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Trainer Milan Sasic möchte den 1. FCK mittelfristig wieder in die Bundesliga führen © getty

Kaiserslauterns Trainer Sasic spricht im Sport1-Interview über den Stand der Dinge. Vom Bundesliga-Aufstieg will er nichts hören.

München - Mitte Februar hatten die Pfälzer nur 16 Punkte auf ihrem Konto, fünf Zähler fehlten zum rettenden Ufer.

Es musste etwas passieren, drohte dem viermaligen Deutschen Meister doch der ganz große Absturz. Als Erstes wurde Kjetil Rekdal entlassen, ihm folgte Sportdirektor Michael Schönbjerg.

Das Ruder übernahmen schließlich Sasic, der ehemalige Trainer der TuS Koblenz, und Hoffnungsträger Stefan Kuntz.

Erst am letzten Spieltag gelang der große Befreiungsschlag, die "Roten Teufel" kamen noch einmal mit einem blauen Auge davon.

Vor der neuen Saison sprechen manche im Umfeld schon wieder vom Aufstieg in die Bundesliga. "Wer das sagt, hat wenig Verständnis für unsere jetzige Situation", sagt Sasic im Sport1.de-Interview. "Das finde ich total daneben."

Sport1: Herr Sasic, wie beurteilen Sie die bisherige Vorbereitung?

Sasic: Damit bin ich sehr zufrieden. Wir haben bisher nur ein Problem: Unser Kader ist noch nicht komplett. Das soll keine Kritik sein. Es ist einfach so aus den bekannten Gründen.

Sport1: Wie machen sich die neuen Spieler wie Martin Amedick oder Mathias Abel?

Sasic: Die Jungs haben sich sehr gut integriert. Wir sehen so langsam, dass wir eine Einheit werden. Es fehlt noch was an taktischen Finessen, das aber ist selbstverständlich.

Sport1: Muss Lautern aufsteigen, weil das Potenzial da ist?

Sasic: Wer das sagt, hat wenig Verständnis für unsere jetzige Situation. Alle, die so denken, denken absolut falsch. Es ist unser mittelfristiges Ziel. Aber in diesem Jahr in diese Richtung zu denken, wäre ein fataler Fehler. Wir haben es in den letzten 20 Minuten der alten Saison geschafft, die Klasse zu halten. Wenn jetzt einer vom Aufstieg spricht, finde ich das total daneben.

Sport1: Sie haben mit Erik Jendrisek und Marcel Ziemer nur zwei Stürmer in Ihrem Kader. Bemühen Sie sich noch um neue Offensivkräfte?

Sasic: Wir versuchen noch, zwei Spieler zu holen. Wir tun alles, es ist aber nicht einfach. Wann es passieren wird, ist nicht unwichtig. Aber noch wichtiger ist es, dass es passt. Da ist Geduld gefragt.

Sport1: Sind denn die Transfers ins Stocken geraten, weil der FCK zuletzt seinen Ruf ramponiert hat?

Sasic: Nein, auf gar keinen Fall. Man hat gesehen, welche Spieler wir bekommen haben: Mathias Abel und Martin Amedick kommen aus der Bundesliga, Anel Dzaka ist aus der Zweiten Liga. Das Interesse für den 1.FCK ist also schon da.

Das Problem ist nur, dass wir zu spät in die Planungen gegangen sind. Das ist aber auch logisch: Man kann nicht sechs Spieltage vor Schluss mit acht Punkten Minus auf dem Konto ausschließlich mit Zweitliga-Verträgen planen. Die wären bei einem Abstieg nichts wert gewesen. Auf dieser Basis haben wir das bisher gut gemacht.

Sport1: Sehen Sie das als Nachteil für die ersten Spieltage an?

Sasic: Es wäre alibihaft. Es ist zwar kein Vorteil, soll aber auch kein Nachteil sein. Man hat gegen 1860 München (0:1) gesehen, dass wir ebenbürtig waren. Aber zum Arbeiten und Einspielen ist es immer besser, einen kompletten Kader zu haben.

Sport1: Sie haben primär deutsche Spieler verpflichtet?

Sasic: Das ist unsere klare Linie. Wir haben uns fest dazu entschlossen, mehr deutsche Spieler zu holen oder Spieler zu holen, die schon mal in Deutschland gespielt haben. Das hat verschiedene Gründe wie Sprachbarrieren oder bestimmte deutsche Eigenschaften. Es ist auch wichtig, dass die Leute wissen, woher die Jungs kommen. Die Spieler sollen verstehen, was die Werte des FCK sind. In der Vergangenheit war das nicht immer so.

Sport1: Wird eine "Katastrophen-Saison" wie die vergangene noch mal vorkommen?

Sasic: Im Fußball weiß man nie. Wir tun alles dafür, dass sich solch eine Saison nicht mehr wiederholt. Es war immer sehr schön und spannend. Wir haben am Ende gefeiert wie wahrscheinlich noch nie in der ganzen Vereinsgeschichte. Aber wir werden alles daran setzen, dass ein solches Zittern nicht mehr vorkommt.

Das Gespräch führte Christian Gies

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