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Dr. Robert Niemann (r.) war bereits der sechste Geschäftsführer der vergangenen sechs Jahre © imago

Der Rücktritt des "Löwen"-Geschäftsführers steht fest. Sein Nachfolger muss die Pleite verhindern und dafür Spieler verkaufen.

Von Jakob Gajdzik

München - Schock für 1860 München: Die "Löwen" müssen weiter die Pleite und damit den Lizenzentzug fürchten.

Wie SPORT1 aus Vereinskreisen erfuhr, standen die "Löwen" bis vor einer Woche kurz vor der Insolvenz, die sie durch interne Maßnahmen gerade noch abwenden konnten.

Nun haben die 60er erstmal eine Galgenfrist bis Januar, bis dahin allerdings muss der Zweitligist jedoch sehr schnell sehr viel Geld auftreiben.

In diesem Zusammenhang steht offenbar auch der Rücktritt von Geschäftsführer Robert Niemann. Nachfolger wird Robert Schäfer.

Der Verein bestätigte am Sonntag nach dem 0:0 bei Energie Cottbus entsprechende Meldungen vom Wochenende.

Maurer bestätigt Niemann-Rückzug

Die Entscheidung darüber war offenbar schon vor wenigen Tagen gefallen.

"Das ist seine persönliche Entscheidung, ich weiß es seit Donnerstagabend", hatte "Löwen"-Trainer Reiner Maurer am Samstag der "Abendzeitung" gesagt.

Niemann, ehemaliger Mitarbeiter der Deutschen Fußball Liga, hatte seinen Posten erst am 1. August angetreten.

Siebte Geschäftsführer in sechs Jahren

Nachfolger Schäfer ist damit der siebte Geschäftsführer innerhalb der vergangenen sechs Jahre.

Schäfer ist Volljurist und war in seiner Funktion als verantwortlicher Projektleiter der IMG GmbH seit 2008 für die Vermarktung des TSV 1860 verantwortlich.

Er soll die Sanierung des Klubs vorantreiben.

"Ich glaube, dass es in der Geschichte von 1860 noch nie so einen jungen Geschäftsführer gegeben hat", sagte 1860-Sportdirektor Miroslav Stevic bei "Sky":

"Er ist erst 34. Wir sehen es als Vorteil an, dass er den Verein so gut kennt. Er weiß, wo er mit seiner Arbeit ansetzen muss. Ich bin mir sicher, dass wir gut zusammenarbeiten."

Noch bis Januar Zeit

Niemann hatte die "Löwen" durch mehrere interne Maßnahmen vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit bewahrt, offenbar bleibt das Finanzloch aber dennoch zu groß.

Nur noch bis Januar bleibt dem Münchner Traditionsverein Zeit, um die laufenden Kosten deutlich zu reduzieren oder zusätzliche Geldquellen zu erschließen.

Direkt bezieht sich das auf den Kader der Münchner.

Nicht nur Spielerverkäufe sind unabdingbar, um Geld in die leeren Kassen zu bekommen, auch bei den Gehaltskosten muss der TSV deutliche Einsparungen vornehmen.

Augsburg an Lauth interessiert

Waren es in der Vergangenheit Spieler wie Marcel Schäfer, Timo Gebhardt oder die Bender-Zwillinge Sven und Lars, so stehen wohl diesmal Verkäufe von den Jung-"Löwen" Alexander Ignjovski oder Stefan Aigner bevor, die bereits in der Vergangenheit mit Vereinen aus der Bundesliga in Kontakt gebracht wurden.

Zudem wird auch die Weiterbeschäftigung von Leistungsträgern wie Antonio Rukavina, Alexander Ludwig, Dorde Rakic oder Benjamin Lauth schwer.

Am Torjäger hat der FC Augsburg bereits sein Interesse signalisiert, nun könnte es möglicherweise ganz schnell gehen.

Der 17-jährige Shootingstar Moritz Leitner wurde bereits ab dem 1. Januar 2011 zu Borussia Dortmund transferiert, wahrscheinlich wird der Wechsel jetzt schon in der Winterpause stattfinden müssen.

Angeblich drohten neun Punkte Abzug

Erst im Oktober wurden dem Verein wegen unzureichender Angaben im Lizenzierungsverfahren zwei Zähler in der laufenden Saison abgezogen.

Nach einem Bericht der "tz" standen eigentlich sogar neun Punkte Abzug im Raum.

Doch dank des Einsatzes von Vize-Präsident Dieter Schneider und der Sponsoren habe man kurzfristig die Liquidität wieder herstellen können.

Schon damals sei Niemann ratlos gewesen, nun sei er "mit seinem Latein endgültig am Ende", wird ein Klubinsider zitiert.

Schwerer Stand im Verein

Der Geschäftsführer hatte von Beginn an einen schweren Stand bei den "Löwen".

Sein pragmatischer Kurs gegenüber dem Lokalrivalen FC Bayern, mit dem er nach einem verlorenen Prozess eine Stundung der Schulden ausgehandelt hatte, wurde aber von den Anhängern kritisch beäugt. .

Am vergangenen Sonntag sorgte Niemann für Aufregung, weil er den Verbleib des TSV 1860 in der WM-Arena in Aussicht stellte.

Zugleich versuchte er beim 2:1 gegen Alemannia Aachen vergeblich, ein Arena-kritisches Plakat abhängen zu lassen.

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