vergrößernverkleinern
Milan Sasic trainierte von 2008 bis 2009 den 1. FC Kaiserslautern © getty

Der MSV Duisburg entwickelt sich mit neuen Spielern zu einer Top-Mannschaft der Zweiten Liga. Ein Bundesligist dient als Vorbild.

Von Andreas Berten

München/Duisburg - Der Milan ist nicht nur ein Greifvogel, den es als Rot- und Schwarzmilan gibt.

Im Kroatischen hat Milan eine andere Bedeutung: "Es heißt lieb", hat Milan Sasic einmal verraten.

Lieb und Milan Sasic - das sind zwei Begriffe, bei denen die Fans des MSV Duisburg noch vor einigen Monaten wohl allergisch reagiert hätten.

Mit unrühmlichen Vorgeschichten, die ihm in Kaiserslautern das Image eines herzlosen, absolut erfolgsfixierten Trainers einbrachten, hat der 52-Jährige im November 2009 die "Zebras" übernommen.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Verlängerung bis 2013

Knapp eineinhalb Jahre später hat sich dieses Bild völlig verändert. Aus Milan Sasic und den MSV-Anhängern ist so etwas wie eine Liebesgeschichte geworden.

Dementsprechend erleichtert waren die Duisburger auch, als der MSV nun die Vertragsverlängerung mit dem Kroaten bis 2013 bekanntgab.

Genauso lange setzen die Meidericher auf Sportdirektor Bruno Hübner.

"Mir imponiert das Engagement, mit dem Bruno Hübner, Milan Sasic und sein Team für den MSV da sind, und dazu die absolute Professionalität", sagt Roland Kentsch, seit März Geschäftsführer bei den "Zebras".

Für Hübner, der seit Januar 2008 in Duisburg arbeitet, ist dies "ein weiterer Ansporn für uns alle, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen."

"Eines Tages wieder in die Bundesliga"

Und Sasic bedient die Seelen der Fans: "Natürlich wollen wir eines Tages mit dem MSV wieder in die Bundesliga. Wir sind auf einem sehr guten Weg, die Grundlagen dafür zu schaffen."

Die MSV-Verantwortlichen drücken ansonsten aber absichtlich auf die Euphoriebremse.

Denn sie wissen auch vor dem Spiel gegen Union Berlin (Sa., ab 12.45 Uhr im LIVE-TICKER): Die "Zebras" haben schon in dieser Saison gute Chancen, wieder in die Erstklassigkeit zurückzukehren.

Viele Wechsel zu Saisonbeginn

Damit war zu Saisonbeginn nicht zu rechnen. In einem Ausmaß, das nur noch Felix Magath in Schalke zu steigern wusste, tauschte der MSV sein Personal aus. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Zum Teil notgedrungen, denn Leistungsträger wie Makiadi, Wagner oder Kouemaha "mussten wir aus finanziellen Gründen abgeben", erklärt Hübner der "WAZ".

Beinahe täglich wurde der Kader zwischen den Spielzeiten durch neue Namen ergänzt. Namen wie die von Julian Koch, Branimir Bajic oder Stefan Maierhofer, die eine Saison im Mittelfeld erwarten ließen.

Nach dem 22. Spieltag rangierte der MSV nur zwei Zähler hinter dem Zweiten FC Augsburg. Die "Zebras" spielen mit den attraktivsten Fußball im Unterhaus.

Und das, obwohl der Sparkurs die Meidericher an die kurze Kette legt.

Vorbild Mainz

"Wir sind im finanziellen Bereich weit von den Top-Klubs entfernt", betont der Sportdirektor und nimmt sich einen Bundesligisten zum Vorbild:

"Die Mainzer haben im vergangenen Jahr ein Fundament gelegt und bauen darauf nun im Folgejahr auf. So soll es bei uns im nächsten Jahr auch sein."

Sicherlich ist es auch Glück, einen jungen Mann wie den von Borussia Dortmund ausgeliehenen Julian Koch erwischt zu haben.

Denn neben einem Hauptamtlichen beschäftigt Duisburg nur drei 400-Euro-Kräfte in der Scouting-Abteilung.

Glücksfall Julian Koch

Der U-21-Nationalspieler hat sich in Duisburg konstant entwickelt und bekam zwischenzeitlich sogar die Kapitänsbinde.

Im Sommer hat Koch womöglich doppelten Grund zur Freude: Aufstieg mit dem MSV und Meisterfeier mit dem BVB.

Fakt ist, dass er in der neuen Saison wieder das BVB-Trikot überstreift. Koch entschied sich übrigens für den MSV und gegen den von vorn herein ambitionierten FC Augsburg.

"Wir haben ihm gesagt, komm' lieber zu uns", so Hübner, "denn wir haben einen kleinen Kader und setzen auf junge Spieler."

Aber auch erfahrene Spieler wie Baljak, Sukalo oder Maierhofer blühen bei den Duisburgern wieder auf.

Der 28-Jährige ist vom Premier-League-Klub Wolverhampton Wanderers ausgeliehen und entwickelte sich zum Kopfball-Ungeheuer der Zweiten Liga.

"Wir sind die Truppe des Trainers"

Den Erfolg mit dem MSV schreibt der Österreicher vor allem dem guten Teamgeist und der Arbeit Milan Sasics zu:

"Wir sind die Truppe des Trainers, er hat uns alle geholt, deshalb vertrauen wir ihm total."

Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich der Pokal-Halbfinalist auch nach der endgültigen Abnabelung vom Allesmacher Walter Hellmich entwickelt.

Winter-Zugang Ivica Banovic vergleicht die Situation in Duisburg mit der in Freiburgs Aufstiegsjahr:

"Dort war die Super-Atmosphäre ein Trumpf." Auf einer Skala von eins bis zehn stufte er die in Freiburg mit einer Neun ein.

"Hier in Duisburg würde ich die 9,5 geben."

Zum Forum - jetzt mitdiskutierenZurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel