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Dresdens Torwart Benjamin Kirsten feiert mit den Fans den Aufstieg © getty

Nach Dresdens Aufstieg folgen Ausschreitungen auf die Begeisterung. Die Osnabrücker lassen ihrem Frust freien Lauf.

Von Christian Stüwe

München - Unterschiedlicher hätten die Bilder kaum sein können.

Dynamo Dresdens Trainer Ralf Loose hatte das gelbe Aufstiegsshirt mit der Aufschrift "Die SGD ist wieder da!" übergestreift, war frisch mit Bier geduscht und konnte seine Freude nur mühsam verbergen, während Osnabrücks Trainer Heiko Flottmann verbittert wirkte.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Zweimal sind wir mit großer Moral einem Rückstand hinterhergelaufen", sagte Loose: "Wir waren in beiden Spielen die bessere Mannschaft und haben verdient gewonnen."

Flottmann wollte das so nicht stehen lassen und attackierte sein Gegenüber. 409436(DIASHOW: So feiert Dresden)

"Glückwunsch an Dynamo Dresden und Ralf Loose", presste der VfL-Trainer hervor: "Aber da ich der Ältere bin, darf ich vielleicht auch mal einen Ratschlag geben. Schon nach dem ersten Spiel fand ich es arrogant und vermessen, von der besseren Mannschaft zu sprechen."

Die 1:3-Niederlage nach Verlängerung (Bericht) in der Osnatel-Arena und der damit verbundene Abstieg der Lila-Weißen hatte Spuren bei dem Osnabrücker Urgestein hinterlassen.

Letztlich musste er aber einräumen, dass Dynamo die "erfolgreichere Mannschaft" war und suchte die Fehler bei seiner Mannschaft.

Bengalos schon nach dem Ausgleichstreffer

Man habe nach vorne nicht konsequent genug gespielt, ärgerte sich Flottmann: "Und vor dem 1:2 kann man alles mit dem Ball machen, anstatt ihn zur Ecke zu dreschen. Aber es ist ja meistens so, dass aus persönlichen Fehlern Tore entstehen."

Jan Mauersberger (45.) hatte Osnabrück in Führung gebracht, Cristian Fiel (61.) glich aus und sorgte dafür, dass die Partie in die Verlängerung ging.

Schon nach dem Ausgleichstreffer zündeten die Dresdner Fans Bengalos, die wiederrum Transparente und Fahnen in Brand setzten und sorgten so für eine Spielunterbrechung.

[kaltura id="0_5ey8ieqf" class="full_size" title="Party in schwarz gelb"]

Dynamo-Fans stürmen den Platz

Als Torjäger Dani Schahin (94.) und Robert Koch (119.) dann in der Verlängerung den Sieg sicher stellten, gab es kein Halten mehr.

Die Dresdner Fans stürmten den Platz und zwangen Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer, die zu diesem Zeitpunkt bereits entschiedene Partie ein wenig früher abzupfeifen.

Es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei und den Sicherheitskräften, Stücke des Rasens und sogar Sitzschalen wurden herausgerissen.

Polizisten wurden mit einem Laserpointer attackiert.

Loose beschönigte die Vorfällen nach Abpfiff.

"Der Verein tut sehr viel, um diese Dinge zu ordnen. Eigentlich ist es hier doch ganz glimpflich über die Bühne gegangen", sagte der 48-Jährige.

Mittelfeldspieler Fiel mahnte sanft: "Die Fans müssen sich ein bisschen im Zaum halten."

14 Festnahmen

Doch auch die heimischen Fans ließen ihrem Frust freien Lauf. VfL-Ultras versuchten die Geschäftsstelle und den VIP-Raum der Osnatel-Arena zu stürmen.

Ein Stadionbesucher versprühte Pfefferspray im VfL-Fanblock.

Am Mittwochmorgen zog die Osnabrücker Polizei Bilanz. Offenbar konnte Schlimmeres verhindert werden, insgesamt wurden aber 14 Personen festgenommen.

Kreuzbandriss bei Gerrit Müller

Zudem verletzte sich Dynamos Einwechselspieler Gerrit Müller schwer.

Der erst in der 74. Minute in die Partie gekommene Mittelfeldspieler erlitt in der Verlängerung einen Kreuzbandriss im linken Knie und wird dem Verein voraussichtlich ein halbes Jahr fehlen.

Der Jubelstimmung bei Dynamo konnte aber auch diese Hiobsbotschaft keinen Abbruch tun.

1.500 Fans empfangen die Aufsteiger

"Ich kann es gar nicht realisieren", freute sich Torschütze Schahin: "Jetzt steht eine Feier an."

Als die Aufstiegshelden spät in der Nacht in der Nähe von Dresden landeten, standen bereits 1.500 Fans bereit und empfingen die Spieler.

Für Mittwoch ist die große Aufstiegsparty mit Autokorso geplant.

"Ab heute ist das Alkoholverbot aufgehoben", kündigte Loose nach fünf Jahren in der Drittklassigkeit an. "Jetzt erst verstehe ich so richtig, wie wichtig der Aufstieg in die Zweite Liga für diese Region ist", sagte Loose, der von Fans und Spielern gefeiert wurde.

Loose, gerade 40 Tage an der Elbe in Amt und Würden, stand nicht zu Unrecht im Mittelpunkt der Ovationen. Unter seiner Regie startete der Ex-Bundesligist eine Erfolgsserie, die in dem Sieg bei den leicht favorisierten Niedersachsen ihren spektakulären Höhepunkt fand.

Kirsten: Lob für den Junior

Auch Dresdens Klub-Ikone Ulf Kirsten jubelte mit. "Die Mannschaft von Dynamo hat sich super präsentiert. Der Aufstieg war völlig verdient, weil Dresden in beiden Spielen den besseren Eindruck hinterlassen hat", sagte der einstige Top-Stürmer, dessen Sohn Benjamin für Dynamo das Tor hütet.

"Er hat in beiden Spielen eine gute Leistung gezeigt und war sicherer Rückhalt der Mannschaft", meinte Kirsten senior.

Weniger Bürgschaften benötigt

Die finanziellen Sorgen in Dresden haben sich durch den Aufstieg messbar verringert. Bei einem Verbleib in der Dritte Liga hätte Dynamo Bürgschaften in Höhe von 2,045 Millionen Euro nachweisen müssen, nun liegt diese Summe bei 830.000 Euro.

Und die ist schon fast gedeckt, denn zu Sponsorenzusagen von 600.000 Euro kommen 105.000 Euro, die auf dem Treuhandkonto einer vom Verein initiierten Fan-Bürgschaft liegen. In den kommenden fünf Tagen hofft man auf weitere Eingänge.

Enochs fehlen die Worte

Bei Osnabrück hingegen herrschte nach dem vierten Abstieg im neuen Jahrtausend Katzenjammer vor.

"Es tut mir sehr leid für die Fans und den Verein", sagte Teammanager Joe Enochs: "Ich kann es noch gar nicht in Worte fassen."

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