vergrößernverkleinern
Wegen Lizenz-Verstößen wurde 1860 München mit zwei Punkten Abzug bestraft © imago

Wegen Lizenz-Verstößen werden die "Löwen" mit einem Abzug von zwei Punkten bestraft. Niemann kündigt Spielerverkäufe an.

München - Schulden in Millionenhöhe - und nun auch noch zwei Zähler weniger auf dem Konto: Der zarte Aufschwung bei 1860 München ist am Dienstag jäh gestoppt worden.

Die DFL hat den finanziell stark angeschlagenen Zweitligisten wegen Verstößen gegen die Lizenzierungsordnung mit zwei Punkten Abzug bestraft. Dem Klub drohte wegen der Sünden der Vergangenheit sogar der Lizenzentzug.

"Das war absolut ein Thema. Aber das ist vom Tisch. Unsere offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der DFL hat zu diesem moderaten Strafmaß geführt", sagte Geschäftsführer Robert Niemann ganz offen.

Sportdirektor Miroslav Stevic sprach dennoch von "einem Schlag ins Gesicht".

Fehlende Transfers, verlorener Prozess

Den "Löwen" wurden für den Zeitraum zwischen dem 15. März und Anfang Juni - in dieser Phase war noch Manfred Stoffers als Geschäftsführer im Amt - unzureichende Informationen im Lizenzierungsverfahren für die nun laufende Saison zur Last gelegt.

Es ging laut Niemann dabei unter anderem um nicht erlöste Transfergelder, um den verlorenen Catering-Prozess gegen den Erzrivalen Bayern München und um die wenig erfolgreiche Löwen-Anleihe: "Würden diese im Lizenzierungsverfahren angegebenen Finanzierungsmittel zur Verfügung stehen, hätten wir jetzt nicht die aktuellen Probleme."

"Wir werden alle Steine umdrehen"

Die Münchner haben seit Jahren mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Derzeit beträgt der Schuldenstand rund drei Millionen Euro. Niemann kündigte deshalb für den Winter erneut Spielerverkäufe an:

"Unsere Finanzsituation ist weiter angespannt. Um sie zu stabilisieren, werden wir im Winter Spieler transferieren müssen." Zugleich werde man den Verein einer "sehr, sehr gründlichen Sanierung" unterziehen müssen: "Wir müssen die Kosten weiter optimieren und den Umsatz steigern. Wir werden alle Steine umdrehen."

Auch die DFL wird in den kommenden Wochen im Zuge der Nachlizenzierung weiter ein sehr wachsames Auge auf den Traditionsverein haben.

"Bitterer sportlicher Moment"

Sportlich betrachtet haben die Sechziger, die unter Trainer Rainer Maurer bisher einen guten Saisonstart hingelegt haben, statt 14 nun nur noch 12 Punkte auf dem Konto und fallen vom sechsten auf den siebten Tabellenplatz zurück.

Der Abstand zum Relegationsrang drei beträgt fünf Zähler. "Das sind kleine Steine auf unserem Weg. Ich hoffe, dass sie uns nicht stören werden", sagte Stevic.

Niemann sprach von einem "bitteren sportlichen Moment", der Mannschaft, Trainerteam und Sportdirektor sehr treffe: "Ich hoffe aber, dass sich die Mannschaft durch diese Strafe nicht den Schneid abkaufen lässt."

Bitsteller bei den Bayern

Niemann, seit 27. Juli Geschäftsführer bei 1860, konnte dem Rückschlag aber auch eine gute Seite abgewinnen: "Ich sehe es so, dass damit die Vergangenheit erledigt ist. Wir schauen jetzt nur noch nach vorne."

Zuletzt hatte Niemann vor allem beim FC Bayern als Bittsteller auftreten müssen, um die Schulden beim großen Nachbarn gestundet zu bekommen.

Nach einem verlorenen Prozess um das Catering in der Allianz-Arena belaufen sich die Verbindlichkeiten der Blauen bei den Roten offiziell auf 542.000 Euro.

Dazu soll sich aber noch weit über eine Million angehäuft haben. Über die Stundungsvereinbarung wurde zwischen beiden Klubs Stillschweigen vereinbart.

Fünf Millionen pro Jahr

Als Mieter der Allianz-Arena müssen die Löwen jährlich rund fünf Millionen Euro aufbringen. Deshalb wurde zuletzt auch über eine Rückkehr ins Olympiastadion nachgedacht, der Plan aber wieder verworfen.

Auch der Umbau des altehrwürdigen Grünwalder Stadions ist vom Tisch.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel