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Der FC St. Pauli schaffte 2007 nach vier Jahren Drittklassigkeit den Aufstieg in die 2. Bundesliga © getty

Das Spitzenspiel gegen den SC Freiburg ist für St. Pauli richtungsweisend. Die Hamburger werden als Aufstiegskandidat gehandelt.

Von Michael Schulz

München - Das Wort Aufstieg dürfen die Spieler des FC St. Pauli nicht in den Mund nehmen, doch die Zweitliga-Konkurrenz nimmt die Mannschaft von Coach Holger Stanislawski sehr ernst.

Vor dem Spitzenspiel am Montag beim SC Freiburg (ab 20 Uhr LIVE ) - dem Sieger winkt der Relegationsplatz - haben die Trainer aus dem oberen Tabellendrittel den aktuellen Siebten als Mitstreiter um den Aufstieg eingeordnet.

Vergleich mit Lautern

"Aufstieg - warum eigentlich nicht?", fragt etwa der Mainzer Jörn Andersen. Und Lauterns Milan Sasic zieht einen Vergleich: "St. Pauli wie auch uns hatte vor der Saison keiner so richtig auf der Rechnung, doch beide Vereine stehen zu Recht da oben."

Einen Schritt weiter geht ein Trio. "Der Verein hat eine echte Chance aufzusteigen", sagt der Freiburger Robin Dutt stellvertretend für seine Kollegen Benno Möhlmann (Fürth) und Aachens Jürgen Seeberger.

Konstanz fehlt noch

Der SC-Coach hat vor allem Respekt vor der Arbeit seines Kollegen Holger Stanislawski, der "eine Mannschaft mit einer guten Mischung aus technisch versierten und kampfstarken Spielern hat".

Dem Vorjahresneunten von der Elbe fehlt laut Marco Kurz (1860) noch eines: "?Sie sollten konstant die aktuelle Leistung bringen."

Vier Jahre Drittklassigkeit

Dabei sah es zu Saisonbeginn gar nicht gut aus für die Hamburger. Am zweiten Spieltag wurde der Vorjahresneunte Vorletzter.

Erinnerungen an vergangene Zeiten wurden bei St. Pauli wach. Nach dem Bundesliga-Abstieg 2002 ging es ein Jahr später aus der Zweiten Liga in die Regionalliga Nord. Es folgten vier Jahre Drittklassigkeit, ehe 2007 die Rückkehr in den bezahlten Fußball vollzogen wurde.

Mitterweile haben sich die Kiez-Kicker binnen neun Spielen bis auf den 4. Platz vorgearbeitet. Vor allem, weil mittlerweile mit Kapitän Fabio Morena, Thomas Meggle und Florian Lechner nur noch drei Leistungsträger fehlen. Zeitweise waren es bis zu sechs Stammkräfte.

"Erfolgsrezept" für Aufstieg

"Entscheidend ist, dass sämtliche Mannschaftsteile gut gegen den Ball arbeiten. Das ist das Erfolgsrezept", sagt Verteidiger Ralph Gunesch. Die Hintermannschaft der St. Paulianer ist die viertschlechteste der Liga (21 Gegentreffer), allerdings musste Keeper Mathias Hain in den letzten drei Siegen in Folge nur einmal hinter sich greifen.

Trainer Stanislawski bevorzugt das offensiv ausgerichtete System und mit 20 Toren hat der 39-Jährige den fünftbesten Angriff der Liga.

Nur zu Hause Spitze

Doch bisher hat sein Team seine Maxime "Wir können jeden schlagen - überall" erst daheim richtig umgesetzt. Nur der VfL Osnabrück konnte beim Saisonstart einen Punkt (2:2) bei den Hamburgern entführen. Danach gab es fünf Erfolge in Serie am Millerntor - lediglich der 1. FC Kaiserslautern holte ebenfalls 16 Punkte, hat aber das bessere Torverhältnis (14:4 Tore) gegenüber den Hanseaten (13:5).

In der Fremde gab es in fünf Spielen erst einen Sieg: ein 2:1 beim letzten Auswärtsspiel beim MSV Duisburg. Danach wurde mit dem 1. FC Nürnberg (1:0) ein weiterer Bundesliga-Absteiger geschlagen.

"Wollen drei Punkte"

Und auch beim punktgleichen SC Freiburg (beide 19 Zähler) wird Stanislawski an seiner Taktik festhalten. "Wir wollen drei Punkte und werden deshalb offensiv agieren", sagt er und fügt hinzu: "Aufgrund der Ausrichtung beider Mannschaften verspricht das ein sehr interessanter Spiel zu werden, in dem beide mutig nach vorne spielen."

Die Breisgauer haben ihre letzten zwei Spiele in Ingolstadt (0:4) und gegen Mainz (0:1) verloren. Dutt fordert daher nach dem "unterirdischen Spiel" beim FCI: "Wir müssen die Grundtugenden unseres Konkurrenten St. Pauli, zum Beispiel Leidenschaft, beherrschen. Dann können wir mit höchster Konzentration und vollem Einsatz wieder ein Erfolgserlebnis nach Hause bringen."

In der letzten Saison gewann der jeweilige Gastgeber zu Null: Freiburg siegte 2:0, St. Pauli mit 5:0. In der Zweiten Liga haben die Hamburger noch nie im Breisgau gewonnen.

Entscheidende Phase

Nach dem Auftritt in Freiburg folgt für die Stanislawski-Elf mit Rot Weiss Ahlen und FSV Mainz weitere Duelle gegen direkten Konkurrenten. "Wir sind in einer Phase, in der es sich entscheidet, wohin es in dieser Saison geht", erklärte Mittelfeldspieler Timo Schultz.

Und Torjäger Marius Ebbers (vier Tore) ergänzt: "Unsere Ausgangsposition wollen wir so schnell nicht wieder hergeben, denn wir stehen zu Recht da oben."

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