vergrößernverkleinern
Für Peter Neururer ist der MSV Duisburg bereits seine 14. Trainerstation © getty

Im Interview mit Sport1.de erklärt Neururer, dass er der richtge Coach für den MSV ist und spricht über seine Kritik an Klinsmann.

Von Felix Götz

München/Duisburg - Mit Peter Neururer ist eine der schillerndsten Personen der Fußball-Szene auf die Trainerbank zurückgekehrt.

Der 53-Jährige unterschrieb nach zweijähriger Arbeitslosigkeit einen Vertrag beim MSV Duisburg bis zum Saisonende, mit gegenseitiger Option auf Verlängerung im Erfolgsfall.

Sein Debüt beim 0:0 gegen den FSV Frankfurt war allerdings enttäuschend. Jetzt krempelt "Peter der Große" (Trainerportrait) die Ärmel hoch und den MSV um.

Im Interview mit Sport1.de erklärt Neururer, warum er der richtige Trainer für die "Zebras" ist, spricht über seine Kritik an Jürgen Klinsmann und die Verbannung von Marcel Heller ins Reserveteam.

Sport1.de: Herr Neururer, wie froh sind Sie über Ihren neuen Job?

Peter Neururer: Natürlich bin ich froh wieder zu arbeiten. Wenn dann so eine passende Gelegenheit kommt wie in Duisburg, dann sagt man natürlich zu.

Sport1.de: Es gab auch vorher einige Angebote. Warum war beispielsweise ein Engagement als iranischer Nationaltrainer für Sie nicht reizvoll?

Neururer: Weil ich sonst unterschrieben hätte. Ich will nicht sagen, dass ich nur auf Duisburg gewartet habe. Aber es hat sich gelohnt, einiges nicht anzunehmen. Es gab einfach keine Anfrage, die richtig gepasst hat. Das erste Angebot, dass mir komplett zugesagt hat, war das vom MSV Duisburg.

Sport1.de: Warum?

Neururer: Das Aufgabengebiet, die Zielsetzung des Vereins, die Arbeitsbedingungen, das Umfeld und der Präsident: Da passt einfach das Gesamtpaket.

Sport1.de: Der Auftakt gegen Frankfurt war aber ernüchternd, oder?

Neururer: Was heißt ernüchternd. Wir waren vorher nicht gerade euphorisiert. Der Start war von der Bereitschaft her okay, aber von der Leistung her war es ganz weit weg von den Ansprüchen, die jeder Einzelne beim MSV hat.

Sport1.de: Waren Sie erschrocken, dass es so viel Arbeit für gibt?

Neururer: Nein. Wenn es eine einfache Geschichte gewesen wäre, dann hätte man irgendeinen nehmen können. Herr Hellmich hat aber mich verpflichtet, von daher war klar, dass die Sache schwer ist. Aber entscheidend ist: Sie ist zu bewältigen.

Sport1.de: Wo gilt es jetzt anzusetzen?

Neururer: Es gibt da ja die üblichen Sprüche: Man muss Einzelgespräche führen und das Selbstvertrauen wieder herstellen. Wir müssen aber einfach schauen, dass wir so schnell wie möglich ein Erfolgserlebnis bekommen. Dann läuft es zwar nicht von alleine, aber es läuft. Die einzige Änderung ist, dass wir den Kader massiv abspecken. Mit 31 Spielern zu arbeiten ist hier nicht möglich. Gut gearbeitet haben die Jungs auch schon unter Rudi Bommer.

Sport1.de: Hat die Verbannung von Marcel Heller ins Reserveteam mit Abspeckung zu tun?

Neururer: Ohne hundertprozentige Disziplin geht es nicht. Das müssen die Jungs lernen. Es tut mir leid, dass es ausgerechnet so einen jungen Burschen erwischt hat. Es hat mit dem Sportlichen nichts zu tun. Er kann sich durch gute Leistungen und vor allem durch gute Verhaltensweise bis zur Winterpause rehabilitieren.

Sport1.de: Was hat er getan?

Neururer: Ich kann einen Jungen nicht aufstellen, von dem ich nicht weiß, was er kann. Ich habe ihn nur zwei Mal im Training gesehen. Und wenn der Selbige dann möglicherweise die Klappe aufreißt im Bezug auf die Aufstellung, seine Nichtberücksichtigung und Spieler, die stattdessen spielen, dann ist das eine Sache des Respekts. Das kann man nicht durchgehen lassen.

Sport1.de: Ist das Ziel direkte Rückkehr in die Bundesliga bei neun Punkten Rückstand auf Platz drei noch realistisch? (Datencenter: Ergebnisse)

Neururer: Das Ziel haben wir immer noch. Aber jetzt davon zu reden, wäre totaler Schwachsinn. Wir müssen bis zur Winterpause Gas geben und Punkte holen. Einen Abstand von acht oder neun Punkten wettzumachen, ist in dieser Liga immer möglich. Ich habe mit Bochum schon elf Punkte aufgeholt. Und die Qualität ist auch da.

Sport1.de: Hohe Wellen geschlagen hat zuletzt allerdings nicht Ihr neuer Job, sondern die Aussage, Jürgen Klinsmann sei der bestbezahlteste Lehrling des Weltfußballs...

Neururer: Diese Aussage habe ich nicht jetzt, sondern schon vor langer Zeit im DSF-Doppelpass getätigt. Dass ich das jetzt nochmal woanders wiederholt haben soll, ist Blödsinn. Der Unterschied ist doch folgender: Damals war ich kein Kollege von Klinsmann und konnte etwas über ihn sagen. Jetzt bin ich wieder ein Kollege von ihm und es steht mir deshalb nicht zu, Trainerangelegenheiten zu kommentieren.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel