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Eintracht Braunschweig kehrt nach der Saison 2006/07 in die Zweite Liga zurück © getty

Braunschweig will aus seinen Fehlern lernen. Der Aufsteiger investiert in die Zukunft. Die Dauerkarten sind heiß begehrt.

Von Benjamin Bauer

München - Es herrscht Euphorie in Braunschweig. Nach dem souveränen Aufstieg in die Zweite Liga feierten Fans und Verein den Drittliga-Meister ausgiebig und blicken mit Vorfreude auf die neue Spielzeit.

Oberstes Ziel der Verantwortlichen ist es, den Deutschen Meister des Jahres 1967 in der zweithöchsten Spielklasse zu halten und auf längere Sicht zu etablieren.

Um dies zu realisieren, setzt die sportliche Führung ihren in der Dritten Liga eingeschlagenen Weg fort.

Statt ehemalige Bundesliga-Profis zu verpflichten oder sich aus dem Fundus der osteuropäischen Ligen zu bedienen, versuchen Trainer Torsten Lieberknecht und der Sportliche Leiter Marc Arnold das Team überwiegend mit jungen, hungrigen und ablösefreien deutschen Talenten zu verstärken.

Aus den Fehlern lernen

Die Verantwortlichen der Eintracht haben aus der verkorksten Zweitliga-Saison 06/07 gelernt.

Damals geriet die mittlerweile nicht mehr im Amt weilende Chef-Etage der "Löwen" in Panik, als es die Braunschweiger als Tabellenletzter mit fünf Trainern auf der Bank versuchten und während der Saison insgesamt elf neue Akteure verpflichteten.

Am Ende hieß es dennoch Abstieg für den BTSV. In der kommenden Saison soll das Dilemma von damals keine Wiederholung finden.(DATENCENTER: Zweiltliga-Spielplan 2011/12)

Mit Oliver Petersch, Nico Zimmermann, den Zwillingen Raffael und Gianluca Korte, dem Portugiesen Marcel Correia und Pierre Merkel fanden bisher sechs neue Spieler ohne großen Namen den Weg an die Hamburger Straße.

Auf ein Kaliber vom Schlage Marek Mintals wie bei Mit-Aufsteiger Hansa Rostock verzichten die "Blau-Gelben".

Rekordsaison in der Dritten Liga

Allerdings besteht bei den Niedersachsen auch nur eingeschränkt Handlungsbedarf. Die Aufstiegsmannschaft stellte etliche Rekorde für die Dritte Liga auf.

So erzielte das Team die meisten Tore, bekam die wenigsten Gegentreffer, stellte mit Dominick Kumbela den Torschützenkönig und holte die meisten Punkte der eingleisigen Dritten Liga.

Bellarabis Weggang wiegt schwer

Ein Garant für die Offensiv-Rekorde war Karim Bellarabi, der die Blau-Gelben zu Saisonende Richtung Bayer Leverkusen verließ und den größten Verlust darstellt.

Dennoch blickt Marc Arnold optimistisch in die Zukunft: "Wir sind zuversichtlich und haben großes Vertrauen in unseren aktuellen Kader", sagt der ehemalige Profi.

Investitionen in die Zukunft

Daher wurde die Mannschaft nur punktuell und mit Perspektive verstärkt. In die Bellarabi-Rolle soll Nico Zimmermann schlüpfen, der für seinen letzten Verein 1. FC Saarbrücken in 37 Drittliga-Partien acht Tore schoss und 17 Treffer vorbereitete.

Für den Angriff gelten die Korte-Zwillinge, die vom Oberligisten TuS Mechtersheim als Perspektivspieler verpflichtet wurden, als Investition in die Zukunft.

Mit Oliver Petersch kommt ein Jugend-Nationalspieler: Der 22-Jährige lernte das Fußballspielen in den Jugendmannschaften von Bayer Leverkusen, absolvierte zwölf Einsätze im DFB-Dress und besitzt seine Stärke auf der rechten Außenbahn im Mittelfeld.

Zuletzt stand Petersch bei Rot-Weiß Oberhausen unter Vertrag.

Merkel erfüllt sich seinen Traum

Von einem Ex-Klub Lieberknechts kommt Marcel Correia an die Hamburger Straße. Der 22-Jährige war zuletzt Kapitän des 1. FC Kaiserslautern II in der Regionalliga West und unterschrieb beim Aufsteiger für zwei Jahre. Der Portugiese kann variabel in der Abwehr eingesetzt werden.

Pierre Merkel unterschrieb bei der Eintracht gleich einen Vertrag über drei Jahre. Der Stürmer schoss den Oberligisten Idar-Oberstein zum Aufstieg und sucht die Herausforderung Zweite Liga.

"Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, denn jeder Fußballer träumt davon, irgendwann einen Profivertrag zu unterzeichnen. Ich möchte beweisen, dass ich das Zeug dazu habe, mich bei einem Verein wie Eintracht Braunschweig durchzusetzen", sagte Merkel.

Großer Ansturm auf Dauerkarten

Wie groß die Euphorie in Brauschweig ist, zeigte allein der Trainingsauftakt. Knapp 3.000 Zuschauer säumten den Spielfeldrand bei der ersten Trainingseinheit am 5. Juni ? so viele, dass das Training der Profis kurzerhand ins Stadion verlegt wurde.

Diese dürfen auf die zahlreiche Unterstützung der Fans auch in der kommenden Saison bauen. Zehn Tage vor dem Saisonstart am 17. Juli gegen den TSV 1860 München wurden bereits 12.000 Dauerkarten verkauft.

Der Andrang war so enorm, dass die Wartezeit vor der Geschäftsstelle zu Beginn des freien Verkaufs fast fünf Stunden betrug.

Heiß auf 1860 und die Bayern

Ein ausverkauftes Haus mit 23.500 Zuschauern gibt es zwei Wochen nach dem Liga-Auftakt gegen die "Löwen" aus München im DFB-Pokal gegen deren Stadtrivalen: In der ersten Runde empfängt der Rekord-Jäger der vergangenen Drittliga-Saison den deutschen Rekordmeister FC Bayern München.

Für das Duell am 1. August gegen das Team von Jupp Heynckes hätte die Eintracht sicherlich auch drei- oder viermal so viele Tickets verkaufen können.

Braunschweig ist heiß auf Fußball.

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