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Markus Babbel hat mit Hertha BSC 13 von 20 Ligaspielen gewonnen © getty

Im SPORT1-Interview spricht Hertha-Coach Babbel über Berlins Flair, das Derby gegen Union und die Rolle als FC Bayern der Liga.

Von Maik Rosner

München - Wie selbstverständlich thront Hertha BSC an der Spitze der Zweiten Liga.

Selbst eine Schwächephase mit vier Niederlagen in fünf Partien Ende der Hinrunde brachte die Hauptstädter nur kurz aus dem Tritt.

Nach drei Siegen in Folge zum Rückrundenstart liegen die ärgsten Verfolger aus Augsburg, Bochum und Aue vor dem mit Spannung erwarteten Derby gegen Union Berlin (Sa., ab 12.45 Uhr im LIVE-TICKER) schon fünf Zähler hinter dem Krösus des Unterhauses. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Verantwortlich für die jüngste Erfolgsgeschichte der "Alten Dame" ist nicht zuletzt Trainer Markus Babbel. Er sorgte gemeinsam mit Michael Preetz dafür, dass trotz des Abstiegs zahlreiche Leistungsträger in Berlin blieben und verstärkte den Kader gezielt.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Im SPORT1-Interview spricht Babbel über Herthas Rolle in der Liga, das anstehende Stadtduell und die reinigende Wirkung des Abstiegs. Außerdem macht sich der Coach Sorgen um den VfB Stuttgart.

SPORT1: Herr Babbel, drei Siege in drei Spielen zu Beginn der Rückrunde: Ist das für Sie ein Start nahe an der Perfektion?

Markus Babbel: Von der Punkteausbeute auf alle Fälle. Im Spiel selber haben wir allerdings noch Luft nach oben. Aber die Mannschaft will, ist konzentriert und arbeitet gut. Das sind Zeichen, die mir sehr gut gefallen.

SPORT1: Kann man die jüngste Serie bereits als Grundlage für die Bundesliga-Rückkehr bezeichnen?

Babbel: Ich habe immer gesagt, dass wir unsere Hausaufgaben machen müssen. Und da sind wir ganz klar drei Schritte in die richtige Richtung gegangen. Jetzt gilt es, dran zu bleiben.

SPORT1: Zuletzt beim 3:1-Sieg in Bielefeld hatte man den Eindruck, es spielen zwei Mannschaften aus unterschiedlichen Klassen gegeneinander. Lag das eher an der Schwäche der Arminia oder an der Stärke der Hertha?

Babbel: Wir haben in der ersten Halbzeit eine sehr konzentrierte Leistung abgeliefert. Aber wir haben in der zweiten Halbzeit wieder einmal den Faden ein bisschen verloren. Das ist das, was mich stört: Dass wir es nicht schaffen, das Spiel frühzeitig zu entscheiden, das Spiel zu killen. Daran müssen wir arbeiten.

SPORT1: Woran liegt es, dass Ihre Mannschaft nicht über 90 Minuten konstant spielt?

Babbel: Das ist ein Stück weit normal, menschlich, wenn man sieht, dass es läuft. Wir müssen uns darin verbessern, unsere Chancen eiskalt zu nutzen. Da waren wir bisher immer noch nicht kalt genug und mussten deshalb einen relativ hohen Aufwand betreiben. Das ist ein Prozess, das geht nicht von heute auf morgen. Aber das kommt!

SPORT1: In der Hinrunde gab es nach einem guten Start eine zwischenzeitliche Schwächephase. Wie lässt sich das in der Rückrunde vermeiden?

Babbel: Ich hoffe, dass wir aus dieser Negativserie gelernt haben. So etwas darf es nicht noch einmal geben. Es muss uns eine Lehre sein, dass gerade wir nichts geschenkt bekommen. Wir sind die Mannschaft, die am härtesten für die Erfolge arbeiten muss. Egal, gegen wen wir spielen, wir treffen auf Gegner, die höchst motiviert sind. Die über ihre Verhältnisse gehen und 120 Prozent geben.

SPORT1: Das klingt ein bisschen nach Bayern München der Zweiten Liga.

