Das unsägliche Treiben nach dem Unfall-Drama um Kastrati wirft ein Licht auf beschämend-bürokratische Statuten.

Das Drama um Osnabrücks Flamur Kastrati ist nicht nur deshalb eines, weil es mal wieder aufzeigt, welche gesundheitlichen Risiken der Sport an sich doch birgt.

Wo große Kräfte aufeinander treffen, lauert schließlich seit jeher die Gefahr ernster bis allerschwerster Verletzungen.

Sei es extrem wie in der Formel 1 und beim Skifahren, wenn Mensch und Material aufs Äußerste gefordert sind.

Sei es auch in vielen Ballsportarten, wie nun bei Osnabrücks Flamur Kastrati, der nach einem Zusammenprall mit seinem Cottbuser Gegenspieler regungslos zu Boden ging und wohl zumindest zeitweise in Lebensgefahr schwebte.

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Dem schlimmen Unfall aus der 80. Minute haftet vielmehr etwas Skandalöses an, weil die durch ihn geschockten Spieler das Spiel gegen ihren Willen kraft Regelwerk beenden mussten. All ihrer Sorge um Kastrati zum Trotz.

Dass Heim- und Auswärtsteam unisono vor allem in der zwölfminütigen Nachspielzeit nur noch lethargisch auf dem Feld standen und nicht mehr gegen den Ball treten wollten, wirft ein bezeichnendes Licht auf die realitätsfernen wie beschämend-bürokratischen FIFA-Statuten - die deshalb schleunigst reformiert gehören.

Es kann nicht sein, dass die Dauer eines Spiels selbst bei gravierenden Ereignissen wie eben dem jetzigen unumstößlich ist, weil es ein Paragraph auf dem Papier so vorschreibt.

Auch wenn die Frage zynisch klingen mag: Was wäre im Nachhinein eigentlich passiert, wenn Kastrati nicht mehr den Weg zurück ins Leben gefunden hätte, welche Debatten über Courage und Eigenverantwortung hätte es gegeben?

Im aktuellen Fall nun hätte Marc Seemann sich selbst ein kleines Denkmal setzen und ein Exempel für den gesunden Menschenverstand statuieren können, hätte er vorzeitig den Schlusspfiff vollzogen.

So aber war es ein unsägliches Treiben, wie dem Schiedsrichter aus Essen in stillem wie überbordendem Regel-Gehorsam ein Abbruch der Partie unmöglich schien.

Selbst wenn Seemann vor einem direkten Abbruch zurückgeschreckt wäre - er hätte zumindest die Nachspielzeit kürzer gestalten können. Das immerhin lassen die Statuten zu.

Doch auch die Spieler hatten eine große Option, die sie ungenutzt ließen - nämlich einfach vom Feld zu gehen.

Überhaupt: Wer bitte hätte es hinterher denn gewagt, darüber Kritik und Sanktionen auszusprechen?

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