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Interimscoach Joe Enochs ist mit 376 Pflichtspielen Osnabrücks Rekordspieler © getty

Osnabrücks Interimscoach Joe Enochs spricht bei SPORT1 über seine Zuversicht fürs Abstiegs-Derby gegen Bielefeld und seine Zukunft.

Aus Osnabrück berichtet Martin Volkmar

Osnabrück - Eine ganze Stadt fiebert dem Anpfiff entgegen:

In Osnabrück steigt am Freitag (ab 17.45 Uhr im LIVE-TICKER) der Abstiegs-Krimi zwischen dem heimischen VfL und Schlusslicht Arminia Bielefeld .

Im ausverkauften Derby müssen die Niedersachsen nach zuletzt fünf sieglosen Partien endlich wieder punkten, um den Relegationsrang zu verlassen.

(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Abschiedsspiel für Enochs

Zugleich wird es wohl das Abschiedsspiel von Interimscoach Joe Enochs werden.

Denn nach den DFL-Statuten muss der Osnabrücker Rekordspieler spätestens Montag vom Amt zurücktreten, weil ihm die Profi-Trainerlizenz fehlt.

Zuvor traf sich SPORT1 mit dem US-Amerikaner, der in Osnabrück eine lokale Größe ist, in der Osnaltel-Arena zum Interview.

SPORT1: Herr Enochs, als Sie vor knapp zwei Wochen zum Interimscoach des VfL Osnabrück befördert wurden, gab es wegen Ihrer Sportsbar in der Altstadt Überschriften wie "Kneipier wird Osnabrück-Trainer". Haben Sie sich darüber geärgert?

Joe Enochs: Ich nicht, aber meine Frau und auch ein bisschen der Verein. Die Leute sehen nicht, dass ich nach dem Ende als Profi zweieinhalb Jahre lang sehr hart für meinen Trainerschein gearbeitet habe. Aber natürlich bin ich auch gerne in meiner Kneipe, keine Frage.

SPORT1: Arbeiten Sie auch ab und zu noch dort?

Enochs: Vorher schon, aber seit ich Chefcoach beim VfL bin nicht mehr. Das gehört sich natürlich nicht, ich muss mich auf diese Aufgabe konzentrieren. Trotzdem ist und bleibt die Kneipe ein Teil von mir. Ich habe alle Auswärtsspiele des VfL da gesehen, es war immer eine Riesenstimmung. Deswegen waren diese Überschriften auch überhaupt kein Problem für mich.

SPORT1: Jetzt haben Sie einen neuen Job als 15 Tage-Trainer. Sind sie da ins kalte Wasser geworfen worden?

Enochs: Ja, das kam sehr plötzlich. Es war keine Frage, sondern Manager Lothar Gans hat gesagt: Joe, wir müssen was tun! Und ich habe gesagt: Okay. Wenn ich dem Verein helfen kann, dann mache ich das auch sehr gerne. Mir macht es unheimlich viel Spaß, weil die Mannschaft absolut intakt ist.

SPORT1: Und was machen Sie ab Montag, wenn die Übergangsfrist der DFL definitiv zu Ende ist? Rücken Sie als zweiter Mann hinter Nachwuchschef Heiko Flottmann, der als einziger im Verein die Profi-Trainerlizenz besitzt?

Enochs: Ich habe mir keine großen Gedanken gemacht, was nach dem Bielefeld-Spiel passiert. Ich weiß, dass ich Sonntag zum Zweitligaspiel nach Paderborn fahre. Welche Aufgabe ich danach habe, ist mir letztendlich egal. Es geht nicht um mich, es geht um den Verein und in welcher Form auch immer ich den VfL unterstützen kann: Ich bin bereit. Auch wenn ich die Auswärtsspiele wieder in meiner Kneipe schaue.

SPORT1: Zuvor kommt es zum Kellerduell gegen Arminia Bielefeld. Ist das schon ein "Endspiel" für den VfL?

Enochs: Auf jeden Fall ein ganz wichtiges Spiel. Die Bielefelder können meiner Meinung nach befreit aufspielen, weil sie nichts mehr zu verlieren haben. Die Mannschaft hat sich in den letzten Wochen sehr gut präsentiert, auch wenn sie nicht immer gepunktet hat. Deswegen ist es eine Art Endspiel, aber nicht das letzte Spiel.

SPORT1: Erwarten Sie ein richtig hitziges Derby?

Enochs: Definitiv! Wer hier in Osnabrück lange genug gelebt hat, weiß, dass es gegen Bielefeld oder Brauschweig die besonderen Spiele sind. Und jetzt sorgt die Tabellensituation für zusätzliche Brisanz. Aber davor haben wir keine Angst, sondern wir freuen uns darauf.

SPORT1: Nach Ihrem Einstand beim 2:2 in Karlsruhe war zu lesen, man habe Ihre Handschrift schon deutlich gespürt. Gibt es einen "Joe Enochs"-Fußball?

Enochs: Das weiß ich nicht. Ich war als Spieler dafür bekannt, dass ich auf dem Platz alles gegeben habe. Ich wusste, was ich gut kann und das habe ich gemacht: Meine Mitspieler einzusetzen, dort wo sie ihre Stärken haben. Was ich der Mannschaft jetzt vor allem gegeben habe, ist ein bisschen mehr Mut, ein bisschen mehr Hoffnung. Das war schon in Karlsruhe zu erkennen, und das hat mich trotz des späten Gegentreffers zuversichtlich gemacht.

SPORT1: Warum glauben Sie, dass der VfL diesmal aus dem Fahrstuhl aussteigen kann und in der Liga bleibt?

Enochs: Ich sehe im Training, mit welchem Engagement die Mannschaft dabei ist. Diese ehrliche Arbeit wird am Ende belohnt, davon bin ich überzeugt.

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