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Alemannia Aachen steht nach acht Saisonsiegen auf Platz zwei in der Tabelle © imago

Aachens neuer Manager Bornemann soll für Ruhe sorgen. Zum Abschied vom Tivoli will die Alemannia zurück in die Bundesliga.

Aachen - Mit einem pfiffigen Ausnahmetalent und neuem Sportdirektor will Alemannia Aachen nach zweijähriger Abstinenz in die Bundesliga zurückkehren.

Zum Abschied des Kult-Stadions Tivoli will man eine große Party feiern.

Die wegen ihrer aufgeladenen Atmosphäre berühmt-berüchtigte Arena hat im Sommer nach 81 Jahren ausgedient und wird durch ein neues Stadion ersetzt.

Der "Tivoli II" soll dann ab August Spielstätte für die Bundesliga werden.

Dafür, dass erst einmal nachhaltig Ruhe einkehrt, soll Andreas Bornemann sorgen.

"99,9 Prozent"

Der frühere Freiburger wurde am Dienstag vom dem an der Manager-Suche beteiligten Ex-Profi Erik Meijer mit euphorischen Worten begrüßt: "Wenn wir 100 Prozent gewollt hätten, hätten wir Uli Hoeneß gebraucht. Der wollte aber nicht, deswegen haben wir jetzt 99,9 Prozent."

Dass die Aachener bis jetzt als Tabellenvierter punktgleich mit dem 1. FC Kaiserslautern auf dem Relegationsplatz liegen, ist angesichts des turbulenten Jahres 2008 erstaunlich.

Schließlich nahm Trainer Jürgen Seeberger im Sommer eine Generalüberholung des Kaders vor, und in der Hinserie der neuen Saison wurden Erinnerungen wach an die Chaos-Zeiten zu Beginn des Jahrtausends.

Gipfelnd in der Entlassung von Sportdirektor Jörg Schmadtke, ausgerechnet in der Nacht nach einem 2:0-Sieg gegen Spitzenreiter FSV Mainz 05 (Ergebnisse und Tabelle).

Schnelle Entscheidung über Vertrag

Auch Seeberger wurde in den vergangenen Monaten mehrfach aus dem Hintergrund angezählt.

"Aus der Ferne habe ich mitbekommen, dass er trotz 28 Punkten nicht das uneingeschränkte Vertrauen genießt", meinte Bornemann, der ab dem 3. Januar seinen Dienst als Schmadtkes Nachfolger antreten wird.

Der 37-Jährige kennt den Coach aus seiner Zeit als Manager des SC Freiburg, wo Seeberger damals hospitierte. Ob er dessen im Sommer auslaufenden Vertrag verlängern will, weiß Bornemann noch nicht.

"Ich möchte ein Gespür für ihn, seine Arbeitsweise, seine Mannschaftsführung, seine Spielvorbereitung bekommen", sagte er, denn "die Personalie des Trainers soll schnell entschieden werden".

Richtig aber unbeliebt

Doch nicht nur beim Aufsichtsrat, mit dem sich Schmadtke zuletzt zermürbende Auseinandersetzungen liefern musste, sondern auch bei den Fans hatte Seeberger lange einen schweren Stand (Alle Zweitliga-News).

Im Sommer musterte er Publikumslieblinge wie Laurentiu Reghecampf oder Alexander Klitzpera aus - richtige Entscheidungen, wie sich im Nachhinein erwies. Und er förderte ein Talent wie U19-Nationalspieler Lewis Holtby.

Der 18-Jährige, der von Position und Spielweise an den Mönchengladbacher Shootingstar Marko Marin erinnert, zeigte in der Hinrunde einige herausragende Leistungen und erzielte beim 2:0 gegen 1860 München am Freitag sein erstes Profi-Tor.

Auch abseits des Spielfeldes ist der Youngster erfrischend frech. So sprach er in Radio-Interviews nach dem Sieg gegen die "Löwen" von "Stuckmann, der Pfeife" - der angesprochene Torhüter stand verdutzt neben ihm.

Mitten im Aufstiegskampf

Wie unbeirrt sich die Mannschaft von den Querelen zeigt, findet Seeberger "bemerkenswert". Der Kader hat jedenfalls Qualität. Der Tivoli könnte bei derzeit sieben Siegen aus acht Heimspielen wieder zu einem wichtigen Pfund im Aufstiegskampf werden (Der Spielplan).

Und mit der Verpflichtung Bornemanns und der Vertragsverlängerung mit Geschäftsführer Frithjof Kraemer bis 2012 soll endlich Ruhe einkehren.

Doch auf beide kommt gleich die nächste unangenehme Aufgabe zu. Der Kader ist der kleinste der Liga. Und Seeberger erklärt stets, dass Neuverpflichtungen in der Winterpause "eine Frage der Zielsetzung" seien.

Sprich: Ohne Zugänge sei der Aufstieg nicht zu erwarten. "Der Etat eröffnet keinen Spielraum", stellte Kraemer jedoch klar. Es bleibt also spannend am Tivoli.

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