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Markus Babbel ist der 35. Trainer der Berliner Hertha seit 1963 © getty

Markus Babbel hat Hertha wieder Leben eingehaucht. Vor dem Spitzenspiel gegen Greuther Fürth äußert sich der Trainer bei SPORT1.

Von Marcus Giebel

München - Hertha BSC ist wieder salonfähig.

Nach der Horror-Saison und dem Abstieg im Mai läuft das Projekt Wiederaufstieg auf Hochtouren beim Hauptstadtklub.

Nach acht Spieltagen grüßt die "Alte Dame" als einzige ungeschlagene Elf im deutschen Profi-Fußball von der Tabellenspitze der Zweiten Liga.

Binnen weniger Monate hat der neue Trainer Markus Babbel die Berliner zum Aufstiegsfavoriten geformt.

Im Interview mit SPORT1 spricht der Europameister von 1996 über das bevorstehende Spitzenspiel, die Favoritenrolle und die Stimmung in der Hauptstadt.

SPORT1: Am Freitag kommt es zum absoluten Topspiel 1. gegen 2., Hertha BSC gegen Spvgg Greuther Fürth. Hätten Sie vor der Saison gedacht, dass dies ein Spitzenspiel wird?

Markus Babbel: Ja, absolut. Greuther Fürth ist ein Top-Klub der Zweiten Liga. Seit Jahren spielen die Fürther vorn in der Liga mit, sie haben eigentlich in jeder Saison eine starke Mannschaft am Start - da wird seit Jahren sehr gute Arbeit geleistet. Das wird eine ganz harte Nuss für uns am Freitag.

SPORT1: Hertha BSC ist glänzend in die Liga gestartet, die Mannschaft ist als Tabellenführer das einzige noch ungeschlagene Team der deutschen Profiligen. Wie zufrieden sind sie nach acht Spieltagen?

Babbel: Grundsätzlich bin ich natürlich sehr zufrieden, wir haben rein punktemäßig schon einen Start nach Maß hingelegt. Natürlich hat man als Trainer auch daran ab und an was zu bemängeln, weil - und das will ich hier nicht verhehlen - ich schon noch Dinge sehe, die wir verbessern können. Vor allem darf man sich nie ausruhen, nie zufrieden sein - man muss immer gierig sein! Zufrieden zurücklehnen können wir uns hoffentlich am 15. Mai 2011. Aber bis dahin ist es noch ein langer, steiniger Weg.

SPORT1: Ist das jetzt Zweckpessimismus?

Babbel: Nein, aber es ist doch vollkommen klar, dass wir die Gejagten sind. Jeder Gegner, der gegen uns antritt, braucht kaum Motivation. Da kommt der Tabellenführer, der Bundesligaabsteiger, die Mannschaft mit dem höchsten Etat, den größten Stars, das Team, welches nur ein Ziel hat: Wiederaufstieg! Da brauche ich als Trainer nichts mehr zu sagen, die Mannschaftssitzungen sind - so glaube ich ? für die Gegner kurz.

SPORT1: Belastet Sie diese Favoritenrolle?

Babbel: Nein, im Gegenteil, sie motiviert mich. Aber jede Medaille hat zwei Seiten. Auch für Hertha BSC gibt es keine leichten Spiele, wir müssen uns jedes Spiel, jeden Erfolg hart erarbeiten.

SPORT1: So wie zuletzt in Frankfurt.

Babbel: Das stimmt, die Partie beim FSV war ein hartes Stück Arbeit. Frankfurt war sehr stark, hat uns vor ein paar Probleme gestellt. Aber, und dies wissen meine Spieler gerade nach solchen Spielen auch, wir haben eben viel individuelle Klasse im Team. Mit uns muss man bis zu letzten Minute rechnen, wir haben immer noch die Chance, den einen, starken Angriff zu spielen, der dann ein Spiel entscheidet.

SPORT1: Die im Sommer noch so aufgeheizte Atmosphäre ist in Berlin binnen weniger Wochen komplett abgekühlt. Wie haben Sie es geschafft, dass die Fans nach dem Abstieg so schnell wieder Vertrauen gewonnen haben und Ihre Elf auch bei schwächeren Auftritten bedingungslos unterstützen?

Babbel: Durch Offenheit, Ehrlichkeit und die Erkenntnis, dass man aus jedem Schaden auch immer einen Nutzen ziehen kann. Unser Manager Michael Preetz und ich, wir alle hier bei Hertha BSC sehen gemeinsam die Chance, einen wirklichen Neuanfang zu machen. Sportlich und auch in der Verbindung zu den Fans. Ganz ehrlich, was unsere Fans zu Hause und auswärts veranstalten, das ist großes Kino - beeindruckend, atemberaubend! So eine tolle Stimmung, wie sie unsere Ostkurve im Olympiastadion zaubert, ist unglaublich!

SPORt1: Auch bei Fürth sitzt mit Mike Büskens ein noch relativ junger Trainer auf der Bank. Ist Erfahrung im Trainerjob nicht mehr so wichtig wie lange gedacht?

Babbel: Sowohl Mike Büskens als auch ich waren lange Spieler. Spieler, die unter vielen sehr guten Trainern gearbeitet haben. Von jedem nimmt man ein Stückchen mit, mischt das mit den eigenen Ideen ? auch das ist für mich Erfahrung.

SPORT1: Was muss anders laufen als beim Heimspiel gegen Alemannia Aachen, als Ihr Team sich kaum Chancen erspielt hat und letztlich mit dem 0:0 zufrieden sein musste?

Babbel: Dass wir unsere eigenen Stärken zum Tragen bringen. Aachen hat bei uns sehr gut gespielt, keine Frage. Aber wenn wir an diesem Tag unser Potential ausgeschöpft hätten, dann hätten wir die Alemannia geschlagen.

SPORT1: Welche Klubs sehen Sie als härteste Konkurrenten im Kampf um den Aufstieg? Kommt Bochum noch mal oben ran?

Babbel: Ehrlich, wir schauen nur auf uns, nicht so sehr auf andere. Wir müssen unsere Arbeit machen, wir müssen unser Stärken auf den Platz bringen, wir müssen immer aufmerksam und bereit sein - im Spiel und im Training. Aber zu Ihrer Frage, ja, ich glaube schon, dass Kollege Funkel die Bochumer noch nach oben schiebt. Fürth, Cottbus, Aue - sie alle stehen dazu nicht zu Unrecht in der Tabelle mit vorn.

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