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Thorsten Fink spielte in der Bundesliga für Wattenscheid, Karlsruhe und Bayern © getty

Ingolstadts Trainer Thorsten Fink spricht mit Sport1.de über die wilde Saison seines Teams und das Duell mit dem Tabellenführer.

Von Christian Paschwitz

München - Es ist eine kleine Achterbahnfahrt, die der FC Ingolstadt seit seinem Zweitliga-Aufstieg durchgemacht hat.

Vom ersten Platz bis zum Abstiegsrang: Die Mannschaft aus Oberbayern hat alles schon mitgemacht.

Die 1:6-Klatsche beim MSV Duisburg schien wieder einen Abwärtstrend auszulösen, den jedoch hat Ingolstadt am Sonntag mit dem 4:0 gegen Aufstiegsaspirant Freiburg eindrucksvoll gestoppt

FCI-Trainer Thorsten Fink spricht im Interview mit Sport1.de über die wilde Saison seines Teams und das anstehende Duell beim Tabellenführer Mainz.

Sport1.de: Haben Sie ihre Jungs nach dem 4:0-Coup über Freiburg eigentlich schon wieder runtergeholt von ihrer Wolke?

Thorsten Fink: Ach, das Fußballgeschäft ist doch so kurzlebig. Vor zwei Wochen haben die Leute noch gesagt: Läuft ja doch nicht so gut bei denen. Vor vier Wochen waren wir dagegen überragend. Und jetzt heißt es: Wieder alles rosarot - das ist eben so. Aber wir können das ganz gut einordnen.

Ich weiß, dass meine Mannschaft Qualität hat - ich bin von daher immer ruhig geblieben. Dass wir jetzt klar mit 4:0 gegen Freiburg gewinnen, war natürlich nicht zu erwarten. Aber es ist ja immer so, dass man gegen die vermeintlich Starken gewinnt und gegen die Schwachen wieder verliert.

Sport1.de: Aber die vermeintlichen Topteams liegen Ihnen irgendwie: Gegen Rostock und Fürth hat der FCI auch einen Sieg eingefahren.

Fink: Gegner, die mitspielen und uns Raum lassen, die liegen uns einfach. Weil wir technisch und spielerisch eine gute Mannschaft sind. Und deshalb haben wir gegen Mannschaften wie Augsburg (1:2, Anm. d.R.) Schwierigkeiten. Da wollen wir den Kampf manchmal vielleicht nicht annehmen und nur Fußball spielen. Wir rennen dann immer wieder an und vergessen, dass die Rückwärtsbewegung auch wichtig ist.

Sport1.de: Am Sonntag geht es mit Mainz nun gar gegen den Tabellenführer.

Fink: Mainz ist jetzt ja auch irgendwann mal fällig. Die spielen jetzt zwar zu Hause, aber gegen Ahlen hätten sie eigentlich schon verlieren müssen. Deswegen müssen wir auch keine Angst haben. Die Zuschauer denken: Da kommt ein Aufsteiger, den muss man putzen. Und das ist immer ein Vorteil für uns, nämlich ein bisschen unterschätzt zu werden.

Sport1.de: Aber jetzt rücken Sie ja mit einem 4:0 an...

Fink: Aber trotzdem kommt auch für uns mit Mainz das richtige Spiel. Das ist eine Mannschaft, da kann keiner abheben. Wir haben nichts zu verlieren, wollen aber auch wieder zu null spielen wie die letzten beiden Male.

Sport1.de: Widerspricht sich das nicht?

Fink: Unser Ziel ist sicherlich, alles mitzunehmen. Ein Punkt ist Minimalziel. Wir wollen nicht überheblich sein, ich möchte meiner Truppe aber auch nicht immer ein Alibi geben und sagen: Ja, wir haben nichts zu verlieren. Nur müssen wir erst fighten und dann spielen, nicht umgekehrt. Unser Programm jetzt ist schwer genug: Erst gegen Mainz, dann gegen Nürnberg.

Sport1.de: Haben Sie eigentlich eine Erklärung dafür, dass Ihr Team immer schon gleich in den ersten Minuten trifft?

Fink: Vielleicht sind sie am Anfang durch meine Reden besonders motiviert, und dann lässt das vielleicht ein bisschen nach.

Sport1.de: Bitte?

Fink: Ich bin keiner, der ständig immer ganz ruhig ist und die Mannschaft vor dem Spiel ruhig stellt. Aber Scherz beiseite: Wir spielen häufig den ersten Ball lang, rücken dann nach und gehen gleich drauf. Und daraus haben wir dann oft gleich ein Tor gemacht. Ist aber vielleicht auch Zufall.

Sport1.de: Vratislav Lokvenc war gegen Freiburg heimlicher Matchwinner war, nachdem er vorher viel öffentliche Schelte wegen seiner Leistungen bezogen hat. Wie haben Sie ihn denn motiviert?

Fink: Ich kannte Vratislav aus Salzburg und wusste, dass er torgefährlich ist und auch technisch sehr gut - sonst hätte ich ihn ja nichts geholt. Spieler, die um die zwei Meter sind, wirken eben etwas hölzern. Aber für uns ist er enorm wichtig: Bei Standards hinten hilft er sehr gut aus, vorn legt er die Bälle super ab. Ob das filigran aussieht, ist mir egal. Ein kleiner Spieler, der gut dribbeln kann, sieht vielleicht besser aus. Ob das aber effektiver ist, weiß man nicht.

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