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Rainer Scharinger absolvierte als Spieler 30 Bundesliga-Partien © getty

Bei SPORT1 spricht Rainer Scharinger über die KSC-Baustellen, die Hoffnung auf den Klassenerhalt und die Anhänger aus Fanblock 4.

Von Matthias Becker

München - Aller guten Dinge sind noch nicht drei, aber zumindest zwei - wird sich Rainer Scharinger wohl denken.

Am vergangenen Wochenende feierte der neue Coach des Karlsruher SC einen Einstand nach Maß und spuckte mit seinem Team dem VfL Bochum gehörig in die Suppe, als dieser einen neuen Vereinsrekord aufstellen wollte. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Am Freitag (ab 17.45 Uhr im LIVE-TICKER) wollen die Badener den nächsten Revierklub ärgern: Ein Sieg über den MSV Duisburg und die "Zebras" könnten sich wohl endgültig aufs Pokal-Finale konzentrieren anstatt vom Aufstieg in die Bundesliga zu träumen.

Was Rainer Scharinger aber viel wichtiger wäre: Mit drei Punkten würde Karlsruhe im Abstiegskampf ein wichtiges Signal setzen. Im Interview mit SPORT1 spricht der 44-Jährige über die neue Situation beim KSC und die Anhänger aus Fanblock 4.

SPORT1: Herr Scharinger, für Sie schließt sich mit dem Engagement beim Karlsruher SC ein Kreis. Wie haben Sie die ersten Tage empfunden?

Rainer Scharinger: Es kam unheimlich viel Input und ich wusste von der ersten Sekunde an, dass die Arbeit jetzt losgeht. Da galt es, sich zunächst einmal ein Bild zu machen, um den Ist-Zustand zu erfassen. Wichtig war es, die Mannschaft auf dem Platz und darüber hinaus in kurzen Gesprächen kennenzulernen. So weiß ich, wo ich am ehesten ansetzen muss.

SPORT1: Sie haben gleich einen "Acht-Stunden-Tag" eingeführt und gesagt, es gäbe viele Baustellen. Wie weit sind Sie mit den Reparaturarbeiten?

Scharinger: Für mich ist das völlig normal, dass man frühmorgens kommt und abends wieder geht. Von daher finde ich das Wort "Acht-Stunden-Tag" recht klischeehaft. Wenn man auf Platz 16 steht mit 54 Gegentoren, sollte jedem klar sein, dass nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen sein kann und einiges im Argen liegt. Der Hinweis auf die Baustellen ist gar nicht negativ gemeint. Ich sehe nur Dinge, die ich anders machen will.

SPORT1: Zum Beispiel?

Scharinger: Dazu ist eben viel Arbeit nötig - nicht nur auf dem Platz, sondern auch Video-Analysen oder Besprechungen taktischer Art. Es gibt zwei Möglichkeiten: Wir können uns auf den Boden legen und in Selbstmitleid baden. Aber wir krempeln lieber die Ärmel hoch und packen das an.

SPORT1: Sie sind schon der vierte KSC-Trainer in dieser Saison. Wie reagieren die Spieler in so einer Situation?

Scharinger: Da kommt mir entgegen, dass ich als Spieler Vieles schon einmal mitmachen durfte oder mitmachen musste. Daher kann ich schon empfinden, wie das in den Augen eines Spielers aussieht. Ich habe der Mannschaft gesagt, dass wir schnell Vertrauen finden müssen.

SPORT1: Dazu haben Sie aber nicht mehr viel Zeit.

Scharinger: Die Saison dauert nur noch zehn Wochen. Da ist jeder gefordert, die Dinge, die ich anspreche, sehr offen anzunehmen und abzuarbeiten. Das geht nur, wenn ich die Bereitschaft dazu habe. Ich glaube, dass das in den ersten Tagen gelungen ist - wir haben einen sehr guten Draht zueinander.

SPORT1: Der Start mit dem 1:1 beim erstarkten VfL Bochum war schon sehr ordentlich. Dabei hätten Sie die Partie fast gewonnen. Mit ein bisschen Abstand: Wie hat Ihnen das Spiel gefallen?

