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Andreas Rettig ist seit 1. Juli 2006 als Manager beim FC Augsburg tätig © getty

Der Manager des FC Augsburg verrät bei SPORT1, warum die Schwaben Hertha BSC schlagen. Außerdem spricht er über die kurze Krise.

Von Tobias Hlusiak

München - Der FC Augsburg eilt in der Zweiten Liga von Erfolg zu Erfolg.

Sieben der vergangenen acht Partien gewann das Team von Trainer Jos Luhukay und ist damit vor dem Hinrundenabschluss gegen Hertha BSC (Sa., ab 12.45 Uhr im LIVE-TICKER) sechs Tore vor den Berlinern.

Schon in der vergangenen Saison waren die Schwaben nah am Aufstieg in die Bundesliga, scheiterten nach einer überragenden Rückrunde jedoch in den Relegationsspielen am 1. FC Nürnberg.

Die Erfolgsgeschichte des FCA ist ganz eng verbunden mit dem Namen Andreas Rettig, der nicht nur den niederländischen Coach nach Augsburg gelockt hat.

Im Interview mit SPORT1 spricht der Manager über die Gründe für den jüngsten Aufschwung, das Heimspiel gegen den Liga-Favoriten, das Pokal-Duell mit Schalke 04 und einen umworbenen Stürmer.

SPORT1: Herr Rettig, das Spiel gegen Hertha steht an. Fühlt sich das schon ein bisschen nach Bundesliga an?

Andreas Rettig: Was die Beteiligung von Hertha und die Atmosphäre in unserem wunderschönen Stadion angeht, mit Sicherheit. Ob wir unseren Anteil leisten können, wird man sehen.

SPORT1: Wie groß ist die Bedeutung des Spiels im Hinblick auf den Aufstieg?

Rettig: Das Spiel hat mehr einen psychologischen Effekt. Es gibt auch nur drei Punkte - genau wie gegen Ingolstadt oder Paderborn. Allerdings ist es für die Mannschaft ein mentaler Vorteil, die die Partie für sich entscheidet. Man geht dann als Tabellenführer in die Winterpause. Von daher ist das schon etwas anderes als eine Begegnung am fünften Spieltag.

SPORT1: Ist es ein Duell auf Augenhöhe oder sehen Sie die Hertha ein Stück weit in der Favoritenrolle?

Rettig: Nicht ein Stück weit, sondern klar. Um auf Augenhöhe mit Hertha zu kommen, müssen wir uns auf die Zehenspitzen stellen.

SPORT1: Was macht Sie dennoch optimistisch, die Hertha zu packen?

Rettig: Unsere gute Verfassung, der wirklich außergewöhnliche Teamgeist und der Heimvorteil.

SPORT1: Was ist der Unterschied zwischen dem aktuellen FC Augsburg und dem, der im Sommer knapp am Aufstieg gescheitert ist?

Rettig: Es gibt in erster Linie viele Gemeinsamkeiten. Wir haben leider - damals wie heute - eine Reihe hochkarätiger Verletzter. Wir haben eine tolle Rückrunde 2009/10 gespielt, mit 34 Punkten. Jetzt haben wir mit 32 Punkten auch eine außergewöhnliche Hinrunde gespielt. Wenn man das zusammenzählt, würden 66 Punkte den Aufstieg bedeuten. Leider verteilen die Punkte sich auf zwei Spielzeiten. Ich erkenne mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede.

SPORT1: Im Herbst hatte Augsburg vier Niederlagen hintereinander kassiert. Rückblickend betrachtet: Was ist da schief gelaufen?

Rettig: Das war eine Mischung aus einem Schuss Selbstzufriedenheit und Verletzungspech. Wir waren nach dem vierten Spieltag Tabellenführer. Dann haben einige geglaubt, das läuft so weiter. Allerdings läuft in der Zweiten Liga nichts von alleine. Das musste die Mannschaft schmerzlich erfahren, als wir in fünf Spielen nur einen Punkt geholt haben. Das war natürlich eine katastrophale Ausbeute. Aber es zeugt am Ende auch vom Charakter dieser Mannschaft, dass sie sich aus eigener Kraft aus dieser Lage befreit hat.

SPORT1: Was war der Schlüssel, um aus dem Tief wieder herauszukommen?

Rettig: Das Trainerteam hat perfekt reagiert und ist nicht in Populismus verfallen. Ich erinnere mich daran, dass wir einige Male um sieben Uhr morgens trainiert haben, als einige Spieler noch nicht richtig aus ihren Augen schauen konnten. Wir haben teilweise drei Mal am Tag trainiert. In dieser Zeit ist die Mannschaft zusammengewachsen. Wir als Verein haben während der Durststrecke keinen Zweifel an der Qualität von Jos Luhukay aufkommen lassen. Wir haben ihm sogar nach der vierten Niederlage eine Vertragsverlängerung angeboten. Es war in dieser Phase ein großer Zusammenhalt spürbar. Das hat sich ausgezahlt.

SPORT1: Ist das Team an der verlorenen Relegation gewachsen - und ist das womöglich der Schlüssel, dass es diesmal gelingt?

Rettig: Da möchte ich nicht zuviel reininterpretieren. Das ist abgehakt. Die Erinnerung ist schmerzlich, aber auch nicht mehr.

SPORT1: An Stürmer Stephan Hain soll Mainz dran sein. Wie lange ist so ein talentierter Spieler für Augsburg haltbar?

Rettig: Stephan hat wirklich eine fantastische Entwicklung genommen. Der Trainer hat ihn dabei sehr unterstützt. Man muss kein Fußball-Experte sein, um zu wissen, dass seine Leistungen auch außerhalb von Augsburg registriert werden. Stephan braucht aber Nestwärme. Deshalb bin ich optimistisch, dass er seinen Vertrag verlängert. Wir möchten das gerne schon vor dem Rückrundenstart finalisieren.

SPORT1: Ist der Aufstieg die Voraussetzung, um solche Spieler zu halten?

Rettig: Das wissen wir ja erst im Mai. Bis dahin ist ganz sicher eine Entscheidung gefallen.

SPORT1: Am Dienstag geht es im Pokal gegen Schalke 04. Was rechnen Sie sich aus?

Rettig: Ich glaube nicht, dass wir hoch gewinnen. Wenn wir zehn Mal gegen Schalke spielen, werden wir neun Mal verlieren. Wenn Schalke das Spiel ernst nimmt. Vielleicht ist am Dienstag das zehnte Mal.

SPORT1: Letztes Jahr endete der Augsburger Lauf erst im Halbfinale. Ist so etwas noch einmal drin?

Rettig: Das wird sehr schwer!

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