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Markus Babbel ist seit dem 1. Juli 2010 Cheftrainer bei Hertha BSC © imago

Herthas Trainer hat mit dem Aufstieg die Erwartungen erfüllt und dabei viel mehr erreicht als man auf dem ersten Blick sieht.

Von Dustin Werk

München - Auf den ersten Blick hat Markus Babbel bei Hertha BSC das erreicht, was von ihm erwartet wurde: Der Aufstieg.

Doch hinter seiner Arbeit steckt viel mehr als nur der sportliche Erfolg.

Der riesige Druck, der auf dem gebürtigen Münchner lastete, schien ihn nicht abzuschrecken, sondern eher anzuziehen:

"Mir hat die Herausforderung, Hertha wieder nach oben zu führen, unheimlich gefallen", sagte er der "BZ".

Das sagt vieles über den Charakter Babbels aus. Als jahrelanger Spieler beim FC Bayern und FC Liverpool, lebt Babbel das Sieger-Gen vor, ließ damit keinen Zweifel an einem Scheitern zu.

Babbel und Berlin - das schien vom ersten Moment an zu passen. Mit seiner offenen Art und seinen klaren Ansagen machte er sich in der Hauptstadt viele Freunde.

Er betonte stets, dass es für ihn und den Klub nur um den Aufstieg gehe.

Deshalb hat er sich wohl auch auf einen Einjahresvertrag eingelassen, der sich nun automatisch um ein weiteres Jahr verlängert.

"Zeigen Nervenstärke"

Selbst als Hertha im November die einzige Schwächephase der Saison durchlitt und vier von fünf Spielen verlor, zweifelte er nie am Aufstieg.

Dabei hieß es, die Mannschaft könne nicht kämpfen und sei zu weich für die Zweite Liga, vor allem mental nicht auf die Gegebenheiten eingestellt.

"Wir haben aus den Fehlern der Hinrunde gelernt und sie abgestellt. Jetzt, wo die anderen Nerven zeigen, zeigen wir Nervenstärke."

Ein Verdienst Babbels

Ein klarer Verdienst Babbels. Schließlich hat Hertha in den Jahren zuvor oftmals in den großen Spielen versagt.

Eine einzige Niederlage kassierte seine Hertha in der Rückrunde.

Dass diese ausgerechnet im Derby gegen Union Berlin war, ist im Nachhinein ein kleiner, aber pikanter Randaspekt.

Schließlich hat Hertha danach kein Spiel mehr verloren, acht von zehn Partien gewonnen und somit die Konkurrenz aus Augsburg und Bochum hinter sich gelassen.

[kaltura id="0_7whbr8kw" class="full_size" title="Berlin startet Riesensause"]

Dabei hielt er sogar sein noch vor der Saison abgegebenes Versprechen, auf junge Spieler zu setzen.

Mit dem 19-jährigen Pierre-Michel Lasogga förderte er den Shooting-Star der Saison und ließ dafür den Königstransfer Rob Friend auf der Bank.

Ein Zeichen seiner Konsequenz und Autorität. Galt er in Stuttgart noch als softer Trainer, der auf einer Wellenlänge mit dem Spielern liegt, hat er sich in Berlin als Disziplinfanatiker gezeigt.

"Er ist ein Perfektionist"

Selbst bei der Aufstiegsparty nach dem Sieg in Duisburg musste jeder Spieler mit dem Alkohol maßhalten.

Schließlich steht am Freitag das Spiel gegen die Münchner "Löwen" an: "Der Trainer ist eben Perfektionist und will den größtmöglichen Erfolg", sagte Lasogga nach dem Duisburg-Sieg.

Dieser Erfolg soll in Form der "Meisterfelge" geschehen. Mit drei Siegen aus den letzten drei Spielen könnte Hertha außerdem einen neuen Punkterekord für die Zweite Liga aufstellen.

Erwartungen mehr als übertroffen

Bei Babbels Jagd nach dem Erfolg setzte er insgesamt sieben Spieler ein, die 20 Jahre oder jünger waren und schaffte somit eine neue Identifikation mit Hertha im wankelmütigen Berliner Publikum.

45.000 Zuschauer im Schnitt haben selbst die extremsten Erwartungen übertroffen. So wurde der vor der Saison angepeilte Schnitt von 30.000 Zuschauern von der DFL als unrealistisch eingestuft und herabgesetzt.

Team für Bundesliga gerüstet

Neben dem großen Erfolgsdruck hat es Babbel geschafft, ein Team aufzubauen, das auch für die Bundesliga gerüstet sein sollte.

Schließlich besteht sein Kader aus erfahrenen und geprüften Bundesligaspielern, die er nun eingespielt auf das Oberhaus loslassen möchte.

"Es wird nicht so einen Einschnitt passieren wie beim letzten Aufstieg in den 90er Jahren als zehn neue Spieler kamen", sagte Preetz.

Der Kern bleibt zusammen

Präsident Werner Gegenbauer kündigte an, dass lediglich zwei, drei Neuzugänge kommen sollen.

Der Kern der Mannschaft bleibe zusammen und müsse die neue Mission erfüllen: "Klassenerhalt in Liga eins."

Auf der Torwartposition und bei den Außenverteidigern soll wohl noch nachgerüstet werden.

Was wird aus dem Tattoo?

Aber auch die Tattoo-Front müsste bei der konsequenten Art Babbels erweitert werden.

So hat er vor der Saison angekündigt, sich im Falle der Meisterschaft die Hertha-Fahne auf die Brust tätowieren zu lassen.

"Ich lasse mir was einfallen", so Babbel.

In seiner Hertha-Zeit hat er das bisher immer getan.

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