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Heiko Flottmann war in der Saison 1993/94 schon Interimstrainer beim VfL © getty

Osnabrück steht mit dem Rücken zur Wand. Der neue Trainer Heiko Flottmann soll den VfL jetzt retten - und greift gleich hart durch.

Von Christian Stüwe

München - Heiko Flottmann hat es derzeit nicht leicht.

Der 54-Jährige hat erst vor wenigen Tagen den Posten des Cheftrainers beim VfL Osnabrück von Joe Enochs übernommen, da diesem die nötige Lizenz fehlte.

Flottmann ist damit bereits der dritte Trainer in dieser Saison in der Osnatel-Arena.

Sportlich ist die Situation angespannt, der VfL belegt den Relegationsplatz und kämpft gegen den Abstieg (DATENCENTER: Zweite Liga).

Drei Profis suspendiert

Doch damit nicht genug: Björn Lindemann und Kevin Schöneberg erschienen am Sonntag verspätet und alkoholisiert zum Training.

Die beiden wurden zusammen mit Tobias Nickenig, der ebenfalls zu spät dran war, suspendiert (Bericht).

Ohne die drei Spieler geht der VfL nun in die wichtige Partie gegen den FSV Frankfurt (ab 17.45 Uhr im LIVE-TICKER).

ImSPORT1-Interview spricht Heiko Flottmann über die Vorfälle und den Abstiegskampf mit den "Lila-Weißen".

SPORT1: Herr Flottmann, drei Ihrer Spieler wurden suspendiert. Wie hat es die Mannschaft aufgenommen?

Heiko Flottmann: Im Training und in Einzelgesprächen war eine durchaus positive Resonanz zu spüren. Im Spielerkreis wurde die Maßnahme offenbar still gefordert.

SPORT1: Im Abstiegskampf könnten Sie die drei Spieler sicherlich gut gebrauchen. Wie wollen Sie die Ausfälle kompensieren?

Flottmann: Sicherlich waren sie wichtige Mosaiksteine und wir haben auch nicht den größten Kader. Aber wir haben Leute, mit denen wir den Ausfall kompensieren können. Wir wollen dadurch nochmal enger zusammenrücken. Lindemann hat viele wichtige Spiele gemacht, aber auch nicht immer gespielt in den letzten Monaten. Wir können die Ausfälle durch die anderen Spieler im Kader auffangen. Einige andere Spieler haben sich in den letzten drei Wochen immer mehr in den Vordergrund gespielt. Die haben sich gut entwickelt.

SPORT1: Konnten Sie sich denn mit der Mannschaft trotz der Vorfälle einigermaßen konzentriert auf das Spiel gegen den FSV Frankfurt vorbereiten?

Flottmann: Zu Beginn der Woche war das sicherlich nicht ganz einfach. Aber jetzt haben wir den Fokus voll und ganz auf den FSV Frankfurt gerichtet und können uns gut darauf vorbereiten.

SPORT1: Zuletzt gab es ein 0:4 in Berlin. Hat die Mannschaft die Niederlage gegen die Hertha verdaut?

Flottmann: Da gab es nicht so viel zu verdauen. Natürlich verliert niemand gerne 0:4. In der zweiten Halbzeit war das nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Die erste halbe Stunde war okay, aber dann haben wir zu viele Fehler gemacht und zu viele Tore zugelassen. Das darf nicht passieren. Wir werden in den nächsten vier Partien auch nicht fehlerfrei spielen, aber wir müssen die Fehlerzahl einfach minimieren.

SPORT1: In Osnabrück wird vor der Partie gegen Frankfurt von einem "Schicksalsspiel" gesprochen. Sehen Sie das ähnlich?

Flottmann: Es ist ein ganz wichtiges Spiel. Wir haben ja nur noch vier Möglichkeiten, Punkte zu sammeln. Und das ist eine davon. Das ist kein K.o.-Spiel wie im Pokal, aber es ist ein Heimspiel und eines der letzten vier. Wir wissen um die Bedeutung und den Druck.

(Auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

SPORT1: Paderborn, Bochum und Ingolstadt sind die verbliebenen Gegner. Wie schätzen Sie das Restprogramm ein?

Flottmann: Wir gucken nicht auf die Gegner, die Tabellenplätze, oder ob wir auswärts oder zuhause spielen. Wir müssen einfach Punkte sammeln. Wir sind in einer Situation, in der wir aus eigener Kraft noch etwas bewegen können. Wir brauchen nicht immer nur auf die anderen Plätze zu schielen. Wir müssen uns auf unsere eigenen Fähigkeiten konzentrieren. Wenn wir gegen Frankfurt drei Punkte holen, haben wir es in den anderen Spielen leichter.

SPORT1: Auch wenn Sie nicht auf die Konkurrenz schauen wollen, werden Sie am Samstag sicherlich die Partie zwischen den beiden härtesten Konkurrenten Oberhausen und Karlsruhe verfolgen. Nach einem Sieg gegen Frankfurt könnten Sie sich das Spiel sicher ganz entspannt anschauen, oder?

Flottmann: Genau so ist es. Das ist Druck auf dem Spiel. Die Partie lässt sich wesentlich leichter verfolgen, wenn wir am Donnerstag drei Punkte holen.

SPORT1: Das Engagement in Osnabrück ist für Sie die erste Station im Profibereich. Haben Sie trotz der schwierigen Lage Spaß an der Aufgabe?

Flottmann: Ich bin schon fast 30 Jahre beim VfL Osnabrück und ich war auch schon mal Cheftrainer. Mir macht das riesigen Spaß. Es ist natürlich auch eine große Verantwortung. Aber hier als Osnabrücker so eine Berufung zu kriegen, die höchste Mannschaft eine Zeit lang führen zu dürfen, das macht schon stolz.

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