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Augen zu und durch: 1860-Keeper Philipp Tschauner (l.) nach der Pleite gegen Augsburg © imago

Erst die sportliche, jetzt die wirtschaftliche Krise. Muss der notorisch klamme Zweitligist sein Tafelsilber verscherbeln?

Von Tobias Schneider

München - Der TSV 1860 München kommt einfach nicht zur Ruhe:

Nach dem schwachen Saisonstart befinden sich die Blauen sportlich inzwischen auf einer Berg- und Talfahrt, nun rumort es erneut heftig in der Vereinsführung.

Vize-Präsident Michael Hasenstab, Investmentbanker mit Wohnsitz in London, hatte eine "vertrauliche" E-Mail an den Aufsichtsrat geschickt und vor einem Millionenverlust in der laufenden Saison gewarnt.

Vertraulich ist bei 1860 ein dehnbarer Begriff, kurz darauf zitierte der "Münchner Merkur" aus der E-Mail.

Inhalt: Dem Zweitligisten droht in der aktuellen Saison ein Verlust von rund 2,5 Millionen Euro, über Personalabbau in der Verwaltung und durch Spielerverkäufe soll der Verlust zumindest in Grenzen gehalten werden.

Reuter contra Hasenstab

Nach Bekanntwerden der Hasenstab-Mail schlugen die Wellen hoch.

Manager Stefan Reuter versuchte erst gar nicht, die von Hasenstab kalkulierten Zahlen zu dementieren, im Gegenteil:

Der Manager stimmte dem Vize beim prognostizierten Verlust zu, widersetzt sich aber den von Hasenstab geforderten Sanierungsplänen.

"Wir denken aktuell nicht an Stellenabbau. Das dargestellte Einsparungspotenzial zielt zu mehr als 50 Prozent auf den sportlichen Bereich ab. Das deckt sich überhaupt nicht mit unseren Plänen", widersprach der krisenerfahrene Reuter.

Ohnehin liege es gar nicht im Aufgabenbereich des Vize-Präsidenten, einen Sanierungskatalog zu erstellen:

"Der Auftrag eines Maßnahmenplans vom Aufsichtsrat erging klar an die Geschäftsführung und nicht an den Vizepräsidenten. Da ist Herr Hasenstab vorgeprescht", watschte Reuter den Vize öffentlich ab.

Erlöse sollen steigen

Statt an allen Ecken und Enden den Rotstift anzusetzen, setzt sich Reuter das Ziel, mehr Einnahmen zu generieren.

Beim Verkauf von Business Seats oder Werbeflächen bestehe noch "Luft". Zwar sind die Werbeerlöse im vergleichen zur vergangenen Spielzeit um 500.000 Euro gestiegen, einen positiven Effekt hatte es auf die Bilanz trotzdem nicht.

Denn: Durch den Einbruch der Zuschauerzahlen wurden die zusätzlichen Einnahmen prompt aufgefressen - ein Teufelskreis.

Lösung gefordert

Bis Mitte Dezember hat die Geschäftsführung noch Zeit, dem Aufsichtsrat vorzulegen, welche Maßnahmen zur Bewältigung der Finanzmisere geplant sind.

Ein Stellenabbau in der Verwaltung sowie ein Verkauf von Spielern, wie von Hasenstab gefordert, wäre für den Verein sicher die schmerzhafteste Lösung.

Sollte es dennoch so weit kommen, droht 1860 der Weggang eines ganzen Heers junger Spieler:

U19-Europameister Timo Gebhardt (Spielerporträt) hat nach einer bislang starken Saison Begehrlichkeiten geweckt, auch die Bender-Zwillinge Lars (Spielerporträt) und Sven (Spielerporträt) oder Keeper Philipp Tschauner (Spielerporträt) stehen im Fokus anderer Klubs.

Wie in alten Zeiten

Es wäre nicht das erste Mal, dass 1860 sein Überleben durch Notverkäufe sichert.

2004 spülten die Verkäufe von Benny Lauth und Andreas Görlitz rund 7 Millionen Euro in die leere "Löwen"-Kasse.

Damals sicherte es dem Traditionsklub die Existenz.

Die Jagd ist eröffnet

Unterdessen geht in der "E-Mail-Affäre" die Suche nach der undichten Stelle weiter.

"Wir sind dabei, Indizien zu prüfen", sagte Rainer Beeck, Präsident und Chefermittler in Personalunion.

Im Verdacht steht scheinbar ein Mitglied des Aufsichtsrats, Namen nannte Beeck aber nicht.

Der Präsident ließ aber durchblicken, den Kontrolleur wegen Vertraulichkeitsbruchs aus dem Aufsichtsrat zu werfen.

Fortsetzung im "60erl-Theater" ist garantiert.

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