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Friedhelm Funkel - 457 Spiele: Trainer u.a. bei Eintracht Frankfurt, Hertha BSC Berlin und Bochum
Friedhelm Funkel übernahm den fL Bochum nach dem Abstieg 2010 © getty

Der Terminplan stößt einigen Klubs noch immer sauer auf. Die Vorbereitung ist erschwert, finanzielle Einbußen drohen.

München - Unvollständige Kader, kaum Regeneration und massive wirtschaftliche Einbußen:

Der früheste Saisonstart in der Geschichte der Zweiten Liga bringt vor allem die Trainer in Rage.

"Der frühe Start ist scheiße!", sagte Bochums Trainer Friedhelm Funkel der "Sport Bild".

"Ich habe mit einigen Kollegen gesprochen. Niemand kann das verstehen. Normalerweise braucht ein Spieler fünf Wochen Urlaub und sechs Wochen Vorbereitung. Wir haben jetzt drei Wochen Urlaub und vier Wochen Vorbereitung."

Rebelliert hat Fast-Aufsteiger Bochum, der erst in der Relegation gegen Borussia Mönchengladbach gescheitert war, bei der Abstimmung über den Start der am 15. Juli beginnenden Zweitliga-Saison aber kurioserweise nicht.

"Als über die Neuerung abgestimmt wurde, war der FSV Frankfurt der einzige Klub, der dagegen votiert hat. Da wundere ich mich schon", sagte FSV-Coach Hans-Jürgen Boysen.

(Bericht: Frühstart? "Rumjammern gibt es nicht!")

Finanzielle Einbußen

Boysen unterstrich, dass den Zweitliga-Klubs wegen des frühen Saisonstarts Zuschauereinnahmen in beachtlicher Höhe fehlen werden.

Denn je nach Bundesland liegen bis zu sechs Spieltage in den Sommerferien.

"Die Liga startet mitten in den großen Ferien. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass das wirtschaftliche Einbußen für die Vereine zur Folge hat", sagte Boysen.

Ein weiteres Problem sind die Neuzugänge. Das spürt derzeit vor allem der Absteiger Eintracht Frankfurt, dessen Vorbereitung durch die Frauen-WM (26. Juni bis 17. Juli) ohnehin gestört ist.

Nur kurzfristige Transfers?

Da die Spieler bei anderen Klubs noch bis 30. Juni unter Vertrag stehen, können einige Transfers frühestens zwei Wochen vor Saisonbeginn über die Bühne gehen.

Außer, die Spieler erhalten vom abgebenden Verein eine vorzeitige Freigabe.

"Die große Problematik sind jetzt die Verträge. Wir sehen das rein sportlich. Demnach zahlen wir alle Spieler bis zum 30. Juni. Wer uns verlässt, bekommt trotzdem eine vorzeitige Freigabe", erklärte Frankfurts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen.

Auch Eintracht-Trainer Armin Veh ärgert sich. "Für mich ist das Unsinn. Ich denke nicht nur an die kurze Regenerationszeit", meinte er.

"Der Termin macht die Kaderplanung nicht leichter. Wenn man einen Spieler aus der ersten Liga verpflichten will, haben die noch Urlaub und stehen länger nicht zur Verfügung."

Fürth freut's

Allerdings gibt es auch Befürworter der neuen Regelung.

"Die Zweite Liga hat dadurch die Möglichkeit, sich selbstständig zu profilieren. Das ist eine gute Sache", sagte Präsident Helmut Hack von Greuther Fürth.

Da die Bundesliga erst drei Wochen später startet, rückt die Zweite Liga etwas mehr in den Vordergrund.

Weitere Vorteile für die Zweitligisten sieht Manager Andreas Rettig vom Aufsteiger FC Augsburg, der den Vorschlag bei der DFL durchbrachte.

Rettig vermutet Mehr-Einnahmen

Nach Ansicht Rettigs haben die Teams durch den früheren Saisonstart größere Chancen, die erste Runde im DFB-Pokal zu überstehen und zusätzliche Einnahmen für Neuzugänge zu generieren.

"Der DFB-Pokal wird aufgewertet", sagte Rettig: "Da geht es um 200.000 Euro plus Werbe- und Zuschauereinnahmen."

Dass die Zweite Liga durch den frühen Saisonstart mehr Aufmerksamkeit erhalten soll, bezeichnet zumindest VfL-Trainer Funkel als lächerlich.

"Dass wir eine höhere Aufmerksamkeit bekommen, ist Hohn. An dem Wochenende, an dem wir starten, steht doch das Endspiel der Frauen-WM im Fokus", sagte Funkel.

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