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Holger Fach (l.) trainiert den FC Augsburg seit April 2008 © getty

Kaum zu glauben: Es ist keine zwei Monate her, dass in Augsburg der Baum brannte. Acht Spieltage später wird wieder geträumt.

Von Christian Paschwitz

Augsburg - Die These wirkt kühn, kaum nachvollziehbar.

"Zu Saisonanfang haben wir auch gute Spiele gemacht - vielleicht sogar die besseren", sagt Sven Neuhaus.

Seltsame Einschätzung vom Schlussmann des FC Augsburg, möchte man meinen. Schließlich hatte es für den FCA in der Zweiten Liga bis zum siebten Spieltag sechs Pleiten gesetzt.

Mit drei Punkten war das Team von Holger Fach auf dem vorletzten Platz - und der Trainer seinen Job eigentlich schon los.

Mit St. Pauli kommt die Wende

Nicht einmal eineinhalb Monate ist er her, der 19. Oktober. Doch dann, als der FCA ein 1:2 ab der 79. Minute noch in ein 3:2 duselte, kam die Welle, "von der wir nun getragen werden", diagnostiziert Neuhaus, "und wo uns viele Dinge leichter fallen."

Mehr als das: Augsburg ist die Mannschaft der Stunde, ist im Unterhaus seither ungeschlagen. Gäbe es eine separate Tabelle für den Zeitraum achter bis 15. Spieltag, die Augsburger wären Spitzenreiter mit einer Ausbeute von 18 Punkten (13:7 Tore).

Jetzt beim Kellerkind Wehen

Vor dem Match beim Tabellenvorletzten SV Wehen Wiesbaden (So., ab 13.45 Uhr LIVE) bleibt den Schwaben tatsächlich nur Rang zehn - und die Frage, wohin in den verbleibenden drei Partien bis zur Winterpause die Reise geht beim Team mit den zwei Gesichtern.

Natürlich wiegeln sie angesichts neu aufkeimender Hoffnungen ab, die manchen bisweilen gar schon wieder vom Aufstieg träumen lassen.

"Mal sehen, was da geht"

Und doch lassen sie sich ein Hintertürchen offen, was höhere Ziele angeht: "Wir haben hinten jetzt dreimal sehr gut gestanden Wir wollen weiter verfahren wie bisher", sagt Neuhaus und ergänzt: "Dann wollen wir mal sehen, was da geht."

Zuletzt gingen fünf Siege aus den letzten acht Spielen. "Das ist fantastisch", befand Fach nach dem jüngsten 2:0 über Hansa Rostock. (alle Ergebnisse von Augsburg)

Bis zum Winter alles mitnehmen

Der Coach meint zwar, die Ziele des Verein sein "unverändert, nämlich besser abschneiden als in der letzten Saison", als der Klassenerhalt erst auf den letzten Drücker gelang. "Doch wir wollen versuchen, bis zum Winter alles mitzunehmen", betont Fach.

Da war sie wieder, Augsburgs gebremste Angriffslust im kürzlich kaum für möglich gehaltenen Höhenflug.

Großes Potenzial

Dass die Mannschaft inzwischen durchaus Ansprüche stellt, lässt Keeper Neuhaus zwischen den Zeilen durchblicken: "Es ist von vornherein klar gewesen, dass wir eine Mannschaft haben, die über großes Potenzial verfügt."

Reif ist sie sowieso, nicht zuletzt dank Spielern wie Top-Torjäger Sandor Torghelle (sechs Saisontore) und Michael Thurk (zum Porträt) .

"Aber erfahren waren wir auch schon vor ein paar Wochen", sagt Neuhaus. "Unabhängig davon geht es doch grundsätzlich darum, die Zweikämpfe zu gewinnen."

Zwei Sechser, eine Spitze

Das tun die Augsburger inzwischen mit dem von Fach abgewandelten System aus zumeist zwei Sechsern und nur einer echten Spitze (Torghelle). Zu Saisonbeginn hatte es mit nur einem Abräumer und zwei Angreifern kaum etwas zu ernten gegeben.

Dazu steht hinten die Null, bereits seit drei Partien in Folge. "Das ist für uns als Mannschaft nicht ganz so wichtig", sagt Neuhaus. "Sondern das Eisen so lange zu schmieden, wie es heiß ist."

Kraft des Moments

Angesichts der schnellen Führung gegen Rostock (Spielbericht) dank Thurk (2.) bemüht auch Fach die Kraft des Moments.

"Es fängt sehr positiv an. Dass man früh in Führung geht, ist uns in der laufenden Saison genau anders herum passiert."

Der Übungsleiter, für den es nicht verwunderlich ist, "dass wir im Moment so kompakt und so gut spielen", sieht seine Schützlinge allein "bei den ein anderen Standards" nicht immer im Bilde: "Das kann normalerweise anders angehen"

Aber was heißt derzeit schon "normal" in Augburg?

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