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Jubel in Lila-Weiß: Der FC Erzgebirge Aue mischt in der Spitzengruppe der Zweiten Liga mit © getty

Aue schwimmt auf einer Erfolgswelle. Trainer Rico Schmitt stapelt gegenüber SPORT1 tief, doch die Sensation scheint möglich.

Von Jakob Gajdzik

München - "Sensationell": Gäbe es eine Liste der meistbenutzen Begriffe im Erzgebirge, würde dieser garantiert weit oben stehen. Wie der FC Erzgebirge Aue.

Mit 23 Punkten rangiert der Aufsteiger nur drei Zähler hinter Ligakrösus und Tabellenführer Hertha BSC und überrascht ganz Fußballdeutschland von Woche zu Woche. (DATENCENTER Zweite Liga)

Die Region ist begeistert, die Fans träumen von mehr. Nur einer kann die Euphorie rund um die Lila-Weißen nicht teilen: Trainer Rico Schmitt.

Schmitt tritt auf die Euphoriebremse

Der Vater der Auer Erfolgs tritt lieber auf die Bremse und predigt Zurückhaltung. Von hohen Zielen keine Spur.

"Wir haben uns die 23 Punkte schwer erkämpft, erspielt und erarbeitet. Gegen Düsseldorf müssen wir nun nachlegen.

Diese Aufgabe wir schwer genung", sagt der Coach im Gespräch mit SPORT1.

Typisch für Schmitt, der lieber auf den nächsten Gegner blickt, anstatt den Blick zu weit in die Zukunft zu richten.

Dabei hat der Höhenflug der Auer gute Gründe

Abwehrstärke

Bislang erst sieben Gegentore sind der zweitbeste Wert der Liga. Auch hier ist nur Hertha BSC besser (6). Torhüter Martin Männel spielt seine erste Profisaison - und diese überragend. Sechs Partien ohne Gegentor sind ligaspitze.

Dazu steht die Viererkette mit Pierre Le Beau, Profi-Neuling Adli Lachheb sowie den bundesligaerfahrenen Thomas Paulus und Rene Klingbeil bislang bombensicher.

Trainer Schmitt sieht alle in der Pflicht, verteilt das Lob nicht nur an die Defensive. "Die gesamte Mannschaft arbeitet herrvorragend gegen den Ball."

Nicht nur, dass die Abwehr kaum Chancen des Gegners zulässt, sie ist zudem noch torgefährlich. Fünf der insgesamt 14 Auer Treffer wurden vom Innenverteidiger-Duo Paulus (4) und Lachheb (1) erzielt.

Heimstärke

Das Erzgebirgsstadion ist mittleweile zu einer Festung geworden.

20 ungeschlagene Spiele in Folge, davon 18 Siege, zeugen von einer enormen Heimstärke. Die letzte Heimpleite resultiert vom 29. August 2009, noch zu Drittligazeiten gegen den 1. FC Heidenheim.

Rico Schmitt sieht die einmalige Stimmung im Stadion als wichtigen Faktor. "Das Publikum unterstützt die Mannschaft auch in schwierigen Phasen, reagiert mit Geduld statt mit Unruhe."

Der Fakor Heimspiel ist für den FCE wichtig, aber nicht entscheidend. Mit elf Punkten aus sechs Auswärtspartien liegt die Mannschaft auch hier über dem Soll.

Kaderstärke

Bis zum 8. Spieltag war Routinier Oliver Schröder (115 Bundesligaspiele für Köln, Berlin, Bochum) eine feste Größe im defensiven Mittelfeld des FC Erzgebirge.

Seitdem fehlt der Blondschopf, ein Eckpfeiler des Teams, wegen einer Dehnung des linken Kreuzbandes. Seine Mittelfeldrolle übernahm der 23-jährige Jan Hochscheidt und füllt sie bislang ohne Qualitätsverlust aus.

"Oliver hat mit seiner Verletzung eine Lücke gerissen", erklärt der FCE-Coach, "die wir aber sofort kompensieren konnten. Das spricht für die Qualität des Kaders."

Erstaunlich zudem, dass die bisherigen 14 Saisontreffer von bereits sechs Akteuren erzielt wurden.

Der Angriff um Enrico Kern ist mit zwei Treffern noch der schlechteste Mannschaftsteil. Nachvollziehbar, reiben sich Kern oder Sebastian Glasner meistens als einzige Spitze für die Mannschaft auf.

In einer Favoritenrolle sieht der Trainer die Auer dennoch nicht. Auch nicht beim Heimspiel am Freitag gegen Fortuna Düsseldorf (ab 17.45 Uhr im LIVE-TICKER).

"Das ist eine Partie auf Augenhöhe. Nur wenn wir alles abrufen, werden wir auch das fünfte Heimspiel gewinnen", warnt Schmitt vor dem Aufwärtstrend der Rheinländer.

Auf den Spuren von 1899 Hoffenheim

Sollten die Auer ihre Erfolgsserie fortsetzen, wären sie Nachfolger von 1899 Hoffenheim, dem als bislang letzem Aufsteiger in der Saison 2007/2008 der Durchmarsch von der Dritten Liga in die Bundesliga gelang.

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