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Uwe Möhrle (l.) wechselte 2008 ablösefrei vom VfL Wolfsburg nach Augsburg © imago

Im Interview mit SPORT1 lässt sich Augsburgs Möhrle zu einer Kampfansage hinreißen. Und er bedauert die Zurückhaltung der Fans.

Von Lars Ellenberger

München - Peter Fox und Uwe Möhrle: Rein äußerlich sehen sich die beiden mit den roten Haaren und dem roten Bart äußerst ähnlich.

Trotzdem hat Uwe Möhrle den Vergleich mit dem Berliner Musiker erstmals von Neuzugang Jan-Ingwer Callsen-Bracker gehört.

Möhrle hat großen Anteil daran, dass der FC Augsburg bisher nur 18 Gegentore kassiert hat, lediglich Fürth ist noch besser. Als Innenverteidiger und Kapitän organisiert er das Spiel des FCA.

Vor dem Spitzenspiel gegen seinen Ex-Verein MSV Duisburg (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) spricht Uwe Möhrle im SPORT1-Interview ganz offen vom Aufstieg.

Herbstmeister? "Das ist zweitrangig"

SPORT1: Herr Möhrle, ärgert es Sie, dass Augsburg nachträglich noch von Erzgebirge Aue als Herbstmeister entthront wurde?

Uwe Möhrle: Das gehört für uns zur Vergangenheit und war ohnehin zweitrangig - deshalb mein Glückwunsch nach Aue.

SPORT1: Blicken wir in die Zukunft: Laut einer Umfrage trauen in Augsburg und Umland dem FCA nur 59 Prozent den Aufstieg zu. Ist das nicht ein bisschen wenig?

Möhrle: Vielleicht sind die Fans noch etwas skeptisch, weil es im letzten Jahr nicht geklappt hat. Aber in der Rückrunde wollen wir noch einige Augsburger eines besseren belehren. Es dauert einfach seine Zeit, bis die Menschen das wahrnehmen. Letztes Jahr haben wir auch erst am Ende der Saison das Stadion vollbekommen.

SPORT1: Stand jetzt können die ersten acht Teams noch aufsteigen. Worauf wird es bis zum Saisonende ankommen?

Möhrle: Man darf sich von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen lassen. Das ist das Wichtigste. Ich denke aber, dass der Aufstieg nicht in den Spitzenspielen entschieden wird. Du musst gegen vermeintliche Abstiegskandidaten die Punkte holen.

SPORT1: In der letzten Saison ist Ihr Team in der Relegation an Nürnberg gescheitert. Ist der FCA jetzt reif für den Aufstieg?

Möhrle: Ja! Wir treten jetzt mehr wie eine Spitzenmannschaft auf, nicht mehr so wild und euphorisch. Dazu kommt, dass wir seit der Krise im Herbst meist mit einer Doppel-Sechs als Absicherung spielen. Wir stehen viel stabiler.

SPORT1: Obwohl der FCA ganz oben dabei ist, ist in den Medien die Hertha Thema Nummer eins. Nimmt das den Druck, wenn alle in erster Linie von den Berlinern den Aufstieg erwarten?

Möhrle: Es fällt uns auch auf, dass wir weniger Medienpräsenz abbekommen. Ich denke, dass die Hertha damit Probleme hat, denn sie spielt nicht so konstant, wie es alle erwarten. Das ist ein Vorteil für uns, weil wir uns dadurch in Ruhe entwickeln können.

SPORT1: Also hätten Sie nichts dagegen, wenn Sie im Schatten der Hertha aufsteigen?

Möhrle: Wir hatten letztes Jahr genug Aufsehen. Wir standen im Pokal-Halbfinale, spielten dann in der Relegation. Am Ende der Saison erlebten wir aber die Riesenenttäuschung. Mir wäre es dieses Jahr umgekehrt deutlich lieber.

SPORT1: Inwiefern ist der Aufstieg in der Kabine ein Thema?

Möhrle: Warum soll es kein Thema sein? Wir haben auf Platz eins überwintert, wir sind mit 40 Punkten auf Platz zwei und haben alles selbst in der Hand. Es ist auf jeden Fall der Wille in der Mannschaft, dass wir es dieses Jahr packen.

SPORT1: Ist es Ihrer Meinung besser, offensiv mit dem Aufstieg umzugehen?

Möhrle: Zumindest haben wir so den Vorteil, dass wir die ganze Saison über mit diesem Druck leben müssen. Wir können ja niemandem verkaufen, dass wir in unserer Situation nur um Platz fünf oder sechs spielen.

SPORT1: Was ist für die Augsburger wichtiger: das Spiel gegen den MSV am Freitag oder eine Woche später das Derby gegen die "Löwen"?

Möhrle: Es gibt für uns nichts Schöneres, als am Freitagabend ein Heimspiel zu haben - ein Topspiel dazu. Daher ist mir das Derby noch relativ egal.

SPORT1: Haben Sie vor dem Spiel mal mit ihrem ehemaligen Teamkollegen Ivica Grlic telefoniert?

Möhrle: Der Kontakt zu Duisburg ist abgebrochen, es sind ja bis auf Ivcia keine Spieler von 2006 mehr da.

SPORT1: Sie sind damals nach Ihrem Duisburger Intermezzo erstklassig geblieben, nach 14 Monaten in Wolfsburg aber dann zum FCA gewechselt. Wie haben Sie sich persönlich entwickelt in dieser Zeit?

Möhrle: Ich hatte ein gutes Jahr in Wolfsburg, habe unter Klaus Augenthaler viel gespielt. Als Felix Magath kam, musste ich zwangsläufig den Verein wechseln. Jetzt bin ich in Augsburg Kapitän einer Spitzenmannschaft. Es ist also nicht so schlecht gelaufen.

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