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Mike Büskens (2.v.l.) übernahm im Dezember 2009 das Traineramt von Benno Möhlmann © getty

Siebenmal Fünfter in zehn Jahren: Mit einem Sieg über Hertha will Greuther Fürth endlich dem Aufstieg näher kommen.

Von Andreas Berten

München - Es soll tatsächlich Fußball-Fans geben, die der Spielvereinigung Greuther Fürth den letzten Funken Leidenschaft absprechen.

Sie führen das auf das in den vergangenen Jahren entstandene Image der Franken zurück: Fürth ist immer oben dabei und spielt immer einen attraktiven Fußball - und trotzdem fehlen am Saisonende stets ein paar Punkte zum Aufstieg.

Sieben fünfte Plätze in den vergangenen zehn Zweitliga-Spielzeiten verleihen dieser Annahme auch große Glaubwürdigkeit.

Wer aber Trainer Mike Büskens 90 Minuten "arbeiten" und an der Seitenlinie mitfiebern sieht, kann sich nicht mehr vorstellen, dass Greuther Fürth nicht doch mal in die erste Liga aufsteigen will.

Mit einem Erfolg im Spitzenspiel gegen Hertha BSC Berlin (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) könnte die SpVgg diesem Ziel ein Schritt näher kommen.

Azzouzi: "Arbeiten oft am Anschlag"

"Der Verein arbeitet oft am Anschlag und versucht immer das Beste rauszuholen", räumt Manager Rachid Azzouzi im "kicker" die letzten Zweifel an diesem Vorhaben aus, "unser großes Ziel ist immer die 1. Liga - aber ohne verrückte Dinge zu machen."

Das spricht für die Franken, die dem Spitzenreiter im Falle eines Sieges bis auf drei Punkte auf den Pelz rücken können. Für Azzouzi wäre der Aufstieg "emotional einfach das Größte": Es wäre das, "wofür wir jeden Tag arbeiten". (DATENCENTER: 2. Bundesliga)

Und das erledigen die Fürther so gut (seit acht Spielen in der Rückrunde unbesiegt), dass die kontinuierliche Entwicklung für sie Segen und Fluch zugleich bedeutet.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Beim Nichtaufstieg gehen Leistungsträger

Ein Segen, weil die SpVgg mit der besten Abwehr der Liga (nur 19 Gegentore) und einer dennoch erfrischend offensiven Spielweise wieder mit um den Aufstieg kämpft.

Und ein Fluch eben auch, weil es in der Vergangenheit nicht für einen der ersten drei Plätze gereicht hat und immer wieder gute Spieler den Verein verlassen haben.

Sami Allagui zum Beispiel, der nach der letzten Saison beim FSV Mainz 05 doch noch erstklassig wurde. Zur neuen Saison folgt ihm Nicolai Müller für eine Ablöse von 1,5 Millionen Euro an den Bruchweg. Für FSV-Coach Tuchel ist Müller "einer der herausragenden Offensivspieler der Zweiten Liga, in der er konstant auf hohem Niveau spielt".

Einen großen Anteil daran hat Mike Büskens, der als Coach selbst eine erstaunliche Entwicklung vollzieht.

Büskens' Vertrag läuft aus

Bei seinen beiden kurzzeitigen Gastspielen auf der Trainerbank von Schalke 04 deutete der einstige "Eurofighter" an, über welche Qualitäten er auch abseits des Rasens verfügt. Stets an der Grenze zum Kreislaufkollaps, lebt Büskens die Leidenschaft und Verbissenheit vor, die er von seinen Spielern verlangt.

Das macht ihn in einer Zeit, in der bei den Erstligisten etliche Trainerstühle wackeln, zu einem begehrten Mann. Zumal sein Vertrag am Saisonende ausläuft und nicht nur viele Ex-Schalker ihn gerne wieder bei "Königsblau" sehen würden.

Der "AZ" sagt der 42-Jährige zu seiner Zukunft: "Ich bin immer im engen Kontakt mit Präsident Helmut Hack und mit Manager Rachid Azzouzi und wir versuchen auch, den Verein weiter zu entwickeln."

Nicht vor der Hertha verstecken

Das dürfen die SpVgg-Fans, die reihenweise Lobeshymnen auf Büskens singen, gerne als Treuebekenntnis verstehen.

Gegen die Hertha soll nun der nächste Schritt in Richtung Erstklassigkeit erfolgen, auch wenn Büskens auf insgesamt acht verletzte oder gesperrte Stammkräfte verzichten muss (Hertha-Trainer Babbel fehlt Christian Lell, für ihn könnte Christoph Janker sein Comeback gehen).

Und dennoch: "Wir brauchen uns vor der Hertha nicht zu verstecken", sagt der Trainer. Die eigene Platzierung käme nicht von ungefähr, "dafür haben wir auch etwas geleistet und hart gearbeitet."

Gut gewappnet für die Erste Liga

Rachid Azzouzi sieht die Hauptstädter schon wieder in der Beletage ("Berlin gehört in die 1. Liga. Entsprechend sind sie in allen Bereichen aufgestellt"), aber auch "wir haben eine Mannschaft mit sehr viel Potenzial, Herz und Leidenschaft".

Das Team sei sogar so konkurrenzfähig für die oberste Spielklasse, dass "ich glaube, wir hätten gute Möglichkeiten, die Klasse zu halten".

Da soll noch einer sagen, Greuther Fürth wolle gar nicht aufsteigen.

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