vergrößernverkleinern
Hertha mit Raffael (r.) gewann das Hinspiel in Cottbus (im Bild: Marc-Andre Kruska) mit 1:0 © imago

Derby-Kracher vor Riesenkulisse: Hertha will eine Schmach vergessen machen, Cottbus die letzte Aufstiegschance wahren.

Berlin/Cottbus - Die einen wollen sich für eine Blamage rehabilitieren. Die anderen ihre womöglich letzte Chance im Aufstiegsrennen nutzen.

Es geht um viel im Derby zwischen Spitzenreiter Hertha BSC und dem Regional-Rivalen Energie Cottbus (Mo., ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) .

Und es wird emotional - wofür allein schon Gäste-Coach Claus-Dieter Wollitz garantieren wird. Der hatte im vergangenen Herbst für einige Verstimmung bei Hertha gesorgt, als er nach Berlins Pokal-Aus in Koblenz markige Worte über den Hauptstadtklub verlor.

Sätze wie: "Die klopfen sich auf die Schulter, weil sie mit einem Etat von 40 Millionen Euro 23 Punkte haben" oder "Mit Spielern wie Raffael, Friend oder Ramos hätte ich mindestens genauso viele Punkte geholt und noch mehr Tore erzielt."

Reuiger "Schlaumeier"

Wollitz will sich am Montag bei den Berlinern "entschuldigen, dass solche Irritationen aufgekommen sind", kündigt er in der "Berliner Morgenpost" an.

Die Klubverantwortlichen hätten es "schwer genug, als dass irgendein Schlaumeier kluge Sprüche klopfen muss".

Die Arbeit von Coach Markus Babbel habe er "niemals infrage stellen" wollen. Wobei er trotzdem bei der Ansicht bleibt, dass sein Gegenüber einen leichteren Job hätte:

"Wenn man in die Statistiken der letzten Jahrzehnte schaut, steigen 99,9 Prozent der Mannschaften mit solchen Etats auf. Das ist dann eben keine außergewöhnliche Leistung mehr, sondern eine Selbstverständlichkeit."

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Energie am Scheideweg

Sein eigenes Team ist im Kampf um den Oberhaus-Einzug zuletzt zurückgeworfen worden.

Drei Ligaspiele in Folge ohne Sieg, schon neun Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz drei: Die Cottbuser befinden sich am Scheideweg (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Die Mannschaft muss sich entscheiden, welchen Weg sie gehen will: Will sie Mittelmaß bleiben oder will sie wieder ihre wahre Qualität zeigen", sagte Wollitz und nahm seine Mannschaft in die Pflicht:

"Wir wollen nicht nur Tabellensiebter werden. Wir wollen weiter nach oben. Mit einem Sieg im Derby kann man sich einen Schub für die nächsten Wochen holen. Und er ist wichtig für die Anerkennung durch die Fans."

Team eher kleinlaut

Das Ziel "war und ist, dass wir nach 28 Spieltagen in Schlagdistanz zu den Aufstiegsplätzen liegen, also maximal drei Punkte Rückstand haben", so Wollitz.

Das Team gibt sich anders als sein Trainer eher kleinlaut.

"Von den Aufstiegsrängen brauchen wir derzeit nicht zu reden. Wichtig ist, dass wir wieder in die Spur zurückfinden und Selbstvertrauen tanken", sagt Torhüter Thorsten Kirschbaum.

Mittelfeldspieler Marc-Andre Kruska versichert derweil: "In den vergangenen Tagen war bei uns im Training so viel Feuer drin wie schon lange nicht mehr."

Babbels klare Ansage

Feuer, das Cottbus vor der Riesenkulisse in Berlin gebrauchen kann: Manager Michael Preetz erwartet das "bestbesuchte Montagsspiel der Zweiten Liga".

36.000 Karten sind schon verkauft, 40.000 Fans sollen kommen. Die wollen Wiedergutmachung für die schmerzhafte 1:2-Derbyniederlage gegen den Stadtrivalen.

"Um die Schmach gegen Union wieder gut zu machen, muss der nächste Sieg her!", stellt Coach Markus Babbel klar.

Den braucht die Hertha auch, um die Verfolger auf Distanz zu halten: Alle haben am Wochenende gewonnen, selbst Platz vier ist plötzlich nur noch zwei Punkte weg.

"Union hat es vorgemacht"

Doch auch der Gegner will Wiedergutmachung: In einem hart umkämpften Hinspiel hatten die Berliner durch ein Tor von Rob Friend mit 1:0 gewonnen und Energie die erste Saisonniederlage zugefügt.

Wollitz will vom letzten Derby-Gewinner lernen: "Union hat es ja vorgemacht. Wir trauen uns zu, bei Hertha gut zu spielen und unter Umständen zu gewinnen."

Das geht für Wollitz aber nur unter einer Bedingung: "Wir brauchen Leidenschaft, Leidenschaft, Leidenschaft!"

Zum Forum - jetzt mitdiskutierenZurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel