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Berkant Göktan spielte in der Jugend für den Stadtrivalen FC Bayern München © imago

1860 München ehrt seine U-19-Europameister. Berkant Göktan freut sich bei Sport1.de über die Rückkehr Benjamin Lauths, dämpft aber die Erwartungen an die neue Saison.

Von Matthias Becker

München - Vielleicht war es nur Zufall, dass Berkant Göktan am Mittwochabend als letzter Spieler den Rasen des Grünwalder Stadions in München-Giesing verließ.

Es könnte aber auch gut sein, dass er den fast 10.000 Fans, die zum "1. Giesinger Heimatabend" des TSV 1860 München gekommen waren, noch einmal zeigen wollte: "Seht her, da bin ich. Vergesst mich nicht."

An einem Abend, an dem sich die "Löwen" und der ebenfalls sehr traditionsbewusste 1. FC Kaiserslautern ein mäßiges Testspiel lieferten, gaben sich Vergangenheit und Zukunft des TSV 1860 immer wieder die Hand.

Göktan, bis zuletzt der große Publikumsliebling bei den Sechzigern, bekam schon einen Vorgeschmack darauf, dass er sich die Liebe der Fans in Zukunft mit dem heimgekehrten Stürmerkollegen Benjamin Lauth zumindest teilen muss.

"Man muss Benny etwas Zeit geben"

Immerhin müssen beide sich nicht um einen Stammplatz balgen. Im 4-4-2-System, dass Löwen-Trainer Marco Kurz am Mittwoch spielen ließ, ist Göktan eher hinter den Sturmspitzen positioniert.

Auch deshalb zeigt er sich über die Verpflichtung von Lauth, der es bei den Sechzigern im Jahr 2003 bis zum Nationalspieler brachte, erfreut. Vor übertriebenen Erwartungen an den Sturmkollegen warnt er aber.

"Von seinen Fähigkeiten her ist Benny sehr gut, da muss man ihm jetzt etwas Zeit geben, das geht nicht innerhalb von ein paar Wochen. Wir werden uns in den nächsten Wochen noch besser kennen lernen und dann werden sich auch noch bessere Spielzüge ergeben", sagt Göktan im Gespräch mit Sport1.de.

Das "A-Wort" auf dem Index

Auch was das Saisonziel der Löwen angeht, versucht der gebürtige Münchner den Ball flach zu halten.

"Wir wollen unsere Ziele jetzt nicht schon von Anfang an nach oben setzen. Wichtig ist, dass wir uns von Spiel zu Spiel steigern", erklärt Göktan und hofft, "dass alle Spieler gesund bleiben und wir dieses Jahr eine konstante Saison spielen."

In der vergangenen Spielzeit brach bei den Löwen nach einem starken Saisonstart und der zwischenzeitlichen Tabellenführung schon wieder die Aufstiegseuphorie aus. Am Ende kam man als Elfter mit nur drei Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz ins Ziel. Auch deshalb steht das Wort "Aufstieg" bei Trainer Kurz auf dem Index.

Jubel für Helden von früher und heute

Veranstaltungen wie der "Heimatabend" sind aber nicht dazu angetan, die große Fangemeinde und das Umfeld zur Bescheidenheit zu mahnen.

Vor Spielbeginn präsentierten Protagonisten der Meisterelf von 1966 den Anhängern stolz die Meisterschale, die Aufstiegshelden von 1994 ließen sich feiern und die vier U-19-Europameister aus der Talentschmiede der Löwen wurden mit stehenden Ovationen gefeiert.

Da bekamen die jungen Talente wie Timo Gebhart oder die Bender-Zwillinge an historischer Stätte gleich einmal vorgeführt, was in Zukunft von ihnen erwartet wird.

Last der Erwartungen beschränken

Aufgabe von Kurz und auch des neuen Löwen-Präsidenten Rainer Beeck wird es nun sein, dafür zu sorgen, dass die Last der Erwartungen nicht zu groß wird.

Allerdings ist auch Beeck bewusst: "Der Aufstieg in die Bundesliga ist langfristig unser Ziel, da kommen wir nicht drum herum."

Nun muss er den Fans möglichst schonend nahe bringen, dass bis zur Rückkehr in die Bundesliga und zu den großen Erfolgen der Vergangenheit noch ein paar Jahre ins Land gehen könnten.

Arena als Zuhause, Grünwalder als Heimat

Dass er sich mit den Befindlichkeiten der Anhänger gut auskennt, hat der Präsident allerdings schon bewiesen.

Schließlich sang auch am Mittwoch eine nicht gerade kleine Fan-Gruppe vom "Grünwalder Stadion" und forderte zur Melodie der Stadionhymne "Seven Nation Army", ihr Klub solle "Raus aus der Arena".

Das dies im Hinblick auf eine Zukunft im Profi-Fußball quasi ausgeschlossen ist, brachte Beeck dem Umfeld mit einem Satz bei, der Vergangenheit und Zukunft optimal miteinander verknüpft: "Die Arena ist unser Zuhause, das Grünwalder unsere Heimat."

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