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Furioser Aufsteiger: Rot Weiss Ahlen hat den kleinsten Etat der Zweiten Liga © getty

Der Verein mit dem kleinsten Etat bringt die Großen ins Wanken. Zweitliga-Experte Jörg Berger erklärt bei Sport1.de die Gründe.

Von Tobias Schneider

München ? Die Zweite Liga ist in dieser Saison eine echte Wundertüte:

Alle drei Absteiger aus der Bundesliga haben derzeit mit dem Kampf um die Aufstiegsplätze nichts zu tun, sowohl Duisburg als auch Nürnberg und Rostock haben ihren Chefcoach bereits vor die Tür gesetzt.

Dennoch schreibt Zweitliga-Experte Jörg Berger das Trio gegenüber Sport1.de noch nicht ab: "Trotz all der Querelen werden die Drei um den Aufstieg mitspielen. Ob sie letztlich die Rückkehr ins Oberhaus schaffen, ist freilich eine andere Frage."

An der Spitze stehen derzeit mit Mainz und Kaiserslautern zwei Teams, die vor dieser Saison einen gewaltigen Umbruch zu bewerkstelligen hatten.

Auch Freiburg findet nach der langen Fink-Ära unter Robin Dutt langsam zu alter Stärke zurück.

Ahlen verblüfft die Liga

Doch für die bislang größten Überraschungen sorgen der furios gestartete Aufsteiger aus Ahlen und die SpVgg Greuther Fürth - auch wenn die Franken am Sonntag das Derby in Nürnberg verloren.

Der als klarer Abstiegskandidat in die Saison gestartete Aufsteiger hat nach 14 Spielen nur zwei magere Zähler Rückstand auf einen Aufstiegsrang.

Nicht einen Cent investierte Ahlen in neues Personal, griff nur bei ablösefreien Spielern zu.

Kein Wunder: Ahlen hat den kleinsten Etat aller Zweitligisten, große Sprünge sind also nicht drin.

Routinier Ronald Maul war sogar vereinslos, ehe der 35-Jährige einen bis zum Saisonende dotierten Vertrag in Ahlen unterschrieb.

"Das Ahlener Umfeld ist recht trist, die Perspektive nicht sehr groß. Es ist überraschend, dass sie überhaupt den Aufstieg geschafft haben", zollte Berger Anerkennung, mahnt aber Besonnenheit an:

"Die Verantwortlichen sollten die Situation realistisch einschätzen und den Blick nach unten richten. Mit dem Aufstieg wird Ahlen nichts zu tun haben."

Homogenes Team geformt

Die Transferpolitik von Coach Christian Wück scheint sich bezahlt zu machen.

Der 35-Jährige schuf ein homogenes Team, dass mit Kampf und Einsatzbereitschaft spielerische Defizite wettzumachen weiß.

"Ahlen hat nicht den Druck wie andere Zweitligisten. Der Aufstieg schweißt das Team zusammen, es entsteht ein ausgeprägter Teamgeist. Das kann mehr bringen, als vermeintliche Stars zu verpflichten, die das Gefüge der Mannschaft ins Wanken bringen," so Berger.

Während Wück das Grundgerüst seines Teams nahezu unverändert ließ, wurde Fürths-Trainer Benno Möhlmann vor Saisonbeginn von vielen Seiten belächelt, als der 53-Jährige ankündigte, mit Fürth den Aufstieg in Angriff nehmen zu wollen.

Fürth lässt nicht locker

Nach einem gescheiterten Engagement in Braunschweig kehrte der Trainerfuchs an den Rohnhof zurück und sah sich mit der alten Fürther Problematik konfrontiert: Der personellen Fluktuation.

Neun Spieler, die meisten Stammkräfte, haben den Verein verlassen. Ebenso viele Neuzugänge mussten integriert werden.

"Ich bin überrascht, wie gut sich Fürth präsentiert. Das spricht für den Verein und für Benno Möhlmann", so Berger, der den Franken den Aufstieg nach mehreren verpatzten Anläufen auch in dieser Saison nicht zutraut:

"Andere Aufstiegskandidaten sind in der Lage, in der Winterpause personell nachzulegen oder sind generell in der Breite besser besetzt", bilanziert Berger, der Fürth ein ähnliches Schicksal wie in den vergangenen Jahren prognostiziert, als die Franken als Fünftplatzierter mehrmals knapp am Aufstieg scheiterten:

"Zum Ende der Saison hin wird Fürth einbrechen und sie ereilt das altbekannte Schicksal. Fürth ist eine klassische Zweitliga-Mannschaft, für Erstliga-Fußball fehlen die Strukturen."

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