vergrößernverkleinern
Juri Schlünz spielte von 1979 bis 1994 aktiv in der ersten Mannschaft von Hansa Rostock © getty

Das dritte Mal springt Juri Schlünz in Rostock als Interimscoach ein - wenn auch wider Willen, wie er im Sport1.de-Interview zugibt.

Von Christian Paschwitz

München - 9:0 gegen Koblenz - dann ging's nur noch abwärts. Zwei Pleiten und zwei Unentschieden im Anschluss bescherten Frank Pagelsdorf den Rauswurf bei Hansa Rostock.

Beim selbsterklärten Aufstiegsaspiranten soll es nun vorerst wieder Juri Schlünz richten.

Der Mann, der zum dritten Mal in die Bresche springt und an der Ostsee auch schon Chefcoach war (Oktober 2003 bis November 2004), ist allerdings Interimstrainer wider Willen.

Vor dem Spiel beim 1. FC Kaiserslautern (ab 20 Uhr LIVE ) stellt der 46-Jährige im Interview mit Sport1.de klar: "Es steht zu 100 Prozent fest, dass ich nicht weitermachen werde."

Sein Nein zum Posten auf der Rostocker Bank schließt ein Trainer-Engagement bei einem anderen Verein jedoch nicht aus.

Sport1.de: Herr Schlünz, täuscht der Eindruck, dass Sie eigentlich gar nicht Interimstrainer bei Hansa sein wollen?

Juri Schlünz: Nein. So wie es jetzt ist, ist es sicherlich nicht meine Wunschvorstellung. Aber weil es die Situation nun erfordert und ich das schon zweimal gemacht habe, mache ich es eben noch einmal.

Sport1.de: Könnte Ihnen ein drittes Mal Hansa-Trainer nicht vielleicht doch Spaß machen?

Schlünz: Ich habe von Anfang an gesagt, dass es nur für eine begrenzte Zeit ist und dass ich diese Sache nicht weitermachen werde.

Sport1.de: Die Frage ist nur, wie man Interimslösung definiert. Eine Trainersuche kann ja durchaus mal länger dauern als nur ein paar Wochen?

Schlünz: Es soll so schnell wie möglich gehen. Aber Hansa hat die Variante mit mir natürlich auch gewählt, damit wir nicht so sehr unter Druck stehen. Aber es soll sich nicht über etliche Wochen erstrecken.

Sport1.de: Und das heißt?

Schlünz: Dass es sich in diesem Jahr noch erledigen wird.

Sport1.de: Und dass Sie auch wirklich nicht noch mal ins Grübeln kommen?

Schlünz: Es ist ja so, dass man sich im Fußball niemals festlegen sollte, weil man das dann irgendwann wieder hinter die Ohren bekommt. Aber in diesem Fall steht zu 100 Prozent fest, dass ich es nicht machen werde.

Sport1.de: Warum nicht?

Schlünz: Weil ich seit 16 Monaten in der Nachwuchsarbeit tätig bin. Ich bin nicht mehr Trainer auf dem Platz. Ich bin verantwortlich für 180 Jugendliche, für elf Mannschaften. Wir haben dabei bisher viele Dinge erreicht und wollen weiter ein guter Ausbildungsverein sein. Das macht mir einfach Spaß. Da kann ich Sachen verwirklichen, die ich schon immer machen wollte. Ich habe als Spieler nebenbei sechs Jahren Sport studiert und wollte immer mit Jugendlichen zusammenarbeiten.

Sport1.de: Es ist dann aber zunächst anders gekommen.

Schlünz: Dass ich sieben Jahre Co-Trainer war, ein Jahr Cheftrainer, das war eben so. Das hatte sich so entwickelt. Aber es war nicht mein Ziel.

Sport1.de: Wir sehen Sie also niemals wieder auf der Trainerbank eines deutschen Profiklubs?

Schlünz: Im Moment habe ich meine Aufgabe in Rostock. Aber was die Zukunft bringt, weiß ich nicht. Vielleicht bin ich in fünf Jahren irgendwo anders Trainer. Aber bei Hansa Rostock in näherer Zeit bestimmt nicht noch einmal. Ich mache das jetzt übergangsweise, dann werde ich mich wieder zurückziehen.

Sport1.de: Wie sieht Ihre Arbeit unter solchen Vorzeichen aus?

Schlünz: Das Allerwichtigste ist, dass ein geordneter Trainingsprozess fortgeführt wird. Dass die Spieler wissen: Da ist jemand, der weiß, wovon er spricht. Ich führe viele Gespräche, um herauszubekommen, warum es zu dieser Situation kommen konnte. Man muss den Spielern auch mitgeben, dass sie hauptsächlich daran Schuld tragen - und eben nicht eine einzelne Person, die dann ja immer der Trainer ist.

Sport1.de: Sie finden es also falsch, dass Pagelsdorf gehen musste?

Schlünz: Mir ist das heutzutage viel zu einfach, gleich den Trainer auszutauschen. Vor zehn, 15 Jahren war's noch etwas Besonderes. Heute wird sofort nach zwei schlechten Spielen der Trainer in Frage gestellt. Und damit liefert man den Spielern auch immer wieder Alibis.

Sport1.de: Was erwarten Sie von Ihren Spielern nun?

Schlünz: Dass sie als Einheit auftreten und vernünftig dagegenhalten. Es sind gute Spieler dabei, aber sie müssen es auch zeigen. Vor allem auch auswärts. Wenn in Kaiserslautern nur drei Mann ihre Normalform bringen, dann reicht das auch in der Zweiten Liga nicht. Zumal unser Kapitän Martin Retov auch noch bei der dänischen Nationalmannschaft ist.

Sport1.de: Und was erwarten Sie vom Gegner?

Schlünz: Die Stimmung auf dem Betzenberg ist einmalig. Kaiserslautern ist gut gestartet und heimstark, gehört zu den Topteams. Wir müssen uns auf ein echtes Kampfspiel gefasst machen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel