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Ewald Lienen soll seinen Ex-Klub vor dem Absturz in die Drittklassigkeit bewahren © getty

Bielefelds neuer Trainer pflegt eine persönliche Bindung zu seinem neuen Klub. Für die Arminia ist "Zettel-Ewald" die letzte Hoffnung.

Bielefeld - Ewald Lienen kehrt in seine Heimat zurück:

Seit Montag steht der Ex-Profi beim Zweitligisten Arminia Bielefeld in schwieriger Mission als Trainer in der Verantwortung.

Der 56-Jährige soll den auf dem letzten Rang liegenden Klub, bei dem er vor 36 Jahren seine Laufbahn als Spieler begann, vor dem Absturz in die Drittklassigkeit retten.

"Das ist eine Riesenherausforderung, die ich mit Enthusiasmus und Leidenschaft erfüllen will", sagte Lienen vor einem großen Medienaufgebot im Presseraum des Stadions.

Ich habe eine sehr emotionale Bindung zu Verein und Region."

Gut gelaunt und erfreut über "den sensationellen Empfang" präsentierte sich der Nachfolger des am Samstag entlassenen Christian Ziege.

Der Fußball-Lehrer erschien mit modischer Kurzhaarfrisur, gekleidet mit einem eleganten, dunkelgrünen Cordblazer.

Ramdane wieder Co-Trainer

Lienen will sofort die Ärmel hochkrempeln, zusammen mit seinem Co-Trainer und Schwiegersohn Abder Ramdane noch bis zur Winterpause Schadensbegrenzung betreiben.

"15 Punkte bis zur Winterpause wären schön", sagte Lienen, der die Arminia mit vier Zählern aus elf Spielen übernimmt.

Sein Kontrakt ist zunächst bis zum Saisonende terminiert und verlängert sich automatisch mit dem Klassenerhalt um ein Jahr.

Präsident Brinkmann optimistisch

Für seine "Herzensangelegenheit" Arminia will der im benachbarten Schloss Holte Stukenbrock geborene Ex-Profi in der Winterpause auf dem Transfermarkt tätig werden.

Die Verantwortlichen beim Schlusslicht zeigten sich überzeugt, die richtige Wahl getroffen zu haben. Deshalb hatte Rudi Bommer, der den Ostwestfalen ebenfalls sein Konzept präsentiert hatte, das Nachsehen.

"Wir haben Herrn Lienen als jemanden mit großer Durchsetzungsvermögen und Überzeugungskraft kennengelernt", sagte Arminia-Präsident Wolfgang Brinkmann.

"Er ist ein Mann mit Durchsetzungskraft, Erfahrung, regionaler Verbundenheit und einem guten Netzwerk."

Kurzes Gastspiel in Piräus

Lienen hatte kurz vor Saisonbeginn den Zweitligisten 1860 München verlassen und war zum griechischen Rekordmeister Olympiakos Piräus gewechselt, dort aber schon nach sieben Wochen entlassen worden.

Die Arminia ist seine zehnte Trainerstation, in Deutschland arbeitete er zuvor für den MSV Duisburg, Hansa Rostock, den 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach, Hannover 96 und 1860.

Neben bescheidenen sportlichen Erfolgen sorgten vor allem seine Mitschriften, die ihm den Beinamen `Zettel-Ewald" einbrachten, für Aufsehen.

Die Nostalgiker haben aber auch noch den Spieler Ewald Lienen vor Augen. Auf dem Platz als Irrwisch und ständiger Unruheherd im gegnerischen Strafraum, neben dem Platz ein kritischer Geist.

Brutalo-Foul bleibt in Erinnerung

Bundesliga-Geschichte schrieb Lienen unfreiwillig im Arminia-Trikot am 14. August 1981 im Gastspiel bei Werder Bremen.

Gegenspieler Norbert Siegmann schlitzte Lienen bei einem Zweikampf den rechten Oberschenkel auf einer Länge von 25 cm auf.

Der Stürmer rannte seinerzeit wutentbrannt auf den Bremer Trainer Otto Rehhagel zu und machte diesen dafür verantwortlich, weil er Siegmann angeheizt habe.

Noch auf der Trage zeigte er die geballte Faust in Richtung Bremer Bank.

Drei Jahrzehnte später sind die Töne und Handlungen moderater, mit seiner Lesebrille wirkt er fast väterlich.

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