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Den Münchner Löwen steht der endgültige Abschied aus dem Profifußball bevor © imago

Die Schuldenlast des TSV 1860 ist größer als angenommen. Dem Münchner Zweitligisten droht der Absturz in den Amateurfußball.

Von Marc Ellerich

München - Die vorweihnachtliche 0:1-Niederlage des TSV 1860 München gegen Paderborn setzte der Misere die Krone auf, doch letztlich dürfte die Pleite im letzten Zweitliga-Spiel vor der Winterpause die "Löwen" nur wenig bekümmert haben.

Angesichts der schlimmen Nachrichten, die am Wochenende durch die "Süddeutsche Zeitung" übermittelt wurden, wirkte der Verlust der drei Punkte gegen die Ostwestfalen geradezu wie eine Lappalie.

Schon vor den jüngsten Hiobsbotschaften ging es für den Münchner Traditionsverein von der Grünwalderstraße um die nackte Existenz. Nun ist der Klub, der 1966 den Deutschen Fußballmeister hervorbrachte, offenbar noch einen Schritt weiter. (DATENCENTER 2. LIGA: Ergebnisse und Tabelle)

Ohne ein Wunder, so scheint es, ist für die Münchner der tiefe Fall in den Amateurfußball nicht mehr zu verhindern.

SZ: Acht Millionen Euro Schulden

Dass die Blau-Weißen der Deutschen Fußball-Liga 5,3 Millionen bis Mitte Januar an liquiden Mitteln nachweisen müssen, war vor wenigen Tagen bekannt geworden. Schlimm genug für den Verein, der enorme Altlasten aus seiner oft überambitionierten Vergangenheit zu stemmen hat.

In den Münchner Medien wurde in den letzten Wochen von einem zehnprozentigen Gehaltverzicht der kompletten Belegschaft einschließlich der Profi-Abteilung berichtet. Personelle Härtefälle, wie der des gekündigten Teammanagers Robert Hettich, schafften es in die Schlagzeilen.

Doch derlei Maßnahmen zielen allenfalls auf die Außenwirkung ab, das Unglück der Löwen verbessern sie kaum. Denn offenbar ist alles noch viel schlimmer für die Sechziger. Laut "SZ" sollen 1860 zudem acht Millionen Euro Schulden belasten, doppelt soviel wie bisher bekannt.

DFL fordert Millionen

Damit nicht genug, kommen 2011 weitere Zahlungsverpflichtungen auf den taumelnden Klub zu. Offenbar muss 1860 bis zum Juni des kommenden Jahres insgesamt mehr als achteinhalb Millionen aufwenden, um den Lizenzauflagen der DFL Genüge zu tun.

"8,681 Millionen Euro Mittelzufluss muss zur Finanzierung des Spielbetriebes uneingeschränkt und in voller Höhe bis zum 30.6.2011 zur Verfügung stehen", zitierte die renommierte Zeitung aus einem DFL-Urteil gegen die Münchner.

Und nach dem 30.6.2011, so die SZ, würden weitere 4,332 Millionen Euro fällig.

Otto Steiner, Aufsichtsratschef der Sechziger, stellte angesichts der alarmierenden Zahlen fest: "Allein bis Juni nächsten Jahres sind die Liquiditätserfordernisse höher" als die bisher berichteten 5,3 Millionen Euro: "Das ist definitiv so."

Sieben Punkte Abzug?

Und Steiner räumte noch eine Tatsache ein, welche die interessierte Öffentlichkeit bisher allenfalls vermutet hatte: Sechzig habe bereits seit dem Abstieg 2004 auf Pump gelebt.

Angesichts solchen Risiko-Handelns sowie der drückenden Schuldenlast war es kaum verwunderlich, dass der Zusammenbruch bei 1860 Ende Oktober erst in letzter Sekunde abgewendet werden konnte.

Im Januar geht es für den Tabellen-Neunten der Zweiten Liga erneut um Alles oder Nichts. Kommt 1860 den DFL-Auflagen nicht nach, droht dem Verein laut SZ zumindest ein Abzug von sieben Punkten. Was sich nicht nur in der Tabelle gravierend auswirken könnte, sondern die Münchner wohl um den letzten Rückhalt bei Banken und Investoren brächte.

Fieberhafte Investorensuche

Der Klub, allen voran Vize-Präsident Dieter Schneider und Geschäftsführer Robert Schäfer, ist sich der Bedrohung längst bewusst und setzt in der dramatischen Situation auf absolute Offenheit gegenüber seinen Gläubigern.

Es lägen nun alle Fakten auf dem Tisch, beteuerte Aufsichtsratschef Steiner.

Zum zweiten versuchen die Löwen mit aller Kraft einen oder mehrere Geldgeber aufzutreiben, die helfen wollen, den Verein vor dem Untergang zu retten. Verkäufe eigener Talente, bereits in der Vergangenheit häufig das Mittel der Wahl bei 1860, helfen dem Zweitligisten längst nicht mehr aus der Bredouille.

Allein viel Geld und eine Menge guter Wille von außen können 1860 retten, wie Steiner einräumen musste: "Ohne Investoren ist eine Sanierung schwer möglich."

"Es gibt eine Chance"

Er glaubt dennoch, dass der Profi-Verein überleben könnte, nicht nur weil Banken, Investoren und auch der mächtige FC Bayern, dem 1860 viel Geld für die Miete der Allianz-Arena schuldet, mit den "Löwen" derzeit noch glimpflich umgingen.

"Es gibt eine Chance", sagte Steiner in der SZ: "Wenn wir durch dieses Nadelöhr kommen. Dann haben wir die Chance, den Verein bis 2013 zu gesunden." Auf 50:50 beziffert er die Wahrscheinlichkeit auf eine Rettung des Krisenklubs.

Allerdings weiß auch Steiner, dass seinen Sechzigern die Zeit immer schneller davon läuft. "Wir brauchen konkrete Ergebnisse in den nächsten vier Wochen."

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