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Der gefeuerte Rudi Bommer (l.) und sein Interims-Nachfolger Heiko Scholz © getty

Der geschasste MSV-Coach Bommer war den eigenen Fans nicht mehr vermittelbar. Als Nachfolger sind alte Bekannte im Gespräch.

Duisburg - Am Tag nach dem vermeintlichen Befreiungsschlag war die Atmosphäre beim MSV Duisburg immer noch vergiftet.

Vier Bodyguards hatte der kriselnde Zweitligist zur Westender Straße beordert, um dem geschassten Trainer Rudi Bommer eine ungestörte Räumung seines Spinds zu ermöglichen und ihm weitere Hass-Attacken der aufgebrachten Fans zu ersparen.

"Was in den vergangenen Wochen bei uns passiert ist, hat die Mannschaft und ihn zermürbt", begründete MSV-Boss Walter Hellmich die Trennung vom Aufstiegs-Helden von 2007.

Luhukay und Schupp im Gespräch

Über Bommers Nachfolger schossen zu Wochenbeginn die Spekulationen ins Kraut. Zu den Kandidaten gehören die arbeitslosen Trainer Jos Luhukay (zuletzt Borussia Mönchengladbach) und Markus Schupp (bis Dezember 2006 bei Wacker Burghausen).

Beide saßen bei der 0:1-Heimpleite gegen RW Ahlen schon auf der Tribüne der MSV-Arena. Auch der ewige Feuerwehrmann Peter Neururer ist im Gespräch.

Sicher schien lediglich, dass Bommers bisheriger Assistent Heiko Scholz auch bei seinem dritten Engagement nach der Entlassung seines vorherigen Chefs erneut nur vorübergehend die Verantwortung tragen soll.

"Wir gehören in die Bundesliga"

Für den künftigen MSV-Trainer ist die Zielvorgabe unabhängig von seinem Namen klar definiert. Hellmich: "Wir gehören mit unserem Potenzial zurück in die Bundesliga."

Vor dem Hintergrund dieses Selbstverständnisses auch bei den Fans ist Bommer letztlich gescheitert. Zwar erhielt der 51-Jährige von Hellmich trotz des Erstliga-Abstiegs einen Vertrag bis 2010 und konnte die Mannschaft vor Saisonbeginn für 15 Millionen Euro für das Projekt Wiederaufstieg verstärken.

Doch der Anhang hatte Bommer den neuerlichen Sturz aus der Eliteklasse nie verziehen.

Rauswurf nicht mehr abzuwenden

Schon vor dem Spiel gegen Ahlen zeigten tausende MSV-Anhänger dem Coach mit bemalten Papptafeln die "Rote Karte".

Bommers Rauswurf wäre wohl selbst durch eine Vermeidung der zweiten Heimpleite nicht mehr zu verhindern gewesen.

Der Kapitän sieht es nüchtern

MSV-Boss Walter Hellmich, der die direkte Bundesliga-Rückkehr nach dem vierten Spiel ohne Sieg in Folge und dem Sturz auf den zehnten Tabellenplatz akut gefährdet sah, fühlte sich denn auch regelrecht zum Trainer-Wechsel gezwungen.

"Rudi Bommer hat es auch nicht mehr geschafft, dem Team die Impulse zu geben, die es nach vorne bringen", erklärte er: "Mit ihm konnten wir unsere Ziele nicht mehr erreichen."

Die Spieler reagierten gleichmütig auf Bommers Ablösung. Kapitän Ivica Grlic konstatierte nur nüchtern: "Wir haben schlecht gespielt, und da ist es normal, dass der Trainer das schwächste Glied in der Kette ist."

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