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Oliver Neuville hat in dieser Saison zweimal für Arminia Bielefeld getroffen © getty

Ex-Nationalspieler Oliver Neuville spricht im SPORT1-Interview über sein abruptes Karriereende und seine Zukunfts-Planungen.

Von Marcus Giebel

München - Es war die Meldung der Woche in der Zweiten Liga: Oliver Neuville beendet von einem Tag auf den anderen seine aktive Karriere.

Der 37-Jährige einigte sich mit Arminia Bielefeld auf eine vorzeitige Vertragsauflösung zum 31. Januar, bis dahin ist er freigestellt.

Dabei war der Vize-Weltmeister von 2002 im Sommer als Führungsspieler von Borussia Mönchengladbach zu den Ostwestfalen gewechselt.

Doch zuletzt wurde es immer ruhiger um Neuville, seit dem 8. Spieltag stand er nur noch zweimal in der Startelf.

Im SPORT1-Interview erläutert der Ex-Stürmer von Bayer Leverkusen und Hansa Rostock, warum er aufhört und wie es im neuen Jahr weitergehen soll.

Außerdem spricht der 69-malige Nationalspieler, der bei der WM 2006 das umjubelte Siegtor gegen Polen schoss, über seine schönsten Erlebnisse als Profi.

SPORT1: Herr Neuville, Sie haben in dieser Woche überraschend ihr sofortiges Karriereende bekanntgegeben. Wie kam es zu dem Schritt?

Oliver Neuville: Darüber habe ich in den vergangenen Wochen immer wieder nachgedacht. Ich bin wegen Christian Ziege nach Bielefeld gegangen. Weil ich aber häufig verletzt war, kam ich nur selten zum Einsatz. Und wenn ich dann nur in den letzten 20 Minuten gespielt habe, hat der letzte Biss und die letzte Konsequenz gefehlt. Daher habe ich gedacht, es wäre besser, wenn ich aufhöre.

SPORT1: Welche Rolle hat der Trainerwechsel gespielt? Immerhin war Ewald Lienen eine wichtige Person in Ihrer Karriere.

Neuville: Das war natürlich kein Problem. Er hatte mich nach Teneriffa geholt, später dann nach Rostock. Es war so, dass ich mir in Bielefeld etwas anderes vorgestellt hatte, denn meine Familie wohnt noch in Gladbach. Weil wir zuletzt viel trainiert haben, konnte ich meinen Sohn kaum noch sehen. Das war für meinen Kopf nicht gut.

SPORT1: Gab es keine Option, zu einem anderen Verein zu wechseln?

Neuville: Nein, das war keine Überlegung wert.

SPORT1: Wie haben es die Mitspieler aufgenommen, dass Sie komplett aufhören?

Neuville: Sie waren überrascht. Ich habe viele SMS bekommen, in denen sie mir mitgeteilt haben, dass es für sie eine Ehre war, mit mir zusammengespielt zu haben. Das hat mich stolz gemacht.

SPORT1: Wie schätzen Sie die Situation der Arminia ein? Der Klub ist mit sieben Punkten schon deutlich abgeschlagen.

Neuville: Das ist keine einfache Situation. Am Freitag spielen wir gegen Karlsruhe. Das ist ein sehr wichtiges Spiel, denn mit einem Sieg sind wir nur noch drei Punkte hinter dem Relegationsplatz, bei einer Niederlage wären es schon neun. Wir müssen in den beiden Spielen vor der Winterpause noch ein paar Punkte holen. Dann wird es im Januar einige Verstärkungen geben.

SPORT1: Sie haben eine große Karriere in Deutschland gehabt, 334 Bundesligaspiele und 46 Zweitligapartien bestritten. Zudem trugen Sie 69-mal das DFB-Trikot. Was waren Ihre persönlichen Höhepunkte?

Neuville: In der Nationalmannschaft überstrahlt das WM-Finale 2002 natürlich alles, auch wenn ich Pech mit meinem Freistoß an den Pfosten hatte und wir verloren haben. Aber auch die Saison 2001/2002 mit Leverkusen bleibt unvergesslich. Wir haben zwar keinen Titel gewonnen, aber standen in zwei Finals und wurden Vize-Meister.

SPORT1: Wie sehr ärgert es Sie, dass Sie keinen großen Titel gewonnen haben? 2008 standen Sie ja auch im EM-Finale, das verloren ging.

Neuville: Wenn du im Finale bist, willst du es auch gewinnen. Aber es gibt nicht viele Spieler, die von sich behaupten können, in einem Finale gestanden zu haben. Und ich habe in fast jedem Wettbewerb das Endspiel erreicht. Das einzige was mir fehlt, ist das UEFA-Cup-Finale. Mit Teneriffa bin ich einmal im Halbfinale ausgeschieden.

SPORT1: Wie sehen Ihre Zukunftsplanungen aus? Wollen Sie dem Fußball treu bleiben?

Neuville: Ich mache erstmal Urlaub. Im Januar werde ich mich mit meinem Berater zusammensetzen. Dann entscheiden wir gemeinsam.

SPORT1: Gibt es Bestrebungen, als Trainer oder Manager tätig zu werden?

Neuville: Das ist schwer zu sagen. Ich hatte im Sommer ein Angebot von Gladbach, als Jugendcoach zu arbeiten. Wir waren uns schon einig, aber dann hat Bielefeld angefragt. Vielleicht wird noch etwas daraus, denn wir sind so verblieben, dass wir uns für die neue Saison noch mal unterhalten werden.

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