Scharinger: Sie haben völlig recht. Kaum jemand in Deutschland hätte einen Cent darauf gewettet, dass der KSC etwas aus Bochum mitnimmt. Von daher können wir schon zufrieden sein. Wenn man aber erst fünf Minuten vor Schluss den Ausgleich kriegt, weckt das Begehrlichkeiten. Ein Dreier wäre ein Befreiungsschlag gewesen. Das Ergebnis ist letztlich aber gerecht. Man hat gesehen, dass die ersten Handlungsanleitungen Früchte getragen haben. Wir haben aus einer kompakten Abwehr heraus gespielt, die Räume eng gemacht. Das Defensivverhalten hat gestimmt und die Spieler haben daraus Sicherheit gewonnen.

SPORT1: Am Freitag geht es gegen Duisburg. Der MSV steht im Pokalfinale, hat aber zuletzt zu Hause gegen Arminia Bielefeld verloren. Was erwarten Sie von dem Spiel? Lässt Duisburg die Saison angesichts des Pokal-Endspiels möglicherweise einfach ausklingen?

Scharinger: Ich denke, dass sie wahnsinnig viel Spannung für das Pokalspiel gegen Cottbus aufgebaut hatten. Und auch mit der anschließenden Feier hat für das Wochenende wohl die letzte Spannung gefehlt. Eins ist auch klar: Die haben in dieser Woche nicht nur Freude und wehende Fahnen entgegengebracht bekommen. Deshalb werden wir auf eine heiße Mannschaft treffen. Wie gut sie sind, zeigen die Pokalerfolge und ihre gute Position in der Liga. Wenn wir mal die Offensive nehmen, mit Baljak, Trojan und Maierhofer oder Sahan, Banovic und Sukalo, sind sie brutal gut aufgestellt. Da kommt ein großes Gewicht auf uns zu.

SPORT1: Für den KSC ist es das erste Heimspiel, seit Ihr Vorgänger Uwe Rapolder heftig mit den Fans aneinandergeraten ist. Welche Reaktion erwarten Sie nun von den Rängen - denn die Zuschauer können das Team mit ihrer Leidenschaft zusätzlich pushen?

Scharinger: Es ist grundsätzlich so, dass wir die Aufgabe nur mit dem Umfeld und den tollen Fans meistern können. Ich weiß, mit welchem Herzblut die Fans dabei sind, schließlich habe ich selbst vom achten bis zum 14. Lebensjahr im Fanblock 4 gestanden. Es ist aber klar, dass die Mannschaft es auch rüberbringen muss. In Bochum haben die Fans ein großes Plakat mit der Aufschrift "Verdient es euch" gezeigt und der Funke ist übergesprungen. Wir können keine Ergebnisse garantieren, aber wir können Leidenschaft einbringen.

SPORT1: Das hört sich so leicht an.

Scharinger: Es ist eine besondere Situation, auf der Truppe liegt ein wahnsinniger Druck. Die Mannschaft ist durch den Saisonverlauf auch ein Stück weit verunsichert. Also: Wenn wir in der Klasse bleiben, dann schaffen wir es nur mit den geilen Fans. Ich habe auch Verständnis, wenn ein Fan mal seinen Frust ablädt. Aber am Ende unterstützen uns die Fans immer, weil ein Großteil von uns das Wappen schon lange auf dem Trikot trägt und viele auch darunter - im Herzen.

SPORT1: Falls es am Ende doch nicht klappen sollte, haben Sie schon gesagt, dass Sie auch mit in die Dritte Liga gehen würden. Könnten Sie sich vorstellen, einen kompletten Neuanfang zu starten wie vor einigen Jahren beim VfR Aalen?

Scharinger: Momentan richte ich den Fokus und meine Arbeit komplett auf die nächsten neun Wochen. Aber wir sind in einer verantwortungsvollen Position und haben einen Plan B, den wir alle gern von uns weisen würden. Wir müssen auch wenig von unserer Zeit darauf verwenden, dass auch mal andere Fälle eintreten können. Aber der Fokus liegt auf dem Klassenerhalt - dafür werden wir alles geben. Wie die Situation nach dem 30. Juni aussieht, kann ich noch nicht sagen. Aber wir müssen auf alles vorbereitet sein.

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