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Uwe Rapolder stand erst seit dem 22. November 2010 beim KSC unter Vertrag © imago

Nach der Pleite gegen Ingolstadt und den Streitereien mit den erbosten Fans ziehen die abstiegsbedrohten Karlsruher die Reißleine.

Von Martin Volkmar

München/Karlsruhe - Nach nur 99 Tagen ist das kurze Gastspiel von Uwe Rapolder beim Karlsruher SC schon wieder beendet.

Der abstiegsbedrohte Zweitligist zog am Dienstag überraschend die Reißleine und feuerte den Chefcoach.

KSC-Präsident Ingo Wellenreuther erklärte auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz aber, die Freistellung erfolge "in beiderseitigem Einvernehmen".

Hauptgrund ist die sportliche Lage, denn auch unter Rapolder schaffte der Ex-Bundesligist nicht den Schritt aus dem Tabellenkeller. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Massive Vorwürfe gegen den Trainer

Nach der 1:4-Heimpleite gegen Abstiegsrivale Ingolstadt, für die der Trainer durch Wechselfehler mitverantwortlich war, liegt der KSC auf Relegationsplatz 16.

Hinzu kamen aber massive Vorwürfe gegen den früheren Bundesliga-Coach:

Rapolder soll sich während und nach der Partie mit den aufgebrachten Fans verbal angelegt und ihnen nach üblen Beschimpfungen den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt haben.

"Die Mannschaft darf nicht durch eine solche Aktion belastet werden. Wenn es so war, dann ist es inakzeptabel", meinte Wellenreuther.

Allerdings sei die Entscheidung nicht nur aufgrund dieser Geschehnisse gefallen, so der Präsident: "Die Entscheidung war eine Reaktion auf das Wochenende und die letzten drei Spiele. Ausschlaggebend war die Gesamtbetrachtung."

"Ich kann mich daran nicht erinnern"

Rapolder hatte die Vorwürfe allerdings bestritten.

"Ich kann mich daran nicht erinnern. Mir ist es zumindest nicht bewusst. Das habe ich im ganzen Leben noch nicht gemacht. Vielleicht habe ich abgewunken", sagte er nach der Partie.

Wellenreuther erklärte am Dienstag, Rapolder könne sich nach wie vor nicht an eine solche Entgleisung erinnern.

Falls dies aber der Fall gewesen sei, entschuldige sich Rapolder hierfür, ließ er ausrichten.

"Gefährdung für den gesamten Verein befürchtet"

Unwidersprochen blieb hingegen der heftige Disput mit einem Zuschauer, der ihn wegen des Mittelfingers als "Dreckspatz" bezeichnet hatte.

"Ich muss mich als 52-jähriger nicht von einem 25-jährigen als Dreckspatz beschimpfen lassen", hatte Rapolder seine heftige Replik darauf ("Was willst denn Du? Komm' doch runter, Du Assi") begründet.

"Im Verhältnis zwischen Trainer und Fans hatte sich zu viel hochgeschaukelt", bestätigte Wellenreuther. Man habe "eine Gefährdung für den gesamten Verein befürchtet".

Kandidaten Becker, Schäfer und Scharinger

Ein Nachfolger für Rapolder soll bereits am Mittwoch präsentiert werden.

Möglicherweise wird U-23-Trainer Markus Kauczinski wie schon zuletzt zweimal einspringen.

Zudem werden aber auch Edmund Becker, der den KSC 2007 in die Bundesliga führte und 2009 mit der Mannschaft wieder in die Zweite Liga abstieg, sowie der ehemalige KSC-Erfolgstrainer Winfried Schäfer gehandelt.

Ein weiterer Kandidat soll Ex-KSC-Profi Rainer Scharinger sein, der Ende Dezember beim Drittligisten VfR Aalen entlassen worden war.

Namen kommentierte Wellenreuther noch nicht, nannte aber die zentrale Anforderung an den Rapolder-Nachfolger: "Er muss wieder Begeisterung und Teamgeist in die Mannschaft bringen."

Ende November Nachfolger von Schupp

Rapolder war erst am 22. November vergangenen Jahres zum Chefcoach der Badener ernannt worden, die sich Ende Oktober 2010 von Markus Schupp getrennt hatten.

"Der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort", hatte Vereinsboss Wellenreuther damals verkündet.

Offenbar ein Trugschluss.

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