Augsburgs Quasi-Aufstieg ist nicht nur der Verdienst sportlicher Stärke, sondern auch ein Muss. Wegen des Stadion-Baus.

Der FC Augsburg darf sich feiern lassen.

Wer mehr oder weniger die gesamte Saison lang neben Hertha BSC vorneweg marschiert, hat den erstmaligen Sprung in die Beletage des deutschen Fußballs völlig verdient.

Die zweitwenigsten Gegentore kassiert, ausstaffiert mit der drittbesten Zweitliga-Offensive - sportlich gibt es am direkten Aufstieg wenig zu rütteln.

Zumal das Team von Erfolgstrainer Jos Luhukay auch schon im Vorjahr dicht dran war, nur wegen der misslungenen Relegation gegen den 1. FC Nürnberg im Unterhaus bleiben musste.

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Natürlich darf niemand erwarten, dass die Schwaben weiterhin spielerisch die Puppen tanzen lassen werden wie nun beim offensiv-berauschten letzten Schritt zum Aufstieg (Bericht und 399670Bilder).

Es wäre eher normal denn verwunderlich, müsste man als Neuling gleich wieder runter wie aktuell der letztjährige Aufsteiger FC St. Pauli.

"Mit dem Aufstieg hat auch schon der Abstiegskampf in Bundesliga angefangen", mahnt Manager Andreas Rettig deshalb schon mal vorsorglich in die Euphorie hinein.

Was freilich auch bedeutet, dass Verstärkungen unabdingbar sind.

Im Hier und Jetzt spielt das trotzdem keine Rolle - für den Augsburger an sich sowieso nicht: Seit Helmut Haller, bislang einziger Nationalspieler der Stadt, 1973 aus Italien zurückgekehrt war und Augsburg (vergebens) an die Tür zur Bundesliga klopfte, fristete der Klub schließlich ein kärgliches Dasein.

Eine gefühlte Ewigkeit lang und noch bis vor sechs Jahren tingelte man durch die Bayern- und Regionalliga.

Außerhalb der knapp 300.000-Einwohner-Stadt dachten viele, wie die Tageszeitung vor Ort kürzlich schrieb, die Buchstaben FCA stünden für eine Versicherung gegen Blattläuse im Garten.

Das hat sich nun erledigt. Genauso wie die Sorge von Klub, Stadt und manchem Geldgeber, seit 2009 ein großartiges wie 45 Millionen Euro teures Stadion vor den Toren der Stadt zu haben. Darin statt Erstliga-Fußball mit den Stars der Liga aber allenfalls temporäre Highlights wie demnächst die Frauen-WM austragen zu können, obwohl die Zielsetzung eine andere war.

Der Aufstieg rechnet und rechtfertigt insofern die große Investition, die in Augsburg nicht unumstritten war, die zudem das Ende für das liebgewonnene Rosenaustadion bedeutete.

Bei einem weiteren Jahr nur in der zweiten Reihe hätte es wohl enormen Diskussionsbedarf und auch kommunalpolitisch manchen Konflikt gegeben.

Insofern ist der Sprung in die Bundesliga auch ein Triumph für den Sport-Standort Augsburg.

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