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Frust: Ewald Lienen löste Christian Ziege als Arminias Trainer ab © imago

Die Hoffnung ist erloschen. Bielefeld plant für die Dritte Liga. Doch ob der Niedergang des Klubs dort gestoppt werden kann?

Von Maik Rosner

München - Kurz vor Weihnachten war noch die Zeit für Wünsche.

Selbstverständlich, sagte Arminias Verwaltungsrat-Chef Alexander Geilhaupt, "ich bin davon überzeugt, dass wir in der Rückrunde mindestens 30 Punkte holen. Wir werden die Rückrunde rocken."

Auch Ewald Lienen machte in Optimismus. "Im Fußball ist alles möglich. Ich bin noch nie in meiner Karriere abgestiegen, und das soll auch so bleiben", sagte der Trainer damals.

Es war ja nett gemeint, ein paar markige Sprüche und viel Zuversicht zu verbreiten.

Doch mittlerweile hat sich auch in Bielefeld die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Absturz wohl nicht mehr zu verhindern sein wird.

Bei Arminia plant man nun für die Dritte Liga, für Spiele gegen den 1. FC Heidenheim und SV Sandhausen.

Schleichender Niedergang

Ein Niedergang, der zunächst schleichend begann und dann dramatische Züge annahm.

Nach der 0:1-Niederlage beim Vorletzten FC Ingolstadt am vergangenen Sonntag haben das auch die letzten Träumer erkannt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Vielleicht müssen wir uns mit dem Gedanken abfinden, dass es doch zu spät ist", räumte Geschäftsführer Ralf Schnitzmeier im Interview mit der "Neuen Westfälischen" ein.

"Der Klub wird durchgerüttelt"

Noch deutlicher wurde Präsidiumsmitglied Hans-Jürgen Laufer: "Am Sonntag ist der Traum vom Klassenerhalt geplatzt." Und er kündigte im Hinblick auf den künftig mehr als halbierten Etat an: "Der Klub wird in der Dritten Liga durchgerüttelt."

Selbst Ingolstadts Trainer Benno Möhlmann zeigte sich ein bisschen betroffen.

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"Wunder gibt es immer mal wieder, aber wetten würde ich auf Arminia nicht mehr. Die Lage ist fast hoffnungslos", sagte der ehemalige Bielefelder Coach.

Mit Anstand will sich die Arminia nun aus der Zweiten Liga verabschieden, ist zu vernehmen.

"Restrisiko" bei Lizenz

Doch ob der Absturz des finanziell schwer angeschlagenen Vereins überhaupt eine Klasse tiefer endet, ist noch offen.

"Es gibt berechtigte Aussichten, dass wir das für die Dritte Liga hinkriegen", sagte Schnitzmeier zur erhofften Lizenzerteilung, räumte aber auch ein: "Ein Restrisiko lässt sich nicht von der Hand weisen."

Sieben neue Spieler - kein Ertrag

Nur durch einen Kraftakt und die Unterstützung durch wichtige Sponsoren war es zuletzt gelungen, den drohenden Lizenzentzug und Konkurs abzuwenden.

Externes Geld wurde zudem bereitgestellt, um gleich sieben neue Spieler in der Winterpause zu verpflichten.

Gebracht hat es nichts, genauso wenig wie der zwischenzeitliche Trainerwechsel von Christian Ziege zu Lienen.

Nur ein Punkt aus vier Spielen in der Rückrunde steht zu Buche - und Arminia vor einem Scherbenhaufen.

Doch Schnitzmeier hofft weiter auf Lienen: "Er identifiziert sich wie keiner seiner Vorgänger mit Arminia. Es wäre ein Glücksfall, wenn er für den Neuanfang zur Verfügung stünde."

Millionengrab Haupttribüne

Dass darüber überhaupt nachgedacht werden muss, hat seine Ursachen in der erfolgreichen Zeit, die noch gar nicht lange zurückliegt. Fünf Jahre lang spielte der Verein zwischen 2004 und 2009 in der Bundesliga, zog zweimal ins Halbfinale des DFB-Pokals ein.

Als damals die neue Haupttribüne gebaut wurde, begann der Abstieg auf Raten. Zunächst sportlich, weil Bielefeld den Klassenerhalt verpasste. Zudem wurde das Bauwerk viel teurer als kalkuliert, die Kosten schnürten dem Klub den Hals zu.

Daran hat sich bis heute nichts geändert, der Schuldenberg ist sogar angewachsen.

Zwischenzeitlich war gar von einem möglichen Absturz in die Tiefen des Amateurfußballs die Rede. Abgewendet ist dieses Szenario noch nicht. Denn ob die Gönner und Gläubiger den Klub weiter unterstützen und dadurch die Lizenz für die Dritte Liga ermöglicht wird, ist mindestens ungewiss.

Verein stoppt Rettungskampagne

Um den sportlichen Absturz zu verhindern, wurde das gesamte Repertoire der Rettungsaktionen mit Trainerwechsel, Kaderumbauten und Finanzspritzen durch Großsponsoren zwar ausgeschöpft.

Doch kein Neuzugang erwies sich als die erhoffte Verstärkung. Arminia steht weiterhin mit acht Punkten abgeschlagen am Tabellenende.

Inzwischen richtet man sich darauf ein, dass das bis Saisonende so bleibt.

In dieser Woche nahm der Verein seine Kampagne "Werdet Helden" zur erhofften Rettung von seiner Internetseite.

Denn vom Heldenstatus sind die Bielefelder Profis weit entfernt. Durch die massiven Umbauten im Kader seit Sommer 2010 haben die Fans inzwischen Schwierigkeiten, zumindest die Hälfte der Spielernamen fehlerfrei zu nennen.

Dauerkarte für zwölf Euro

Dass dennoch mehr als 20.000 Zuschauer zum jüngsten Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin kamen, lag an einer anderen Rettungsaktion. Eine "Karte mit Sieggarantie" hatten die Zuschauer für das erste Heimspiel der Rückrunde gegen den FSV Frankfurt erstanden.

Sie dürfen nun so lange kostenfrei auf die ehemalige Alm, bis Arminia ein Heimspiel gewinnt. Manch ein Fan unter den besonders Treuen auf der Stehplatztribüne glaubt allerdings eher, für zwölf Euro eine Dauerkarte für die Rückrunde erworben zu haben.

Am Sonntag kommt der VfL Bochum nach Bielefeld. Auf Sicht wohl zum letzten Mal.

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