: In der letzten Saison war es realistisch, Mannschaften wie Bielefeld, Karlsruhe, Aachen, Duisburg, Augsburg oder 1860 München oben zu sehen. Auch aufgrund ihrer jüngeren Historie und vielleicht auch wegen des größeren Budgets. Aber auch mit einem kleineren Etat und aufopferungsvoller Arbeit kann man es nach oben schaffen, wie St. Pauli und Kaiserslautern es gezeigt haben. Es wird immer wieder Teams geben, die für die Überraschung sorgen können.

SPORT1: In den vergangenen Jahren ist Fürth häufig in der Schlussphase einer Saison eingebrochen bzw. abgerutscht. Wie wirken Sie diesem möglichen Problem entgegen?

Büskens: Das ist kein Problem, weil wir es immer mit relativ bescheidenen Mitteln in den letzten 13 Jahren geschafft haben, um die oberen Plätze mitzuspielen. Natürlich ist es ärgerlich, wenn man im letzten Drittel der Saison von einem Aufstiegsplatz auf einen Nichtaufstiegsplatz rutscht. Aber wenn man sieht, dass die SpVgg ohne die großen Möglichkeiten dauerhaft unter den besten 25 Mannschaften in Deutschland dabei ist, dann muss ich meinen Hut ziehen vor dem, was die Verantwortlichen hier schon vor meiner Zeit geleistet haben.

SPORT1: Wann wollen Sie als Trainer spätestens in der Bundesliga arbeiten? Wollen Sie vielleicht eines Tages zu Schalke 04 zurückkehren?

Büskens: Ich fühle mich hier in Fürth sehr wohl. Meine primäre Zielsetzung ist, Spaß am Beruf zu haben. Und diesen Spaß habe ich hier bei der SpVgg. Ich denke nicht an Jobs in der Bundesliga. Ich beschäftige mich nicht mit solchen Dingen, denn sonst verliert man die wesentlichen Dinge aus dem Fokus. Und was Schalke angeht: Durch meine langjährige Vereinsmitgliedschaft bei den Blau-Weißen könnte ich ja vielleicht mal Kandidat für das Traineramt der Traditionsmannschaft sein. Aktuell spielt das überhaupt keine Rolle, denn die Position ist gut besetzt. Ich will mich als noch junger Trainer erst mal etablieren.

SPORT1: Wie beurteilen Sie die Entwicklung bei Schalke? War der Umbau des Teams zu krass? Ist die Champions League nach dem Fehlstart noch drin?

Büskens: Mir steht es nicht zu, das zu beurteilen, weil ich doch sehr weit weg bin von Gelsenkirchen. Grundsätzlich hat man auf Schalke einen Umbruch vollzogen. Felix Magath, der erfolgreichste Trainer der letzten Jahre, hat das für nötig gehalten. Die Mannschaft hat die Qualität, um die Gruppenphase der Champions League zu überstehen und in der Bundesliga in ruhigeres Fahrwasser zu kommen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel