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Die pure Enttäuschung: Rostock ist der schlechteste aller drei Bundesliga-Absteiger © imago

Aufsichtsratschef Horst Klinkmann dankt ab, für Coach Eilts hat der Klassenerhalt Priorität. Hansa Rostock steht am Scheideweg.

Von Tobias Schneider

München/Rostock - Sportliche Talfahrt, Führungskrise, aufgebrachte Fans:

Nach dem völlig verkorksten Saisonstart schlagen bei Hansa Rostock die Wellen hoch.

Neu-Coach Dieter Eilts (Porträt) gesteht bereits ein, dass es beim zuletzt desolaten Bundesliga-Absteiger "ganz klar gegen den Abstieg" geht.

Ausgerechnet in dieser schweren Krise verlässt der langjährige Kapitän die Hansa-Kogge.

Skambraks übernimmt

Auf der emotionsgeladenen Mitgliederversammlung dankte Aufsichtsratschef Horst Klinkmann nach über elf Jahren im Amt ab und hinterließ zunächst einen kopflosen Klub.

Jetzt steht der Nachfolger fest: Am Donnerstagabend bestimmte neu gewählte Aufsichtsrat überraschend Adalbert Skambraks zum neuen Vorsitzenden des siebenköpfigen Gremiums.

"Bevor wir bei Hansa wieder etwas ernten können, müssen wir noch ein paar Körner streuen", sagte der Landwirt nach seiner Ernennung..

Wahl per Standing Ovations

Der 73-Jährige, 1965 Gründungsmitglied des Vereins und seit 1997 Aufsichtsratsboss, wurde zum Ehren-Aufsichtsratsvorsitzenden auf Lebenszeit ernannt.

Nicht per Wahl - sondern per Standing Ovations: "Ein sehr bewegender Moment. Der gesamte Saal ist aufgestanden. So etwas gibt es im Profigeschäft nur sehr selten", sagte der sichtlich gerührter Klinkmann.

Doch diese Erfahrung wird auch beim Ex-Boss überlagert vom Schlingerkurs "seiner" Hansa-Kogge in Richtung Abgrund.

"Nach wie vor Potenzial für die ersten fünf"

Trotzdem bleibt Klinkmann Optimist: "Die Mannschaft hat nach wie vor das Potenzial, unter die ersten fünf zu gelangen", sagte Klinkmann, der Hansa Rostock verkörpert wie kein Zweiter, im Gespräch mit Sport1.de.

Schon auf der Mitgliederversammlung hatte er den Pessimisten den Wind aus den Segeln zu nehmen versucht:

"Ich sage allen Mitgliedern des Panikorchesters, die meinen, dies sei die tiefste Krise der Vereinsgeschichte: Wir haben schon viel tiefere Täler durchschritten."

Eilts: "Es geht gegen den Abstieg"

Während Klinkmann sichtlich bemüht ist, die sportliche Krise bei Hansa nicht überzubewerten, schrillen bei Trainer Dieter Eilts nach der 0:1-Debütpleite gegen 1860 München ("Hansa weiter in der Krise") bereits die Alarmglocken:

Mit 14 Zählern rangiert Rostock auf Platz 14 (Tabelle) und ist nur einen Punkt vom Relegationsplatz zur Dritten Liga entfernt.

"Man merkt der Mannschaft die Verunsicherung an, der finale Pass kommt nicht an, es fehlt an der Konzentration. Es geht nicht von jetzt auf gleich, sondern nur Schritt für Schritt", konstatierte der ehemalige U-21-Nationalcoach.

Eilts fordert Geduld. Geduld, die die Hansa-Fans bei der kläglichen Niederlage gegen die "Löwen" nicht hatten und auch in den vorangegangenen Partien nicht.

Stattdessen begleiteten Schmähgesänge und ein gellendes Pfeifkonzert die Hansa-Akteure über nahezu die gesamte Spieldauer.

Satter Gewinn

Wirtschaftlich hui, sportlich pfui: Gemessen an den nackten Zahlen war die abgelaufene Saison für Hansa dagegen ein voller Erfolg:

3,2 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftete Rostock in der Saison 2007/2008.

Doch der Teufel steckt im Detail. Der Großteil des Gewinns resultierte in der Abstiegssaison aus dem Ausbleiben von Prämienzahlungen.

Außerdem rechnen die Hansa-Bosse für die laufende Spielzeit mit einem Verlust von 1,84 Millionen Euro, Liquiditätsengpässe sollen dadurch aber keine entstehen.

Viel Geld steht für eventuelle Neuverpflichtungen in der Winterpause also nicht zur Verfügung. Trübe Zeiten an der Ostsee.

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