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Optimistischer Blick in die Zukunft: Der neue Karlsruher Trainer Uwe Rapolder © getty

Uwe Rapolder spricht vor dem Spiel bei Fortuna Düsseldorf im SPORT1-Interview über seine Ziele mit dem KSC, seine Ansprüche und das Vorbild Mainz.

Von Jakob Gajdzik

München - Für den glücklosen Markus Schupp war Uwe Rapolder jüngst zum Karlsruher SC gekommen, um den Traditionsverein vor dem Abstieg in die Drittklassigkeit zu bewahren.

Mit einem klaren 4:0-Heimsieg gegen Rot-Weiß Oberhausen gelang dem neuen KSC-Trainer ein idealer Einstand beim Tabellen-16. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Am Sonntag in Düsseldorf (ab 13.15 Uhr im LIVE-TICKER) soll der nächste Schritt aus dem Keller folgen. Doch Rapolder, der ohne Option zunächst nur bis zum Saisonende unterschrieben hat und seinem Ruf als Konzepttrainer gerecht werden möchte, will mehr.

Im SPORT1-Interview spricht Rapolder zudem über den eigenen Anspruch Bundesliga und warum sich der KSC am FSV Mainz 05 ein Vorbild nehmen kann.

SPORT1: Herr Rapolder, erster Sieg im ersten Spiel und dann gleich 4:0. Ein perfekter Einstand?

Uwe Rapolder: Vom Resultat war es sicher perfekt, und auch die Art und Weise war in Ordnung. Wir haben gezeigt, dass wir noch Luft nach oben haben. Ich bin vor allem froh, dass sich die Mannschaft nach neun sieglosen Spielen befreien konnte.

SPORT1: Sie sind weiter Tabellen-16. Für Verstärkungen ist kaum Geld vorhanden. Ist mit dem Team trotzdem mehr drin als nur der Klassenerhalt?

Rapolder: Personelle Veränderungen haben wir ohnehin nicht geplant. Wir beobachten jetzt den Kader und gucken, ob die Langzeitverletzten den Anschluss wieder finden. Sollte das nicht der Fall sein, muss man eventuell reagieren, ansonsten muss der Kader reichen.

SPORT1: Wie lauten Ihre Ziele?

Rapolder: Wir wollen Schritt für Schritt ein Team entwickeln, das sich durch Lauf- und Kampffreude auszeichnet und offensiven Fußball spielt. Es geht in erster Linie um den Klassenerhalt, von dem ich überzeugt bin, dass wir ihn schaffen. Aber wir wollen auch guten Fußball spielen.

[kaltura id="0_mvte94eh" class="full_size" title="Die Vorschau auf den 15 Spieltag"]

SPORT1: Drohen Ihnen im Winter sogar Abgänge von Talenten wie Matthias Zimmermann oder Lukas Rupp?

Rapolder: Ich hoffe, die Spieler sehen, dass sie hier gut ausgebildet werden und eine Perspektive haben. Sie sind ja auch noch sehr jung, müssen also nicht gleich zu einem großen Klub. Ich bin optimistisch, dass sie bleiben.

SPORT1: Sie haben nur einen Vertrag bis Saisonende, ohne Option. Glauben Sie nicht, mit dem KSC mehr zu erreichen? Oder warum haben Sie nicht länger unterschrieben?

Rapolder: Der Verein ist ja momentan auch nicht auf Rosen gebettet, eine Option brauchen wir deswegen derzeit nicht. Wir haben jetzt die Gelegenheit, uns bis April kennenzulernen. Dann kann man sich immer noch zusammensetzen. Der KSC ist ein Traditionsverein, ich bin hier in Heimatnähe, es macht mir Spaß. Sollte die Arbeit erfolgreich sein, denke ich, dass wir uns einigen.

SPORT1: Ist es nicht Ihr persönlicher Anspruch, Mannschaften in der Bundesliga zu trainieren?

Rapolder: Das ist richtig, aber wer sagt denn, dass der KSC nicht wieder in der Bundesliga landet? Das Trainergeschäft ist auch kein Wunschkonzert, es gibt viele Kollegen, die auf einen Job warten. Mann muss froh sein, wenn man einen Klub mit Potenzial wie den KSC trainieren darf. In der Region glimmt immer noch ein Funke, man hat vor knapp 15 Jahren noch international gespielt. Dieses Feuer muss wieder entfacht werden, das ist auch eine schöne Herausforderung.

SPORT1: Präsident Ingo Wellenreuther hat Sie als Konzepttrainer bezeichnet. Wie wollen Sie den KSC aus dem Tabellenkeller herausholen?

Rapolder: Man muss nur nach Dortmund oder Mainz gucken, um zu sehen, was es heißt einen Plan zu haben. Dann kann man auch mit Mannschaften, die, siehe besonders Mainz, individuell nicht so überragend besetzt sind, mit Sachen wie Teamgeist und Motivation die letzten Prozente herauskitzeln. Meine Mannschaft muss kompakt stehen, aggressiv gegen den Ball agieren und Ball- und Laufwege automatisieren, um guten Fußball zu spielen. Das Stichwort heißt Homogenität.

SPORT1: Warum hat das unter Ihrem Vorgänger Markus Schupp nicht funktioniert?

Rapolder: Genau wie Erfolg, entwickelt auch der Misserfolg eine Eigendynamik, und es ist schwer aus dieser Spirale herauszukommen. Dieses Pech hatte Markus Schupp. Dazu kam das große Verletzungspech. Und wenn eine Mannschaft auswärts nach einer 5:2-Führung in Cottbus nicht gewinnt, dann gibt das zusätzlich einen moralischen Knacks.

SPORT1: Rolf Kahn kandidierte vergangenes Jahr für das Amt des Präsidenten, wurde aber nicht gewählt. Würden Sie es begrüßen, wenn man ehemalige KSC-Persönlichkeiten mehr in den Verein einbinden würde?

Rapolder: Es kann nie schaden, wenn ehemalige Spieler involviert sind, auch wenn es nicht unbedingt die Position des Präsidenten sein muss. Diese Spieler haben Verdienste um den Verein und hängen auch an ihm. Bei einem gewissen Know-How und Loyalität kann so was garantiert nicht schaden.

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