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Marc Hensel (r., mit Kevin Schlitte und Enrico Kern, l.) erzielte bereits sechs Treffer © getty

Die Tabellenführung ist der vorläufige Höhepunkt der Erfolgsgeschichte von Erzgebirge Aue. Doch der Aufsteiger stapelt tief.

Aue - Der "Wahnsinn" geht weiter, doch der neue Tabellenführer Erzgebirge Aue bewahrte in der Stunde des Triumphes kühlen Kopf.

Selbst als der Aufsteiger den Krösus Hertha BSC Berlin von der Zweitliga-Spitze verdrängt hatte, sprachen Trainer und Spieler des Überraschungsteams gebetsmühlenartig vom Nichtabstieg. (DATENCENTER Zweite Liga)

"Der Tabellenplatz interessiert uns gar nicht. Es herrscht Einigkeit über die Ziele", sagte Trainer Rico Schmitt nach dem 2:1-Erfolg gegen Alemannia Aachen:

"Da brauchen wir nicht nach links oder rechts gucken und nichts verkünden, was unrealistisch ist."

Männel hält an Klassenerhalt fest

Und Torwart Martin Männel trieb die Vorgaben des Trainers dann sogar auf die Spitze:

"Wir haben heute drei wichtige Punkte gegen den Abstieg gesammelt", behauptete er: "Erst wenn wir an dem Ziel von 40 Punkten sind, können wir endlich über andere Dinge sprechen."

Auch die anderen Akteure sprachen in einer scheinbaren Endlosschleife immer wieder nur vom "Saisonziel 40 Punkte", auch wenn der seit zehn Spielen ungeschlagene Außenseiter mit 30 Zählern nach 13 Spieltagen an die Tabellenspitze sprang.

Lange dürfte es bis zur vielzitierten "magischen" 40-Punkte-Marke für das derzeit beste Team aus dem Osten nicht mehr dauern.

Heimbilanz als Erfolgsfaktor

Vor allem, wenn man auf die beeindruckende Heimbilanz der Sachsen blickt, die mit einem Mini-Etat von gerade einmal vier Millionen Euro auskommen müssen.

Alle sechs Heimspiele hat Aue in dieser Saison gewonnen, seit 22 Spielen ist das Team vor eigenem Publikum unbesiegt.

Letztmals entführte der 1. FC Heidenheim im August 2009 drei Punkte - damals noch in der Dritten Liga.

So scheint ein Ende des Understatements in Sichtweite.

"Sollten wir zum Ende der Hinrunde über 30 Punkte haben, nimmt uns keiner mehr diese Zielstellung ab", sagte Mittelfeldspieler Marc Hensel bereits vor einigen Wochen.

Motivationsspritze durch angebliche Aachener Attacken

Doch die Rolle des unterschätzten Außenseiters lässt die Spieler des dreimaligen DDR-Meisters äußerst motiviert auflaufen - besonders, wenn noch despektierliche Äußerungen des gegnerischen Trainers hinzukommen.

"Jetzt fahren wir zu den Scheiß-Ossis und krachen die mal weg", soll Aachens Coach Peter Hyballa laut Hensel über die Erzgebirgler gesagt haben.

"Nun hat auch der Letzte begriffen, wer Aue ist", antwortete der 24-Jährige in Richtung Hyballa. "Das hat bei uns noch mehr Motivation herausgekitzelt."

"Die sollen mal schön den Mund halten"

Hyballa allerdings wies die Anschuldigungen deutlich zurück. "Das ist eine unglaubliche und falsche Behauptung", erklärte er.

"Die sollen mal schön den Mund halten, ich hätte auch Einiges zu erzählen. Aber damit fange ich jetzt nicht an."

Fakt war, dass einige Aachener mit der teilweise sehr hitzigen Atmosphäre im Stadion ihre Probleme hatten.

"Haben wie ein Spitzenreiter gespielt"

Allerdings zeigten die Gastgeber neben ihrem gewohnten kämpferischen Engagement vor allem in der ersten Halbzeit auch spielerisch eine starke Leistung.

"Was wir abgeliefert haben, war allererste Klasse. Wenn wir hier sechs oder sieben Tore schießen, braucht sich keiner beschweren", sagte Hensel zu den Vorwürfen der letzten Wochen, Aue würde zu unansehnlich spielen.

"Das ist das, was mich ankotzt: Mich jede Woche für unsere Spielweise zu rechtfertigen", beschwerte sich der Mittelfeldspieler.

Die Vorstellung vom Sonntag nötigte dann am Ende auch dem unterlegenen Gegner Respekt ab.

"Die Tabellenführung ist verdient", sagte Hyballa und Aachens Sport-Geschäftsführer Erik Meijer erklärte: "Das ist eine geile Truppe."

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