Babbel: Es wäre schön, wenn es irgendwann mal dazu käme. Nur haben wir die Mentalität noch nicht - können wir ja auch noch gar nicht haben. Bayern München hat sich das über Jahrzehnte antrainiert. Wir haben zunächst mal ein Negativerlebnis zu verarbeiten gehabt, haben eine nahezu komplett neue Mannschaft zusammengestellt. Da sind wir auf dem richtigen Weg, aber das ist ein Prozess, der noch andauert. Wir haben noch 14 schwierige Aufgaben vor uns. Aber ich bin überzeugt: Wenn wir es schaffen, konzentriert zu bleiben, dann wird sich unsere Qualität durchsetzen.

SPORT1: Nun geht es im Berliner Derby gegen Union. Taugt das Spiel wegen der Brisanz zum echten Gradmesser für die Stabilität Ihrer Mannschaft?

Babbel: Sicherlich. Wir wissen, dass ein extrem schwieriges Heimspiel vor der Tür steht, weil es ein Derby ist. Andererseits werden wir ein volles Haus haben. 10.000 Union-Fans und ein paar mehr werden zwar dabei sein, aber der Rest ist für uns. Das muss Ansporn genug sein, um alles abzurufen. Das war ja auch eines unserer Ziele, in der zweiten Liga ein ausverkauftes Haus zu bekommen. Das haben sich die Jungs erarbeitet. Jetzt gilt es mit Lockerheit, Selbstbewusstsein und Konzentration an die Aufgabe zu gehen.

SPORT1: Von hinten drängt vor allem der VfL Bochum nach vorne. Ist der andere Bundesliga-Absteiger nun der Hauptkonkurrent für Sie?

Babbel: Ich kümmere mich eigentlich weniger um andere Mannschaften. Wir haben jetzt einen glänzenden Start hinbekommen, es liegt nur in unserer Hand. Das ist eine wunderbare Ausgangsposition. Es sind aber sicher nicht nur Bochum oder Augsburg, die das Zeug haben, oben mitzumischen.

SPORT1: Hat der Abstieg der Hertha aus Ihrer Sicht eine reinigende Wirkung auf den Verein gehabt?

Babbel: Jeder Schaden muss einen Nutzen haben. Wir haben es geschafft, eine gute Truppe zusammenzustellen, die das lebt und mit trägt. Und es war wichtig, auch wieder ein Stück Demut zu bekommen und sich mal - egal was man tut - auch zu hinterfragen.

SPORT1: Mussten Sie sich eigentlich sehr umstellen in Berlin? Ein anderes Flair als in Süddeutschland in München oder Stuttgart ist es ja schon.

Babbel: Das war am Anfang wirklich etwas gewöhnungsbedürftig. Berlin ist schon besonders. Zum Beispiel die Medien. So extrem habe ich das auch noch in keiner Stadt, bei keinem Verein erlebt. Es ist halt in Berlin alles anders - positiv oder negativ. Es gibt keine Grautöne, nur schwarz oder weiß.

SPORT1: Ein ähnliches Schicksal wie Ihrer Mannschaft in der Vorsaison droht nun Ihrem vorherigen Team des VfB Stuttgart. Sehen Sie Parallelen zur Hertha?

Babbel: Es ist sicherlich kein Zufall, dass es jedes Jahr die gleichen Probleme gegeben hat. Bloß dass man es diesmal nicht schafft, einen Lauf hinzubekommen, wie damals unter mir oder danach bei Christian Gross. Es sind viele Faktoren, warum es nicht funktioniert. Fakt ist: Die Qualität ist da. Die Frage ist: Was ist mit der Mentalität? Es auf den Trainer zu schieben, ist immer relativ einfach. Die Spieler müssen sich auch hinterfragen.

SPORT1: Werden Sie dem Verein Ihrer ersten Trainerstation in der kommenden Saison in der Bundesliga begegnen?

Babbel: Ich würde mich wahnsinnig darüber freuen. Ich hatte fünf wunderbare Jahre bei VfB. Ich bin dem Verein auch sehr dankbar, dass ich dort als Trainer Fuß fassen konnte. Wenn ich dann kommende Saison im neuen Stuttgarter Stadion auflaufen dürfte, wüsste ich: Der VfB hat's geschafft.

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