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Andreas Rettig (r.) ist seit Juli 2006 Manager beim FC Augsburg © getty

Im Interview spricht Andreas Rettig über die Augsburger Aufstiegsfeier, die Chancen der im Oberhaus und das letzte Saisonspiel.

Von Christian Stüwe

München - Vom Party-Marathon (399670Bilder des Aufstiegs) gerade erst erholt, richtet der FC Augsburg den Blick bereits nach vorne.

Nach dem 2:1-Sieg gegen Frankfurt (Spielbericht) ist dem FCA der erste Bundesliga-Aufstieg der Geschichte nur noch theoretisch zu nehmen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Dort wollen die Fuggerstädter weiter auf eine starkes Kollektiv setzen, Mannschaften wie Mainz oder Hannover sollen dem FCA als Beispiel dienen.

Im SPORT1-Interview spricht Augsburg Manager Andreas Rettig über die Aufstiegsfeier, die Chancen der Augsburger in der Bundesliga und das letzte Saisonspiel vor 78.000 Zuschauern in Berlin.

SPORT1: Nach dem 2:1-Sieg gegen den FSV Frankfurt begannen die Augsburger Spieler noch vor laufenden Kameras eine ziemlich wilde Party. Wie ist es weitergegangen?

Andreas Rettig: Unsere Spieler haben bewiesen, dass sie auch erstklassig feiern können. Trainer Jos Luhukay und ich haben uns dem Alter entsprechend etwas zurückhaltender gegeben. Aber es war ein schöner Abend.

SPORT1: Nach dem späten Siegtor durch Stephan Hain konnte man Sie jubeln und tief durchatmen sehen. Wie groß war die Erleichterung?

Rettig: Das war ja nicht nur bei mir so. Man konnte bei allen Beteiligten sehen, wie groß die Freude war. Alle, die es gut mit uns meinen, haben sich gefreut. Und das waren viele an diesem Tag.

SPORT1: Konnten Sie schon realisieren, dass der FCA etwas Historisches geschafft hat?

Rettig: Ich muss es schon noch etwas sacken lassen. Aber am Offensichtlichsten wurde es, als wir am Rathaus standen und tausende Menschen da waren und "Nie mehr Zweite Liga!" skandiert haben. Das berührt einen dann doch schon sehr.

SPORT1: Sie kennen die Bundesliga sehr gut, ist der FC Augsburg schon erstligareif?

Rettig: Mit dem Abpfiff am Sonntag hat der Abstiegskampf in der Bundesliga für uns begonnen. Wir sind gewappnet. Denn das wird schwer.

SPORT1: Sie haben direkt nach dem Abpfiff schon vom Abstiegskampf gesprochen. Das war also tatsächlich ernst gemeint?

Rettig: Natürlich. Man sollte nicht jetzt im Überschwang der Gefühle - dazu neigen wir in Augsburg aber ohnehin nicht - mit Sprüchen operieren. Ich finde, man kann auch Erfolg haben, ohne dass man ihn vorher ankündigt.

SPORT1: Aber mit der Aufstiegs-Euphorie sollte doch schon etwas möglich sein?

Rettig: Ja, schon. Aber wir wissen, dass die Bundesliga eine andere Liga ist, als die, in der wir jetzt spielen.

SPORT1: Aber das Ziel ist schon die Etablierung in der Bundesliga?

Rettig: Unser Ziel ist es, zu den 20 besten Mannschaften in Deutschland zu gehören. Das schließt automatisch auch den ersten und zweiten Platz der Zweiten Liga mit ein.

SPORT1: Also ist ein Abstieg durchaus eingeplant?

Rettig: Wir werden eine Mannschaft sein, die sich genau an dieser Nahtstelle zwischen Bundesliga und Zweiter Liga bewegen wird. Das muss uns bewusst sein. Aber es ist schön, dass wir jetzt mal mit den "großen Jungs" spielen dürfen.

SPORT1: Ihre Spieler verabschieden sich jetzt bald in die Sommerpause, aber auf Sie kommt vermutlich sehr viel Arbeit zu. Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Rettig: Zunächst mal ist es ein Vorteil, dass der Urlaub in der Bundesliga etwas länger ist. Das haben die Jungs sich auch verdient. Damit haben wir auch ein bisschen mehr Urlaub. Wir werden die Kaderplanung in dem bewährten Team mit den Trainern und dem Präsidenten dann bald angehen. Wir werden dann versuchen, Entscheidungen zu verkünden.

SPORT1: Die Mannschaft soll als Kollektiv im Vordergrund stehen, Vereine wie Hannover, Mainz oder Freiburg als Vorbild dienen. Heißt das, dass der Aufstiegskader nur punktuell verstärkt wird?

Rettig: Verstärkungen sind natürlich schon das Ziel, keine Frage. Aber Sie haben Recht, das ist unser Augsburger Weg. Die Summe aus den elf Einzelspielern muss mehr sein als elf. Das ist die einzige Chance, die wir haben.

SPORT1: Zum Saisonabschluss steht das Spiel beim feststehenden Meister Hertha BSC Berlin an. Können Sie das total genießen oder gibt es da noch sportlichen Ehrgeiz?

Rettig: Ich kann nur für mich sprechen, also ich werde es genießen, ganz sicher. Vor 78.000 Zuschauern, das gab es noch nicht in der Zweiten Liga. Ich gehe davon aus, dass unsere Spieler auch Spaß haben. Am liebsten wäre es mir, wenn viele, viele Tore fallen. Und wenn eine ungerade Anzahl an Toren dabei ist, haben wir vielleicht auch Grund zu jubeln.

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