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Stefan Beinlich war in der Bundesliga 76-mal für Hansa Rostock am Ball © getty

Stürmische Zeiten bei Hansa Rostock. Nun spricht Stefan Beinlich über Fehler der Vergangenheit und die Zukunft des Vereins.

Von Katrin Freiburghaus

München - Als Frank Pagelsdorf am vergangenen Wochenende wehmütig Abschied von den Hansa-Fans nahm, ahnte er vermutlich bereits, dass es ein Abschied für ziemlich lange sein würde.

14 Punkte nach zwölf Spieltagen waren für die selbsterklärten Aufstiegsaspiranten von der Ostsee einfach zu wenig.

Das sieht auch ein alter Wegbegleiter von Pagelsdorf nicht anders.

Stefan Beinlich spielte von 1994 bis 1997 unter "Pagel" für die Hanseaten und sagte beim DSF über seinen Ex-Coach: "Ihn trifft als Cheftrainer natürlich eine Mitschuld."

Umbruch verschlafen

Beinlich machte aber nicht allein den Trainer für die sportliche Talfahrt verantwortlich, sondern nahm auch Spieler und vor allem die Vereinsführung in die Pflicht.

Man habe die Zeichen der Zeit nach dem Abstieg in der vergangenen Saison nicht erkannt.

"Ich glaube, man hätte einen Umbruch starten müssen. Eine Krise ist ja immer auch eine Chance zum Neuanfang", sagte der 36-Jährige.

"Man hätte neu starten müssen"

"Nach so einer Saison sollte man alles kritisch hinterfragen und natürlich gucken, wer uns in der neuen Saison weiterbringt", sagte er weiter.

Sollte sich in Rostock in den kommenden Monaten nichts Außergewöhnliches tun, müssen sich die Verantwortlichen angesichts des aktuell zwölften Tabellenplatzes wohl an den Gedanken gewöhnen, im Sommer erneut eine Zweitliga-Saison zu planen.

"Man hätte sich damals zusammensetzen und einen kompletten Neuanfang starten müssen", monierte Beinlich.

Viel Lob für Doll

Wer das in seiner Funktion als künftiger Trainer nachholen muss, steht noch nicht fest. Beinlich hält Thomas Doll aber für eine geeignete Alternative.

"Sicherlich würde er passen. Er kommt aus der Region, hat einige Jahre für Rostock gespielt und die gesamte Nachwuchsschule durchlaufen", sagte er.

Und: "Ich habe ihn in Hamburg erleben dürfen und er ist aus meiner Sicht ein sehr guter Trainer. Qualität können wir in Rostock immer gebrauchen."

Beinlich will Verantwortung übernehmen

Dass Beinlich bei zukünftigen Rostocker Entscheidungen behilflich sein könnte, ist nicht auszuschließen.

Der ehemalige Mittelfeldspieler, der zuletzt ein Praktikum beim Hamburger SV absolvierte, machte zumindest keinen Hehl aus seiner nach wie vor engen Bindung an den Klub.

"Deswegen bin ich ja in Rostock geblieben und habe mich weitergebildet. Ich möchte diesen Verein in verantwortlicher Position weiterbringen", erklärte Beinlich.

Angebot abgelehnt

Ein Angebot der Rostocker, als Teammanager zu fungieren, hatte er im Sommer ausgeschlagen, weil es mit seinen Vorstellungen von konstruktiver Mitarbeit nicht vereinbar gewesen war.

Damals hatte Beinlich die Funktionäre des Vereins scharf attackiert ("Es geht einigen nicht um den FC Hansa, sondern um sich selbst") und heftige Reaktionen hervorgerufen.

"Rostock gehört nicht in die Zweite Liga"

Über mögliche Ziele der Hanseaten gibt es für Beinlich dennoch keine Diskussion: "Ich glaube, dass Hansa Rostock nicht in die Zweite Liga gehört."

Das Potenzial für die Bundesliga sei mit dem neuen Stadion sowie den hervorragenden Bedingungen für Nachwuchsspieler jedenfalls vorhanden. "Jetzt muss man das vorhandene Potenzial auch ausschöpften", forderte der fünfmalige Nationalspieler.

Dass dies bei Hansa vorhanden ist, kann ein junger Mann namens Toni Kroos bezeugen: Das Bayern-Juwel trainierte von 2002 bis 2006 im hohen Norden ? bei Hansa Rostock.

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